(openPR) Große Ziele haben die Vereinten Nationen mit dem Jahr der Jugend verknüpft: Die Jugend soll auf der ganzen Welt ein Stückchen näher rücken und einen verständigen Blick entwickeln für Menschen unterschiedlicher Generationen und mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und nationalen Hintergründen. Gleichzeitig appelliert die UN an die Jugendlichen: Zeigt, was in euch steckt und nutzt euer Jahr, um euch besonders Gehör zu verschaffen! Bei ihrer Austauschmaßnahme mit Israel beteiligte sich die dbb jugend nrw an diesen Zielen auf besonders passende Art und Weise.
Vom 17.-24. Juli hatte die dbb jugend nrw eine 7-köpfige Delegation aus Israel nach Nordrhein-Westfalen eingeladen. Neben einer Vertreterin des israelischen Partnerverbandes gehörten drei Bürgermeister aus den Städten Kadima-Zoran, Kfar Kassem und Ma’ale Adumim zur Gruppe. Jeder dieser Bürgermeister hatte wiederum einen Jugendlichen aus seiner Stadt mitgebracht, der sich besonders engagiert für gleichaltrige Jugendliche einsetzt: als Kreisschülersprecher, als Jugendleiterin bei den Pfadfindern oder als ehrenamtliche Mitarbeiterin im örtlichen Gemeindezentrum.
Auf diese Weise gelang es der dbb jugend nrw, Jung und Alt in einen gleichberechtigten Dialog auf Augenhöhe zu bringen. Das Wissen und die Erfahrung aus ihrem Ehrenamt machten die Jugendlichen - neben den Bürgermeistern - zu kompetenten und versierten Gesprächspartnern.
Als großes Einwanderungsland hat Israel viele kulturelle und soziale Strömungen aufgenommen. So findet man beispielsweise in Kadima-Zoran Einwanderer aus Deutschland, Russland, Iran, Syrien, Ägypten, Türkei, Marokko - insgesamt aus über 65 Ländern und damit aus nahezu allen Teilen der Welt. Israel gehört damit unbestritten zu den Experten, was das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen angeht. Was in Israel nicht immer spannungsfrei bleibt, verlief in Deutschland völlig harmonisch: Zwei Gruppenmitglieder kamen aus einer arabischen Stadt in Israel und waren ein wertvoller und gleichberechtigter Bestandteil der Delegation.
Wie sich in Deutschland das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gestaltet, lernte die Gruppe bei einem Besuch im „Interkulturellen Haus No. 9“ in Köln-Chorweiler kennen. Der Stadtteil im Norden von Köln ist durch einen besonders hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund gekennzeichnet. In den Räumen der verschiedenen Einrichtungen, die zu dem Zentrum gehören, läuft das Miteinander der Kulturen weitestgehend unproblematisch ab, wussten die Mitarbeiterinnen vor Ort zu berichten. Auch im Mönchengladbacher Jugendclub „Westend“ konnten die Gäste aus Israel ein erfolgreiches Beispiel interkulturellen Miteinanders von Kindern und Jugendlichen aus vielen unterschiedlichen Kulturkreisen kennen lernen.
Einen konkreten Beitrag zur Integration leistet auch das Franz-Jürgens-Berufskolleg mit einer sogenannten Seiteneinsteigerklasse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nach ihrer Flucht aus Krisen- und Kriegsgebieten wie Afghanistan, Irak und diversen afrikanischen Ländern wird diesen Jugendlichen am Düsseldorfer Berufskolleg ein allgemeinbildender Abschluss und der Einstieg in das Arbeitsleben ermöglicht.
Um interreligiösen Dialog ging es bei Besuchen in den jüdischen Gemeinden in Düsseldorf und Köln. Dort kamen die erwachsenen wie die jugendlichen Delegationsteilnehmer schnell mit Gleichaltrigen ins Gespräch und tauschten sich über Unterschiede und Gemeinsamkeiten des jüdischen Lebens in Israel und in Deutschland aus.
Da die Förderung von Jugendbeteiligung ebenfalls zu den Zielsetzungen im Jahr der Jugend gehört, standen zwei Begegnungen bei Trägern ehrenamtlichen Engagements junger Menschen auf dem Programm: Bei IN VIA Köln ging es unter anderem um Internationale Freiwilligendienste, während das Freiwillige Soziale Jahr und der Bundesfreiwilligendienst beim FSJ im Erzbistum Köln Hauptgegenstand der Gespräche war. Auch bei ihrem Besuch in der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) in Bonn drehte sich das Gespräch um die Förderung von Jugendbeteiligung. Bei der bpb steht jedoch das Begeistern von jungen Menschen für Politik und Demokratie im Vordergrund der Arbeit. Dass dort derart viel Mühe und Anstrengung darauf verwendet wird, auch politikferne Jugendliche für Politik zu begeistern, stieß bei der israelischen Delegation auf Verwunderung und große Anerkennung.
Neben Fachgesprächen standen ebenso politische Gespräche auf der Agenda. So traf sich die Gruppe auch mit der Bürgermeisterin der Stadt Mönchengladbach, Renate Zimmermanns, dem Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, und dem Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach, Lutz Urbach. Letzterer ist nach einer Städtepartnerschaft mit der palästinensischen Stadt Beit Jala gerade auf der Suche nach einer israelischen Stadt, um in einer Dreiecksbeziehung den Friedensprozess im Nahen Osten zu unterstützen.
Die Delegation aus Israel hatte von diesem Wunsch erfahren und neben einem Granatapfel als Gastgeschenk noch ein zweites Präsent im Gepäck: einen Brief des Bürgermeisters der israelischen Stadt Geney Tikva, Avishay Levin, in dem dieser der Stadt Bergisch Gladbach die Möglichkeit einer Kooperation und auch städtepartnerschaftliche Beziehungen anbietet. „Über das erste Geschenk - den Granatapfel - freue ich mich sehr“, sagte Urbach sichtlich bewegt. „Aber über das zweite Geschenk freue ich mich noch viel mehr.“ Und auch die israelischen Bürgermeister waren begeistert: „Viele reden über die Fehler und Probleme von Israelis und Palästinensern miteinander und was beide Seiten falsch machen. Die wenigsten reden aber darüber, was beide Seiten zusammenbringen kann. Wir freuen uns sehr, dass Sie durch ihre angestrebte Dreiecks-Partnerschaft einen wichtigen Schritt tun möchten, um die Friedensbemühungen zu unterstützen“, äußerte der Bürgermeister von Ma’ale-Adumim, Benjamin Kashriel, seine Anerkennung und seinen aufrichtigen Dank.
Auch die dbb jugend nrw zeigt sich von den Bemühungen der Stadt Bergisch Gladbach begeistert, einen trilateralen Austausch zu initiieren. Sollte die Städtepartnerschaft mit Geney Tikva tatsächlich zustande kommen, hätte die dbb jugend nrw nach der Partnerschaft zwischen Bonn und dem chinesischen Chengdu einmal mehr als Geburtshelferin einer Städtepartnerschaft fungieren dürfen. „Wir freuen uns sehr, dass unsere langjährige internationale Arbeit auch in dieser Hinsicht so viel Erfolg aufweist“, resümert Markus Schallenberg, Landesjugendleiter der dbb jugend nrw, freudestrahlend.











