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Besser hören mit MP3-Technik und Lichtstimulation: 15. Jahrestagung der DGA

(openPR) 15 Millionen Deutsche leiden unter Hörstörungen – Interdisziplinäre Zusammenarbeit, um ihre Situation zu verbessern – Jahrestagung zeigt neue Methoden und Entwicklungen auf – Betroffene wie Günther Beckstein berichten – Mehr als 500 Besucher kamen nach Erlangen – Breites Themenspektrum vom Cochlea Implantat bis zur gesellschaftlichen Integration von Schwerhörigen



ERLANGEN – Rund 15 Millionen Deutsche leiden unter einer Hörstörung. Dabei ist dies längst keine typische Alterskrankheit mehr. Immer mehr Jugendliche sind betroffen. Die Folgen sind fatal: Eine einseitige Schwerhörigkeit kann im Durchschnitt fast zu einer Halbierung des Monatseinkommens führen, wenn es zu Einschränkungen in der alltäglichen Kommunikation im Berufsleben kommt. ?Der Hörverlust drohte auch dem ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein: Seit ?2010 ist er Träger eines Cochlear Implants (CI) und hat damit heute wieder ein Hörvermögen von rund 85 Prozent. Bei der 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA) berichtete er von seinen Erfahrungen: „Obwohl ich weiß, dass ich mich als exponierter Politiker meist in überdurchschnittlich günstigen Hörsituationen befinde, ermutige ich alle Betroffenen immer wieder zu einem selbstbewussten und offenen Umgang mit ihrer Hörschädigung.“ Um älteren Menschen wie ihm, aber zum Beispiel auch Kindern mit angeborener Schwerhörigkeit zu helfen, arbeiten im Bereich der Audiologie zahlreiche Berufsgruppen und Wissenschaftsdisziplinen zusammen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Hörschäden zu vermeiden, zu erkennen und zu behandeln. Bei der Jahrestagung in Erlangen kamen sie unter dem Thema „Vom Hören zur Kommunikation“ vom 7. bis 10. März zusammen, um aktuelle Entwicklungen und neue Methoden auszutauschen – und auch Betroffene wie Günther Beckstein zu Wort kommen zu lassen. Die Veranstaltung lockte über 500 Besucher in die Medizin- und Universitätsstadt.

Von Biologie bis Medizin, von Technik bis Pädagogik
Dabei war die Versorgung mit Cochlea Implantaten bei der inzwischen größten audiologischen Veranstaltung im deutschsprachigen Raum nur ein Thema unter vielen: So interdisziplinär wie in der Audiologie gearbeitet wird, so breit gefächert war das Tagungsprogramm: Mehr als 200 Beiträge befassten sich mit biologischen und technischen Grundlagen sowie medizinischen, pädagogischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Zu Wort kamen dabei nicht nur Wissenschaftler und Experten, sondern auch Eltern von Kindern mit Hörstörungen sowie erwachsene CI-Träger. Einen Schwerpunkt bildete die gesellschaftliche Integration von Schwerhörigen: Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Schulsystem zu verwirklichen; das heißt das Schulsystem muss an die Bedürfnisse von Behinderten angepasst werden. Vor welche Herausforderungen dieses neue Konzept das Schulsystem stellt und wie es um die Integration und Inklusion von Schwerhörigen im Alltag steht, war Thema einer Sitzung, in der neben Günther Beckstein auch betroffene Eltern berichteten. Weitere Sitzungsthemen sind zum Beispiel die Nachsorge von Cochlear-Implant-Trägern, das Adult Hearing Screening oder die Hörversorgung bei asymmetrischem Gehör.

Medizinstadt Erlangen als idealer Tagungsort
Die Wahl der Deutschen Gesellschaft für Audiologie fiel nicht zufällig auf Erlangen als Tagungsort für die Jubiläumsveranstaltung: „Das Thema ‚Hören’ ist in Erlangen seit Langem an vielen Stellen vertreten. Die Stadt ist Standort eines der größten Hörgeräteherstellers und mit der Entwicklung des MP3-Players am hiesigen Fraunhofer-Institut auch Wiege der digitalen Elektronikkommunikation. Außerdem wurden hier im Medical Valley bedeutende Experimente zur Hörphysiologie durchgeführt und die Entwicklung und Etablierung der elektrischen Reaktionsaudiometrie vorangetrieben“, so Prof. Dr. Ulrich Hoppe, Tagungspräsident und Leiter des Cochlear-Implant-Centrums CICERO an der Erlanger HNO-Klinik.

Von MP3 bis Lichtimpuls
Wie das in Erlangen erfundene MP3-Verfahren für die Hörgeräteversorgung genutzt werden kann, stand dann auch im Mittelpunkt einer der sechs strukturierten Sitzungen, die neben drei Plenarvorträgen den Kern der Veranstaltung bildeten: Durch das MP3-Verfahren könnten in Hörgeräten die Audiodaten komprimiert und überflüssige Informationen ausgefiltert werden, sodass das geschädigte Innenohr entlastet wird.
Eine Zukunftstechnologie mit viel Potenzial könnte laut Prof. Dr. Patrick Zorowka, Past-Präsident der DGA, auch die Lichtstimulation in Neuroprothesen wie CIs sein – dies war Thema einer weiteren Sitzung: Im Gegensatz zu elektrischen könnten Lichtimpulse die Nervenfasern im Ohr gezielter ansteuern und Informationen schneller weitergeben.
Für die Plenarvorträge konnten internationale Experten gewonnen werden: Der amerikanische Neurologe Arnold Starr sprach über „Auditorische Neuropathie“, Walter Kellermann, Professor für Nachrichtentechnik am Lehrstuhl für Multimediakommunikation und Signalverarbeitung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg informierte über „Digitale Signalverarbeitung für Binaurale Störgeräuschunterdrückung“ und Frans Coninx vom Institut für Audiopädagogik, Solingen, beschäftigte sich unter dem Titel „Wie ‚fessele’ ich Kinder?“ mit der Frage, ob Erwachsene und Kinder es gemeinsam und interaktiv schaffen, die Aufmerksamkeit (auditiv) zu lenken und vor allem dann auch festzuhalten.

Ein komplexes Thema von vielen Seiten betrachtet
Um der Vielschichtigkeit der audiologischen Themen gerecht zu werden, konnten Kongressteilnehmer der verschiedensten Fachbereiche in Kurzvorträgen und freien Referaten aktuelle Forschungsergebnisse und neue Methoden vorstellen. Im Vorfeld der Tagung hatten außerdem auch explizit weniger erfahrene Techniker, Mediziner und Audiologen die Möglichkeit, sich in fünf Tutorien praktisch weiterzubilden – zum Beispiel zur Hörgeräteversorgung bei Kindern.

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