(openPR) Die Thüringer Bachwochen sind das größte Musikfestival im Freistaat. Vom 26. März bis 18. April 2010 werden 36 Veranstaltungen stattfinden, eröffnet wird die Konzertreihe durch Frans Brüggen und sein Orchester des 18. Jahrhunderts. Darüber hinaus gastieren u.a. das Münchener Kammerorchester mit dem Starpianisten und ECHO-Klassik-Preisträger David Fray, die Violinistin Carolin Widmann, der Gambist Jordi Savall mit seinem Ensemble 'Le Concert des Nations' oder die Schwestern Baiba und Lauma Skride in Thüringen. An zwei Abenden werden in ungewöhnlichen Räumen die Grenzen zwischen Klassik und Elektro aufgelöst.
Die Thüringer Bachwochen haben sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Musikfest des Landes entwickelt. Mehr als 12.000 Besucher aus Deutschland und dem europäischen Ausland kommen in der Osterzeit nach Thüringen, um im Rahmen des dreiwöchigen Festivals an Bach-Orten Konzerte zu erleben. Durch Aufführungen der Bachschen Musik, etwa in der Taufkirche in Eisenach oder an seinen frühen Wirkungsstätten in Weimar, Mühlhausen, Arnstadt, Ohrdruf oder Waltershausen, wird das Erbe Johann Sebastian Bachs lebendig gehalten. Für den Erfolg des Festivals wesentlich ist jedoch nicht nur die authentische Vergangenheit der Aufführungsorte. Vor allem überzeugen die Thüringer Bachwochen durch ihr schlüssiges künstlerisches Konzept, das Brücken schlägt zwischen den Auftritten international renommierter Interpreten und regionaler Bachpflege, zudem Raum für grenzüberschreitende und zuweilen polarisierende Projekte bietet. „Diese inhaltliche Ausrichtung außerhalb des Mainstreams verleiht dem Festival ein eigenes Gesicht, das vom Publikum gewürdigt wird und zudem auch ein jüngeres Klientel zu interessieren vermag“, so Professor Silvius von Kessel, Vorsitzender des Vereins Thüringer Bachwochen.
Historische Aufführungspraxis
Eine wesentliche Säule des Programms ist das Bachsche Œuvre in historischer Aufführungspraxis. „Gerade die Präsentation der sakralen Musik Bachs an den frühen Wirkungsstätten ist gleichermaßen Kernaufgabe des Festivals wie eindrucksvolle Erfahrung für das Publikum“, so Prof. von Kessel. „Deshalb wird schon das Eröffnungskonzert am 27. März 2010 in Eisenach einen besonderen Akzent setzen. Zum Auftakt der Karwoche wird die Johannespassion erklingen, aufgeführt von der Capella Amsterdam und dem Orchester des 18. Jahrhunderts unter Leitung von Frans Brüggen.“ Der holländische Dirigent hat sich als Wissenschaftler und Interpret intensiv mit der historisch korrekten Interpretation barocker Musik beschäftigt. Sein eigenes Orchester gründete er 1981. Brüggens Interpretationen bestechen nicht nur durch musikalische Brillanz, sondern durch intellektuelle Schärfe und spirituelle Tiefe, die insbesondere die Aufführung der Johannespassion am Taufstein Bachs in der Eisenacher Georgenkirche zu einem Ereignis werden lassen dürften. Auch der zweite prominente holländische Bachinterpret gibt sich bei den Thüringer Bachwochen im kommenden Jahr die Ehre: Ton Koopman, künstlerischer Leiter des Amsterdam Baroque Orchestra, wird am 15. April 2010 als Organist an der berühmten Trost-Orgel der Stadtkirche Waltershausen zu erleben sein.
