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Thüringer Bachwochen 2012 mit Schwerpunkt "Reformation und Musik"

06.12.201111:28 UhrKunst & Kultur
Bild: Thüringer Bachwochen 2012 mit Schwerpunkt "Reformation und Musik"
Thüringens größtes Klassikfestival findet 2012 vom 30. März bis zum 22. April statt.
Thüringens größtes Klassikfestival findet 2012 vom 30. März bis zum 22. April statt.

(openPR) Die Thüringer Bachwochen finden 2012 vom 30. März bis 22. April in dreizehn Städten und Gemeinden des Freistaates statt. Das Festival widmet sich dann dem thematischen Schwerpunkt „Reformation und Musik“ und präsentiert 51 Konzerte, Kantatengottesdienste, Vorträge sowie ein Symposium. Neben Gastspielen von internationalen Künstlern und renommierten Ensembles wird es mit dem Abschlusskonzert im Erfurter Dom St. Marien eine Premiere im Auftrag des Festivals geben. Zudem wird mit dem Auftritt des Barockorchesters Concerto Copenhagen die EU-Ratspräsidentschaft Dänemarks in Anwesenheit des dänischen Botschafters während des Festivals musikalisch gewürdigt.



Dem musikalischen Themenjahr „Reformation und Musik“ innerhalb der Luther-Dekade Rechnung tragend findet am 31. März die Eröffnung der Thüringer Bachwochen in Eisenach statt und besteht erstmals nicht nur aus einem Konzert, sondern zudem aus einem ökumenischen Gottesdienst sowie einem Podiumsgespräch. Dessen Teilnehmer – darunter Dr. Petra Bahr, die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischöfin Ilse Junkermann und Prof. Dr. Martin Petzold, Vorsitzender der Neuen Bachgesellschaft – werden sich bei ihrer Diskussion im Bachhaus bereits einigen Fragen widmen, die im Zentrum des Reformations-Schwerpunktes bei den Bachwochen stehen. So soll unter anderem erörtert werden, welche Rolle die religiöse Dimension von Musik in der heutigen Wahrnehmung überhaupt noch spielt. Funktioniert die Musik Johann Sebastian Bachs auch ohne ihre spirituelle Basis? Was geht verloren, wenn man etwa die Matthäuspassion als rein musikalisches Werk im Konzertsaal aufführt?
Einem anderen Ansatz widmet sich ein Symposium, das von dem Leipziger Theologen und Kirchenmusiker Prof. Christoph Krummacher gemeinsam mit dem Erfurter Domorganisten Prof. Silvius von Kessel für den Abschlusstag des Festivals vorbereitet wird: Hier soll Luthers Musikverständnis näher beleuchtet werden, sein Bild von der Rolle der Musik in der Religion – und auch die Frage, welche Bedeutung Musik als verbindendes Element für die Ökumene haben kann.
Den Blick zurück in die Geschichte richten schließlich noch zwei Vorträge im Rahmen des Festivals - auf der Wartburg und im Rathaus von Schmalkalden: Am 1. April referiert der Erfurter Theologe Prof. Christoph Bultmann über Luthers Bibelübersetzung und ihre Konsequenzen für die Kirchenmusik, eine Woche später wird der Marburger Kirchenhistoriker Prof. Wolf-Friedrich Schäufele einen Vortrag über Schmalkalden als Ort der Reformation halten.
Neben diesen eher wissenschaftlich geprägten Veranstaltungen soll das Thema „Reformation und Musik“ aber natürlich vor allem musikalisch erlebbar sein: So stehen Bachs Kantaten im Mittelpunkt von neun musikalischen Gottesdiensten, in denen gleichermaßen die heimischen Bachchöre wie auch die gastierenden, international renommierten Ensembles auftreten. Zudem widmet sich eine Reihe von Konzerten den Verbindungen von Bach und Luther:

