(openPR) „In Reflexion auf das Friedensfest“, erzählt Wolfgang Lackerschmid, „wurde mir bewusst, dass wir JazzmusikerInnen längst ganz selbstverständlich den Frieden zwischen allen Völkern und Religionen leben und kreativ umsetzen.“ Dass er für seine Wahlheimat Augsburg stets musikalisch unterstützend bereit steht, weiß man seit vielen Jahren, bei denen er für viele wichtigen, die Stadt betreffenden Anlässe zur adäquaten musikalischen Umsetzung beitrug – wie die 2009 im Römischen Museum uraufgeführte Komposition „Steinklang einer 2000-jährigen Stadt“, einer bereits im dritten Jahr von StudentInnen des Leopold-Mozart-Zentrums bislang rund 250 Mal äußerst erfolgreich präsentierten „klingenden Visitenkarte für die Stadt Augsburg“.
Im Falle des jährlich seit dem Jahr 1650 begangenen Augsburger „Hohen Friedensfest“ treffen sich Lackerschmids Engagement für die Stadt und sein persönliches musikalisches Anliegen aufs Vorteilhafteste: Zum Friedensfest, das seit 2005 auch offiziell die Feierlichkeiten zum „Augsburger Religionsfrieden“ (1555) einschließt und somit, in heutiger Interpretation, für die Gleichberechtigung der Religionen eintritt, bildet Lackerschmids, seit 2009 jährlich neu zusammengestelltes, Ensemble Common Language Common Sense eine musikalische, alle Weltreligionen einigende Entsprechung. International kennt man den Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid unter anderem aufgrund seiner langjährigen, bis in die späten 80er reichende Zusammenarbeit mit der Jazzikone Chet Baker. Zweifellos ein Virtuose an seinem Instrument überzeugt Lackerschmid mit „melodisch ausgefeilten und rhythmisch vielschichtigem Spiel“ (Ulf Drechsel, Reclams Jazzlexikon) in Swing und Bebop gleichermaßen wie in Cool Jazz, Latin und Kammermusik. Sein Werk erstreckt sich nicht nur vom Jazz bis in die Klassische Musik und damit von Vibraphon und verwandten Percussioninstrumenten bis zum kompletten Orchesterschlagwerk, auch als Komponist ist Lackerschmid höchst produktiv, schreibt neben Jazzkompositionen und Liedern auch für Ensembles, Chor und Orchester, Bühnenmusiken für Theater und komponiert für die Augsburger
Puppenkiste. Im Jahr 1990 bringt ihm seine Tätigkeit den „Staatspreis für Musik“ des Bayerischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaften ein.
Seine internationalen und in langjähriger Tourtätigkeit gefestigten Verbindungen halfen Lackerschmid dann auch bei der Umsetzung eines höchst ambitionierten Projekts, nämlich aus Anlass des Friedensfest eine nicht nur internationale und musikalisch hochkarätige Jazzband zusammenzustellen, sondern dieser auch noch die Form einer „Multi Religionen“ Jazzband zu geben. „Jeder“, erläutert Lackerschmid, „soll sich hier in der gleichen Position als alleiniger Vertreter seiner religiösen Herkunft wiederfinden!“ Keine Religion soll doppelt vertreten sein. Selbstverständlich sollten nur auserlesene Instrumentalisten in die Band, ein musikalisches und organisatorisches Puzzlespiel, das Lackerschmid auch 2010 wieder mit Bravour löste. In der sechsköpfigen Besetzung finden sich internationale Stars wie Tiger Okoshi (Trompete, Buddhist), Bob Degen (Piano, Protestant), Ron Mahdi (Bass, Mohammedaner), Yaron Israel (Drums, Israelit/„Black Hebrew“) und Biliana Voutchkova (Geige, Christl. Orthodox). Die Band komponierte, probte, konzertierte im Vorfeld des Friedensfestes eine Woche lang und spielte anschließend in der Augsburger Synagoge sowie Open Air auf dem Elias Holl Platz.