Eine besondere Ehre ist für die Thüringer Bachwochen 2010 der Auftritt des spanischen Gambisten Jordi Savall mit seinem Ensemble "Le Concert des Nations". Savall hat wie kaum ein anderer Künstler das Repertoire von Renaissance bis Frühklassik erforscht und bis heute mehr als 170 CDs veröffentlicht. Sein Augenmerk gilt dabei oft den Komponisten seiner katalanischen Heimat, aber auch seine Interpretationen von Kammermusik und Orchesterwerken Bachs haben Referenzcharakter. Seine Interpretation des "Musikalischen Opfers" am Karsamstag, dem 3. April 2010, in Weimar darf mit Spannung erwartet werden. Gleiches gilt für Concerto Köln, eines der bekanntesten deutschen Barockorchester. Das Ensemble arbeitet regelmäßig mit so populären Solisten wie Cecilia Bartoli, vermag aber auch für sich zu überzeugen. In Ohrdruf, wo der jugendliche Bach nach dem Tod der Eltern bei seinem älteren Bruder aufwuchs, stellt Concerto Köln am 17. April 2010 Bachs Orchestersuiten vor. Historische Aufführungspraxis ist jedoch nicht nur in Gestalt dieser großen ersten Generation von Interpreten zu erleben. In der Arnstädter Bachkirche tritt am 28. März eine Künstlerin auf, die mit ihrem außergewöhnlichen Können nicht nur ECHO Klassik-Preisträgerin ist, sondern ihrem Instrument zu einer Renaissance verholfen hat: Dorothee Oberlinger, Blockflötistin und kongeniale Interpretin der barocken Solokonzerte für ihr Instrument. Sie wird bei den Bachwochen mit ihrem eigenen Kammerorchester, dem Ensemble 1700, zu hören sein.
Wiederentdeckte Komponisten und Werke
Neben der Präsentation des Hauptwerkes von Johann Sebastian Bach verstehen es die Thüringer Bachwochen als ihre Aufgabe, ein Podium für wiederentdeckte Kompositionen oder Randwerke Bachs zu bieten. „Ein besonderes Ereignis dürfte 2010 die Aufführung der Kantate ‚Klagt, Kinder, klagt es aller Welt’ durch die Lautten Compagney Berlin werden. Die große zweiteilige Kantate mit einer Dauer von zwei Stunden wurde als Köthener Trauermusik von Bach für seinen Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen geschrieben - ihre Arien und Chöre finden sich jedoch auch in der Matthäuspassion wieder“, so Prof. von Kessel. Die Kantate gilt somit als weltliche Frühfassung der Matthäuspassion, deren Wiederaufführung nun einen ungewohnten Blick auf die bestens bekannten Teile der großen Passion ermöglicht.
Generation Bach mit Transkriptionen
Einer ähnlichen Intention – nämlich sog. Transkriptionen des Bachschen Werkes – wird das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen folgen, das mit einer Fassung der Goldberg-Variationen für zwei Klaviere von Josef Rheinberger und Max Reger für ein unerwartetes Hörerlebnis sorgen wird. Auch junge Künstler, die meist noch am Anfang einer internationalen Karriere stehen und im Festival in der Reihe „Generation Bach“ auftreten, werden sich im kommenden Jahr stark mit Transkriptionen beschäftigen. Innerhalb des Festivalprogramms 2010 sind so etwa der Pianist David Theodor Schmidt oder die Geigerin Baiba Skride und ihre Klavier spielende Schwester Lauma Skride zu nennen, die sich mit ihren Konzertprogrammen in besonderem Maße um ein wichtiges Stück Musikgeschichte verdient machen: Ihre Konzerte beleuchten Bach als Ideengeber und Inspirator in der Musikgeschichte der letzten Jahrhunderte. Bearbeitungen etwa von Franz Liszt oder Ferruccio Busoni verraten viel über die Bach-Rezeption ihrer Zeit und vermitteln neue Einblicke in zuweilen scheinbar zu vertraute Musik.
Die Reihe "Generation Bach“ sucht aber gezielt auch nach Interpreten, deren Bach-Verständnis nicht zwingend mit der mittlerweile weit verbreiteten historischen Aufführungspraxis übereinstimmt, sondern die sich sehr eigene Zugänge zu Bach erarbeitet haben. An erster Stelle ist hier der junge französische Pianist David Fray zu nennen, der in den letzten Jahren eine furiose Karriere begonnen hat und mit dem Münchener Kammerorchester am 10. April in Erfurt gastiert. Als ähnliche Ausnahmetalente können sicherlich die Geigerin Carolin Widmann und der Cellist Dávid Adorján gelten, beide Meister ihres Faches und zugleich charismatische Persönlichkeiten, die auch ein junges Publikum für klassische Musik zu begeistern in der Lage sind. Gleiches gilt für das Vokalensemble amarcord und das junge Berliner Solistenensemble Kaleidoskop.
