(openPR) Der „Till“, die Hofsänger, „Guddi Gutenberg“, der „Bote vom Bundestag“ – durch die Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ sind diese Fastnachtsfiguren in ganz Deutschland bekannt geworden. Doch wer sind die Menschen hinter dieser Maskerade? Was treibt sie an, sich alljährlich auf einen wahren Sitzungsmarathon zu begeben, um ihre Pointen zu präsentieren? Mit der Dokumentation „Die Fastnachtshelden von Mainz“ (1. Februar 2012, 20.15 Uhr im SWR Fernsehen) hat der Filmautor Harold Woetzel nun erstmals einen Blick in die Arbeitszimmer und Proberäume der Akteure geworfen. Entstanden sind liebevolle Porträts von Menschen, die sich mit viel Herzblut einer besonderen Art „Volkskunst“ verschrieben haben.
Inmitten einer grauen Herbstlandschaft beginnt der Film mit einer Reise durch die Wohnstuben der Protagonisten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch egal, ob eher konservativ wie Jürgen Dietz vom MCV, bekannt als der Bote vom Bundestag, oder ein Hans-Peter Betz, der als „Guddi Gutenberg“ auch gerne den politisch „Schwarzen“ mal einen mitgibt – eines haben diese Wort-Künstler gemein: Bereits Monate vor der eigentlichen Kampagne bereiten sie sich in den eigenen vier Wänden auf die „fünfte Jahreszeit“ vor. Während allerdings Hans-Peter Betz mit Michael Emrich und anderen GCV-Kollegen deren „Running Gags“ mit Spundekäs und Brezeln in geselliger Runde plant, bevorzugt Jürgen Dietz die völlige Abgeschiedenheit und Ruhe seines Arbeitszimmers.
Auf diese Weise vermittelt der Film zum einen den Spaß der Akteure. Zum anderen zeigt er die akribische Arbeit, bis ein Vortrag steht. Wie überall gilt: Aller Anfang ist schwer, denn nicht zu vergessen: Keiner ist professioneller Unterhaltungskünstler. Selbst für Urgestein Hans-Peter Betz, Sitzungspräsident der Sendung “Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, gibt es nichts Schlimmeres, als vor einem leeren, weißen Blatt zu sitzen. Deshalb wird das ganze Jahr gesammelt, weshalb „Obermessdiener“ Andreas Schmitt in seinem Notizbuch schon eine Fülle an Ideen niedergeschrieben hat. Lustiges wie Nachdenkliches – denn auch ein solch „schweres“ Thema wie der Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche wird von ihm in der Bütt nicht ausgespart.
Durch die mit viel Engagement vorgetragenen, gereimten Weisheiten zwischen Alltag und Politik entsteht eine Art „Volkskunst“. Denn vom „Boten“ bis zum „Guddi“, vom Hofsänger bis zum Schnorreswackler – alle sind sie eingebettet in das Leben der Stadt. Der eine verdient als Unternehmer, der andere als Lehrer, ein dritter als EDV-Spezialist seine Brötchen. Eben noch Fastnachtschor singen die Finther Schoppesänger im Altersheim für einen guten Zweck. Der Ministerialrat verwandelt sich abends in einen weinseligen „Diogenes“. Und alle fiebern sie im Stadion bei den „Nullfünfern“ des heimischen Bundesligisten mit.
Die Kamera begleitet die Akteure so stets zwischen Beruf und Berufung. Auf diese Weise gelingt dem Film beides: die leidenschaftliche Hingabe der handelnden Personen in der Bütt aufzuzeigen und die Menschen hinter den Rollen zu porträtieren. Immer wieder kehrt der Film jedoch zu einer der unzähligen Sitzungen zurück, auf die sich alles fokussiert. Denn hier entscheidet sich auch, wer einen Platz in der Fernsehfastnachtssendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ ergattern kann. Der Film ist eine vielschichtige Dokumentation über die Menschen hinter ihren Rollen, mit denen sie längst zu echten Markenzeichen geworden sind. Sehenswert allemal.