Bachs „Matthäuspassion“ zur Festivaleröffnung

Nach der Aufführung der „Matthäuspassion“ durch das schottische „Dunedin Consort“ unter John Butt zur Eröffnung des Festivals wird am Karfreitag gleich in drei Thüringer Orten die „Johannespassion“ erklingen. Zentral steht dabei das Gastspiel des belgischen Ensembles „Il Fondamento“, das am 6. April, in Weimar auftritt. Bereits am Vorabend widmet sich ein musikalischer Vortrag in Gotha der Bedeutung von Chorälen in Bachs Vokalwerk am Beispiel der „Johannespassion“. Große Werke Bachs stellen auch zwei Konzerte am 21. April in den Vordergrund: Am Nachmittag interpretiert das Vokalensemble „Sette Voci“ des international bekannten Bassisten Peter Kooij zwei Bach-Motetten in Ohrdruf, abends tritt in der Bachkirche Arnstadt das Schweizer Ensemble „Gli Angeli Genève“ mit dem Oster- und dem Himmelfahrtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf. Das Luther-Bild Bachs selbst möchte die „Hamburger Ratsmusik“ um die Gambistin Simone Eckert näher beleuchten. Am 14. April werden sie auf der Wartburg Musik aus der Zeit um 1500 aufführen, Werke etwa von Johann Walter oder Josquin de Prés, die einen guten Eindruck vom musikalischen Universum der Luther-Zeit vermitteln.

Erstmals Festivalgastspiele in Schmalkalden und Jena

Der Schwerpunkt „Reformation und Musik“ bietet zudem einen guten Grund, erstmals in zwei Wirkungsorten Luthers zu gastieren, die bislang nicht auf der musikalischen Landkarte des Festivals standen: In Schmalkalden wird am Ostersonntag der Dirigent und Musikwissenschaftler Hermann Max mit seinen Ensembles gleich zweimal auftreten. Am Morgen dirigiert Max eine Kantate im Gottesdienst, nachmittags stellt er mit der „Rheinischen Kantorei“ drei Kantaten Bachs aus dessen Weimarer Zeit im Konzert vor. Eine Bachwochen-Premiere erlebt neben Schmalkalden aber auch Jena: Am 12. April wird das Festival hier ein besonderes Konzert präsentieren, mit dem zugleich die Stadtkirche St. Michael als Konzertort der Saalestadt wieder eröffnet wird. Der Lautenist und Dirigent Luca Pianca kommt mit seinem „Ensemble Claudiana“, Solisten sowie Mitgliedern der Wiener Sängerknaben für ein Konzert nach Thüringen, das die Thüringer Bachwochen in Kooperation mit dem Wiener Konzerthaus präsentieren. Eine Woche später ist in Jena dann auch das „Bach Jazz Quartet“ zu erleben, eine Hommage des Festivals an die lebendige Jazzszene der Universitätsstadt.

Renommierte Ensembles zu Gast bei den Thüringer Bachwochen

Reizvolle Höhepunkte bietet das Festival-Programm auch außerhalb seines Reformations-Schwerpunktes. Mit dem Gambisten Jordi Savall und seinem Ensemble „Le Concert des Nations“ gastieren am 7. April in Erfurt bereits zum zweiten Mal die aktuellen „Superstars“ der Alte-Musik-Szene. Savalls Instrument – die Viola da Gamba – steht auch im Mittelpunkt eines Gastspiels von „Il Suonar Parlante“ am 15. April in Weimar. Dieses Gambenquartett unter Leitung von Vittorio Ghielmi wird Auszüge der „Kunst der Fuge“ sowie Werke aus Renaissance und Barock in ein außerordentlich farbenreiches Klangbild tauchen; dem Publikum erschließen sich so ganz unerhörte neue musikalische Welten. Verbindungen zwischen dem Werk Bachs und dem großen englischen Komponisten Henry Purcell beleuchtet die „Lautten Compagney Berlin“ bei einem Konzert in Erfurt am 14. April. Von Gustav Peter Wöhler gelesene Texte aus dem Alten Testament, von William Fuller und Johann Rist schaffen dabei Brücken zwischen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.
Unter englischem Einfluss steht auch die erste Kooperation der Thüringer Bachwochen mit dem MDR Sinfonieorchester. Am 20. April gastiert der Klangkörper mit Nachwuchs-Geiger Ray Chen in der Eisenacher Georgenkirche; am Pult steht mit Paul Goodwin einer der führenden Dirigenten der historischen Aufführungspraxis, der seit 2011 zudem Leiter des Carmel Bach Festivals in Kalifornien ist. Auf dem Programm steht eine von Goodwin editierte Suite aus Sinfonien aus Bachs Kantatenwerk, außerdem Bach-Bearbeitungen von Webern, Corigliano und Vaughan Williams. Bereits am Eröffnungswochenende findet ein Konzert statt, das neben der musikalischen auch einen politische Dimension hat: Mit dem Barockorchester Concerto Copenhagen gastiert am 1. April Dänemarks wohl populärster „musikalischer Exportschlager“ in Arnstadt. Das Ensemble stellt seine Interpretation der Bach-Orchestersuiten vor – in Anwesenheit des dänischen Botschafters, der damit die EU-Ratspräsidentschaft seines Landes würdigt.