Kooperation mit der Hochschule für Musik FRANZ LISZT
Talentierte Interpreten der "Generation Bach" gibt es auch im eigenen Land. Darum haben die Thüringer Bachwochen im vergangenen Jahr eine langfristige Kooperation mit der Weimarer Musikhochschule vereinbart. Im Rahmen der Bachwochen 2010 gibt es nun gleich zwei große Projekte: Der bekannte Thomaskantor Georg Christoph Biller wird auf Einladung der Festivals mit den Ensembles der Hochschule die Messe in h-Moll einstudieren und in Weimar und Eisenach aufführen. Die Musikstudenten erhalten so die besondere Möglichkeit, mit einem der führenden Bachinterpreten unserer Zeit zu arbeiten. Im Anschluss kommt dann der israelische Fagottist Mordechai Rechtman nach Deutschland, in Fachkreisen eine Legende, der auch nach dem Ende einer langjährigen Tätigkeit im Israel Philharmonic Orchestra noch Akzente zu setzen vermag. Rechtman hat ausgehend von seinem Verständnis der Orgel als "multiples Blasinstrument" Bachsche Orgelwerke für ein großes Bläserensemble bearbeitet. Diese ungewöhnlichen und sicher polarisierenden Neufassungen studiert Mordechai Rechtman nun mit Professoren und Studenten der Weimarer Musikhochschule ein, die sie dann gemeinsam in Weimar der Öffentlichkeit vorstellen. Für die Bachwochen versteht es sich von selbst, diese in Thüringen in eigener Initiative realisierte Nachwuchsarbeit andernorts zu fördern und durch eine Einladung ins Bach-Stammland Thüringen zu unterstützen. So ist es sicherlich ein reizvolles Ereignis, die jungen Künstler des Utrechts Students Choir and Orchestra aus Holland zu erleben, die am Karfreitag, dem 2. April, in Mühlhausen die Matthäuspassion aufführen werden.
Besondere Räume für Klassik: Heizwerk Erfurt und e-werk Weimar
Besondere Programme brauchen zuweilen besondere Orte - und manchmal vermögen es ungewöhnliche Orte ihrerseits, neue Ohren für Bach zu gewinnen. Diese Intention trägt im kommenden Jahr in besonderem Maße Früchte, wenn mit dem e-werk Weimar ein klassik-untypischer, aber gleichwohl bekannter Raum bespielt wird. Darüber hinaus taucht im Festival ein Raum auf, der bereits vor zehn Jahren eine kulturelle Prägung erfuhr, dann aber über Jahre wegen baulicher Mängel gesperrt war: Mit zwei Konzerten eröffnen die Bachwochen in Erfurt das Heizwerk im Brühl wieder, gleichsam eine Kathedrale des Industriezeitalters, mit einem einzigartigen und für Konzerte hervorragend geeigneten ehemaligen Kesselsaal. Dank der Unterstützung engagierter Helfer wie der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) als Betreiber und des Modehauses Papenbreer als Sponsor kann dieser Ort nun endlich wieder zugänglich gemacht werden. Dabei bieten sowohl das Heizwerk im Brühl als auch das Weimarer e-werk einen perfekten Rahmen für zwei ungewöhnliche Konzerte, die Ergebnis der kontinuierlichen Suche auch nach stil- und genreübergreifenden Projekten mit Bach-Bezug sind. Das Solistenensemble Kaleidoskop mit Dietrich Henschel in Weimar und das Kammerorchester Elbipolis in Erfurt nennen ihre Konzerte "Barocklounges" - und verknüpfen ihre musikalisch anspruchsvollen Aufführungen mit DJ-Sets, in denen Elektrokünstler die Bach-Musik der Barockensembles sampeln und in gänzlich neuer Form hörbar machen. Was bei dieser Verknüpfung von Barock und Elektro entsteht, ist sicherlich ungewöhnlich, zuweilen auch irritierend, in jedem Falle aber ein neuer Ansatz, den die Bachwochen voller Spannung verfolgen.
Abschlusskonzert: Die Swingle Singers
Weniger experimentell, auf seine Art aber ebenso stilübergreifend ist das Abschlusskonzert der Thüringer Bachwochen 2010 am 18. April in Weimar. Dort werden die Swingle Singers zu erleben sein, die inzwischen in verjüngter Besetzung die vielfältigen a-cappella-Arrangements zur Aufführung bringen, für die das Ensemble seit den 1960er Jahren berühmt ist. Der Mix aus arrangiertem Bach und Klassikern von Vivaldi bis Gershwin ist sicher nichts für Puristen, aber allemal eine gute Möglichkeit, Bach in entspannter Form kennenzulernen und somit für ein neues Publikum schmackhaft zu machen.