Interessiert hätte ihn, meint Lackerschmid, die „künstlerische Umsetzung des Einflusses auf die Musik“, wie sie sich aus der Zusammenarbeit der Musiker und ihrer Verschiedenheit ergibt. Durch die diversen Religionen ergäben sich auch andere musikalische Wurzeln, die in Improvisationen und beigesteuerte Kompositionen einflössen. Alle Titel wären sehr unterschiedlich gewesen, fährt Lackerschmid fort, hätten dabei aber immer „einen thematischen Bezug zum Frieden oder basieren auf sakraler Musik aus dem Kulturkreis des jeweiligen Komponisten. Der vermittelte organische Gesamteindruck der Musik beruht auf der besonderen Leistung des Kollektivs.“ Und organisch ist er in der Tat, der Eindruck der im Anschluss in Lackerschmids Traumraum Tonstudio entstandenen CD Common Language Common Sense (hipjazz) – trotz der Verschiedenheit der Quellen. Das Album beginnt mit dem feierlich-fröhlichen Good For The Soul (Donald Harrison), gefolgt vom epischen Eight Views, One Truth (Lackerschmid), über die „unterschiedlichen Sichtweisen auf im Grunde dieselbe Wahrheit“, dann einer Komposition des Schlagzeugers Yoron Israel, Amaylah, über das Schaffen einer friedlichen Welt für die Kinder, und dem hörspielartigen Peace – Bell – Um (Lackerschmid) vom Sieg des Friedens über den Streit. Bob Degen steuert in My Psalms eine Vertonung seiner Lieblingspsalmen bei; Biliana Voutchkova fordert in Response einen spannenden musikalischen Dialog aller Beteiligten ein. Den Abschluss bildet Kagomee, Kagomee (Okoshi), das eine Adaption eines japanischen Kinderliedes darstellt. Musik, die nicht unberührt lässt. Was Lackerschmid sicher freut: „Die Musik in den Dienst des Gefühls zu stellen,“ pflegt er zu sagen, „ist für mich ein wichtiger Aspekt!“
+++ Besetzung+++
Wolfgang Lackerschmid vibes
Tiger Okoshi trumpet
Biliana Voutchkova violin
Bob Degen piano
Ron Mahdi bass
Yoron Israel drums
+++Pressestimmen+++
"Eine neue CD des Augsburger Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid war überfällig, lag die Veröffentlichung von "Hurry up and wait" (hipjazz) doch schon fünf Jahre zurück. Und nun ein Konzeptalbum zum Augsburger "Hohen
Friedensfest"? Keine Sorge! Das hochkarätige international besetzte Sextett liefert exzellenten modernen Jazz auf Basis eines abwechslungsreichen
Programms, in das die beteiligten Musiker Kompositionen mit Bezug zum religiösen Thema einbrachten. In Wolfgang Lackerschmids "Peace - bell - um" improvisieren der japanische, in USA lebende Trompeter Tiger Okoshi und die bulgarische Geigerin Biliana Voutchkova recht frei über der von Lackerschmids Vibraphon geprägten meditativen Grundmelodie. "My psalms" des Pianisten Bob Degen bietet Okoshi Gelegenheit zu einem gefühlvollen Solo, bevor Degen auf Basis des dezenten Swings von Bassist Ron Mahdi und Schlagzeuger Yoron Israel improvisiert. Das japanische Kinderlied "Kagomee, Kagomee" trägt eine asiatische Sicht zum Thema bei und bringt die Band heftig zum Swingen. Die Musik drückt ein reifes musikalisches Konzept von erfahrenen Musikern aus und wird auch Jazz-Freunde ansprechen, die dem Thema dieses Konzeptalbums nicht nahestehen."
(Hans-Bernd Kittlaus in Jazz Podium 11/2011)
"Das hohe Friedensfest in Augsburg versammelte ein internationales Jazzsextett unterschiedlicher Konfessionen, die durchaus musikalisch sinnhaft miteinander diskutierten - spielten. Unter der Leitung des Vibrafonisten Wolfgang Lackerschmid agierten in diesem Konzert der Pianist Bob Degen, der in Japan gehorene, in Amerika lebende Tiger Okoshi(tp), die Amerikaner Ron Mahdi (b) und Yoron Israel (dr) und die bulgarische Geigerin Biliana Voutchkova. Die gemeinsame künstlerische Basis ist eine von der Tradition geprägte Moderne, die auch weniger experimentierfreudige Musikfans anderer Genres zu erreichen weiß. Die Stücke stammen von den Künstlern des Sextetts (außer "Good For The Soul"/Donald Harrison, dem Beitrag Ron Mahdis). Teilweise in klanglich und formal etwas riskantere Bereiche wagen sich Voutchkova mit "Response" und Tiger Okoshi mit "Kagomee, Kagomee". Ein doch ein wenig zurückhaltender Versuch eines (New) Jazz Meetings, das Religionen und Kulturen verbindet, dabei die Dominanz des amerikanischen Jazz zwar erneut beweist, bei dem aber der großen Spielfreude und den solistischen Qualitäten dieses Konzerts weitere folgen sollten."
(Thomas Hein in Concerto 5/2011)

