Kammermusikalische Konzerte u.a. mit Rieger, Koroliov und Ugorski

Die Reihe kammermusikalischer Konzerte vereint ebenfalls prominente Künstler der Klassikszene mit außergewöhnlichen Geheimtipps. So wird in Weimar der Kölner Cembalist Christian Rieger gleich zweimal spielen: als Matinee am 1. April die „Kunst der Fuge“ und anschließend noch einmal ein Programm für Kinder. Ebenfalls im Weimarer Stadtschloss stellt am Ostersonntag der italienische Barockcellist Marco Frezzato drei Solosuiten Bachs vor – neben zwei der Cellosuiten auch eine Violinpartita, die Frezzato auf dem selten zu hörenden „Violoncello piccolo“ spielt, einem Vorläufer der heutigen Viola.
Als Höhepunkte der Thüringer Bachwochen 2012 sind sicherlich auch die traditionellen Klavierrecitals anzusehen. Auf der Bühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar spielt am Ostermontag Ragna Schirmer die „Goldberg-Variationen“: eine geradezu logische Wiedereinladung nach Schirmers furiosem Auftritt im Rahmen des „Festes für das Klavier“ bei den zurückliegenden Bachwochen 2011. Das Festivaldebut begeht dagegen ein Künstler, der in Deutschland immer noch als Geheimtipp gilt, obwohl seine Bach-Interpretationen Referenzcharakter besitzen: Der russische Pianist Evgeni Koroliov wird am 13. April im Musikgymnasium Werke von Bach und – zusammen mit seiner Frau Ljupka Hadzigeorgieva – Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ für Klavier zu vier Händen spielen.
Ein ähnlich profilierter Altmeister der russischen Klavierschule ist Anatol Ugorski, der seinen Auftritt bei den Thüringer Bachwochen jedoch dem Debüt eines jungen Streichquartettes unterordnet: Das in der traditionellen „Generation Bach“-Reihe auftretende „Delian Quartett“ hat seit seiner Gründung 2007 eine furiose Karriere hingelegt und wird sich mit Werken von Bach und Schostakowitsch vorstellen. Für dessen Klavierquintett findet es sich dann mit Ugorski zusammen, womit ein musikalisches Gipfeltreffen zu erwarten ist.