Regionale Akzente und Lange Nacht der Hausmusik
All diese inhaltlichen Ansätze wären jedoch fragwürdig ohne eine nachhaltige Anbindung an die Regionen, an die Bachpflege in Thüringen und die vielen aktiven und passiven Bachfreunde und -interpreten des Landes. Thüringer Bachaufführungen wird daher wesentlicher Raum geboten, in Konzerten ebenso wie in Kantatengottesdiensten. So werden in der im Festivalzeitraum so zentral gelegenen Karwoche regionale Aufführungen der Johannespassion in Erfurt und Weimar sowie der Markuspassion in Erfurt zu erleben sein, hinzu kommen die für das religiöse Verständnis Johann Sebastian Bachs unverzichtbaren Aufführungen von Kantaten in ihrem liturgischen Kontext in Gottes-diensten in Eisenach, Ohrdruf, Waltershausen und Erfurt. Den Auftakt des Festivals bildet schließlich schon traditionell die "Lange Nacht der Hausmusik", die sich seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2006 rasch zur Visitenkarte der Bachwochen entwickelt hat. Am Abend des 26. März werden also wieder mehr als fünfzig Privatwohnungen und -häuser für kleine, öffentliche Konzerte geöffnet, werden Kinder und Erwachsene, Profis und Laien musizieren und mit ihrer Kunst ein bunt gemischtes Publikum begeistern. So bildet Bach zum Auftakt des Festivals den idealen Anknüpfungspunkt für ein gemeinsames Musikerlebnis, für ein Kennenlernen im Zeichen der Musik - lebendiger kann Bach auch nach 300 Jahren nicht sein.
Touristische Angebote
Vorrangig an Touristen, aber auch an das Thüringer Publikum richten sich 2010 wieder spezielle Konzertpakete, die dem wiederkehrenden Festivalgast entsprechende Rabatte gewähren. Durch zeitlich und thematisch sinnvolle Kombinationen sollen so vor allem Reisende für ganze Festivalwochenenden an die verschiedenen Bachorte gelockt werden. Diese touristischen Angebote stehen in engem Zusammenhang mit dem langfristigen Marketing des Festivals, das erneut gemeinsam mit der Thüringer Tourismusgesellschaft (TTG) realisiert wird. Finanziert wird das Festivalmarketing durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie, das damit weiterhin die große Bedeutung Thüringens als Kulturland und Heimat Johann Sebastian Bachs würdigt.
Ermöglicht werden die Thüringer Bachwochen 2010 durch die kontinuierliche finanzielle Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Darüber hinaus sind vor allem die beteiligten Städte zu nennen, die das Festival nicht nur finanziell unterstützen, sondern die Veranstaltungen mit organisatorischem Engagement begleiten. Dank gilt schließlich den Sponsoren und Förderern der Thüringer Bachwochen 2009 - namentlich der Sparkasse Mittelthüringen sowie der Wartburg-Sparkasse, dem Industrieclub Thüringen, dem Modehaus Papenbreer und dem Mercedes-Benz Autohaus Russ & Janot in Erfurt, der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, den Partnerhotels Dorint am Goethepark Weimar sowie Steigenberger Thüringer Hof Eisenach sowie der Goldhelm Schokoladen-Manufaktur Erfurt.
Vorverkauf
Der Vorverkauf für die Thüringer Bachwochen 2010 beginnt mit der Veröffentlichung des Festivalprogramms am 7. Dezember 2009. Karten sind über alle Vorverkaufsstellen des Ticketshop Thüringen, die Tourist Information Thüringen sowie telefonisch unter 0361 | 37 42 0 sowie 0180 | 505 5 505 oder die Webseite des Festivals (www.thueringer-bachwochen.de) erhältlich.
Medienkontakt
für Fotomaterial, Interviewanfragen und Festivalinformationen:
Thüringer Bachwochen e.V.
Jens Haentzschel | Pressebetreuung
Röhrstraße 15
99423 Weimar
Mobil: 0172 | 277 65 36
Weitere Informationen über das Musikfestival, Bildmaterial für Journalisten sowie Tickets finden Sie auch im Internet unter:
www.thueringer-bachwochen.de











