(openPR) Gegen die geplanten Neuerungen, die der Software-Hersteller Sage gegenüber seinen Vertragshändlern durchsetzen will, formiert sich immer mehr Widerstand. Seit dem 1. Oktober ist das neue „Leo“-System in Kraft, das den Status und die Provision der Händler regelt. Mit dem kommenden Jahr sollen auch geänderte Regelungen im Ticket-System gelten – die für die Vertriebspartner teuer werden können. Der neu gegründete Verein „Business Partner Mittelstandssoftware“, in dem sich bereits über 40 Vertragshändler von Sage zusammengeschlossen haben, setzt daher auf die Kooperation zwischen seinen Mitgliedern. „Ziel des Vereins ist es, dass wir einander so gut helfen, dass wir kein einziges Ticket bei Sage kaufen müssen“, sagte der 1. Vorsitzende Esmail Akbari, nach einem Treffen des Vereins in Berlin.
Wenn ein Händler Hilfe bei einem Sage-Produkt braucht, soll er seine Frage ab sofort im Online-Forum des Vereins veröffentlichen. Die Mitglieder wollen dann gemeinsam nach einer Lösung suchen. Hintergrund: Bisher konnten die Vertriebspartner auf Basis der kostenpflichtigen Partnervereinbarung unbegrenzt viele Kundenfragen an Sage weiterleiten. Ab 2012 soll es ein Kontingent geben – von gerade einmal zwei Fragen pro Kunde und Modul im Jahr. Ist das Guthaben erschöpft, muss der Händler Tickets für 50 Euro pro Stück kaufen. Erhältlich sind sie nur im 10er-Pack.
Geplant ist außerdem, im Forum alle Erweiterungen für Sage-Produkte zu sammeln, die von den Mitgliedern des Vereins entwickelt wurden. Solche Zusatzmodule gibt es zum Beispiel für Dokumentenmanagement-Systeme, Fertigungssoftware für den Maschinenbau oder Custom-Relationship-Management-Systeme (CRM). Andere Mitglieder können diese Lösungen dann auch ihren Kunden anbieten. Diese Zusatzmodule sollen gegenüber Lösungen von Händlern, die nicht im Verein organisiert sind, bevorzugt behandelt werden.
Ein weiteres wichtiges Thema des Treffens war „Leo“. Das neue Punktesystem gilt seit fast zwei Monaten. „Viele Händler werden dadurch mindestens sieben Prozentpunkte ihrer Provision verlieren“, sagt Esmail Akbari. Im Extremfall könne das dazu führen, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen. Auch im Hinblick auf den Status der Händler führen die Änderungen bei „Leo“ aus Sicht des Vereins zu massiven Verschlechterungen. Um zum Beispiel den Gold-Status halten zu können, muss ein Vertriebspartner neuerdings pro Jahr mindestens vier neue Kunden gewinnen. Bisher floss die Zahl der Neukunden zwar auch in den Status ein, war aber nur ein Faktor unter vielen.
Innerhalb der ersten gut drei Monate ist die Mitgliederzahl der Business Partner Mittelstandssoftware von 24 auf inzwischen 42 Mitglieder angewachsen – ein Plus von 75 Prozent. Ziel des Vereins ist es, zusammen mit Sage Strategien zu entwickeln, die von dem Software-Hersteller und allen Vereinsmitgliedern gemeinsam getragen werden. „In Zukunft wird eine positive Vermarktung von Sage-Produkten – auch gegenüber der Konkurrenz – nur durch gemeinsame Entscheidungen möglich sein – nicht mehr im Alleingang“, sagt Esmail Akbari. Um die Kommunikation weiter zu verbessern, wollen sich der Vereinsvorstand und Sage regelmäßig treffen. Der nächste Gesprächstermin mit der Sage-Geschäftsführung ist für Januar angesetzt. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins gibt es unter http://www.bpmev.org .
Hintergrund:
Der Verein „Business Partner Mittelstandssoftware“ ist im August 2011 in Fulda ins Leben gerufen worden und befindet sich derzeit „in Gründung“. Zweck des Vereins ist laut Satzung „die partnerschaftliche, vernetzte und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ von Sage-Vertragshändlern. Zudem sollen die Kommunikation und der Wissenstransfer zwischen den Vertriebspartnern und Sage als Hersteller gefördert werden. Zu den inzwischen 42 Mitgliedern zählen die System AG, die DESK Software & Consulting GmbH, die Bents Informationssysteme GmbH und die Computer-L.A.N. GmbH in Fulda.