Generation Bach erneut als fester Bestandteil

Die Serie von Konzerten junger Künstler setzen schließen gleich drei junge Geigerinnen fort: Mit dem phantastischen „Solistenensemble Kaleidoskop“ tritt die isländische Geigerin Elfa Rún Kristinsdóttir auf, Preisträgerin des Leipziger Bach-Wettbewerbes, die sich neben der Barockmusik aber auch mit atemberaubenden Interpretationen von zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht hat. Ebenfalls in Leipzig erfolgreich, aber noch ganz am Anfang ihrer Karriere ist die 21jährige Friederike Starkloff. Die Freiburger Studentin wird in ihrer Heimatstadt Waltershausen gemeinsam mit Organist Theophil Heinke konzertieren. Eine der interessantesten Barockgeigerinnen unserer Zeit kommt schließlich aus Australien: Sophie Gent, mittlerweile in Paris ansässig und Konzertmeisterin gleich mehrerer führender Alte-Musik-Ensembles. Sie wird im Weimarer Schloss Bachs Sonaten für Violine und Cembalo aufführen. Noch ein weiteres Mal führt die Reihe „Generation Bach“ nach Waltershausen: An der historischen Trostorgel der Stadtkirche finden sich die Studenten und Professoren der Orgelklasse der Weimarer Musikhochschule zusammen, um gemeinsam eines der wichtigsten Werke für Orgel überhaupt aufzuführen – den dritten Teil der Clavier-Übung von Johann Sebastian Bach. In der Marienkirche Mühlhausen tritt schließlich am 20. April der Preisträger des diesjährigen Bach-Liszt-Orgelwettbewerbes, Péter Kovàcs aus Ungarn, auf.
Nicht vollständig wäre der Schwerpunkt der Nachwuchsförderung bei den Thüringer Bachwochen freilich ohne die traditionelle „Lange Nacht der Hausmusik“. Am Freitag, dem 30. März, sind wieder alle Thüringer Familien eingeladen, ihre Wohnungen für kleine Hauskonzerte zu öffnen. Nachdem bereits im vergangenen Jahr rund 100 Termine im ganzen Land zu verzeichnen waren, ist auch für 2012 der Anspruch groß, den Anfang März erscheinenden Kalender erneut auszubauen.

Premiere zum Festivalabschluss

Einen Höhepunkt bieten die Thüringer Bachwochen im kommenden Jahr zu ihrem Abschluss: Mit dem belgischen Ensemble „graindelavoix“ haben die Bachwochen eine der derzeit spektakulärsten a-cappella-Gruppen beauftragt, ein neues Programm eigens für den Erfurter Dom zu entwickeln. In dieser größten Kirche Thüringens werden die Sänger am 22. April ein Konzert präsentieren, das Werke vom 14. Jahrhundert bis zu Johann Sebastian Bach vorstellt, Verbindungen zwischen den verschiedenen Musikepochen aufzeigt – und schließlich auch den Dom neu erlebbar macht, wenn das Ensemble während des Konzertes von verschiedenen Orten aus agiert.

Erwartet werden zu den mehr insgesamt 51 Veranstaltungen des Festivals rund 15.000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands und Europas. Für die Thüringer Bachwochen steht 2012 ein Gesamtbudget von rund 500.000 Euro zur Verfügung. Neben der federführenden Unterstützung durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst beteiligen sich erneut auch die Mitteldeutsche Barockmusik und verschiedene Thüringer Bachstädte. Anlässlich des Themenjahres „Reformation und Musik“ fördert zudem erstmals der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, die Thüringer Bachwochen.

Als führende Sponsoren leistet die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen mit ihrer Kulturstiftung wie auch den regionalen Sparkassen unverzichtbare Unterstützung, wichtige Partner sind darüber hinaus etwa das Dorint Hotel Am Goethepark Weimar, der Industrieclub Thüringen, das Modehaus Papenbreer und Russ & Janot in Erfurt sowie die Köstritzer Schwarzbierbrauerei.

Wie in den erfolgreichen Vorjahren möchten die Thüringer Bachwochen auch 2012 ihre kulturtouristische Bedeutung weiter ausbauen. Dabei setzt das Festival seine enge Zusammenarbeit mit der Thüringer Tourismus GmbH fort, die durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie unterstützt wird.

Ticketverkauf ab dem 1. Dezember 2012

Der Ticketverkauf für die Thüringer Bachwochen 2012 beginnt am 1. Dezember 2011, Karten sind dann in allen bekannten Vorverkaufsstellen des Landes, bei der Thüringer Tourismus Information unter 0361 - 37 42 0 sowie auch online unter www.thueringer-bachwochen.de erhältlich.

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