(openPR) Die Vorschläge der ExpertInnengruppen, die zur neuen PädagogInnenausbildung vorliegen, beziehen die Kindergarten- und SozialpädagogInnen mit ein. Damit wird dokumentiert, dass Bildungspolitik mehr als Schulpolitik ist: sie muss als Gesamtkonzept gesehen werden, das den Bildungsbereich vom Kleinkind über Schule, Hochschule/Universität bis zur Erwachsenenbildung abdeckt.
Im Kindergarten spielen die Buben und Mädchen den ganzen Tag
In den Bildungseinrichtungen für die jüngsten Kinder geht es nicht darum, dass möglichst viel, von dem was in der Schule gefordert wird, vorweggenommen wird.
Es geht darum, dass die schier grenzenlose Neugier, die Lust am Experimentieren, am Fabulieren, am Erfinden und Gestalten aller Kinder ernst genommen wird.
Kinder im Vorschulalter lernen/ bilden sich auf diese die Art und Weise. Sie eignen sich so täglich ein bisschen mehr von der Welt an. Im Kopf, mit den Händen, mit allen Sinnen und mit dem Gefühl! Früher hieß das „Lernen mit Hand, Herz und Hirn“.
Wir Erwachsenen sehen, dass die Buben und Mädchen den ganzen Tag spielen - für sie ist das der Arbeitstag, der Pausen und ein Ende braucht.
Gute PädagogInnen erkennen, welches Kind Unterstützung für sein körperliches und seelisches Wohlbefinden braucht, sie geben allen Kindern Geborgenheit und Sicherheit und ihre sie setzten ihre pädagogischen Interventionen so, dass jedes einzelne Kind dort abgeholt wird, wo es steht und jedes Kind seine persönlichen Erfolgserlebnisse hat.
In solchen Gruppen dürfen gleichaltrige Buben und Mädchen Unterschiedliches zur selben Zeit „ lernen“: schreiben, lesen, zeichnen, malen, experimentieren, musizieren, Theater spielen, Häuser und Schiffe und ganze Städte bauen, bohren, hämmern und sägen, auf Bäume klettern, über Seile balancieren, über Hügel rutschen, … denn nicht alle Kinder haben im selben Alter dieselben Interessen – aber alle Interessen bilden die Grundlage für die Freude am Lernen. In diesen Gruppen darf aber auch gekuschelt, geschlafen, gegessen oder einfach „Löcher in die Luft“ geschaut werden.
KindergartenpädagogInnen sind WegbereiterInnen in die Zukunft
Diese für das ganze weitere Leben so entscheidenden Entwicklungs- und Bildungsprozesse müssen gezielt unterstützt werden und das gelingt nur auf profundem Wissenshintergrund.
In diesem Prozess braucht jedes Kind einfühlsame, wissende PädagogInnen, die es empathisch verstehen, fürsorglich die „Lust am Lernen“ unterstützen und Erfolgserlebnisse vermitteln. PädagogInnen, die die Zusammenhänge der verschiedenen Persönlichkeitsanteile erkennen, selber neugierig sind und Lust haben, herauszufinden – „zu erforschen“ - wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Kinder liegen.
Die „Neuen PädagogInnen“ brauchen aber auch jenen wissenschaftlichen Hintergrund, der ihnen eine möglichst objektive Auslegung und Deutung der beobachteten Situationen ermöglicht und sie brauchen jenes didaktische Wissen und methodische Handwerkszeug, das gezielte pädagogische Interventionen erst möglich macht.
Sie müssen interdisziplinär denken können und sich den rasch veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen können. Sie müssen verstehen, sich abzugrenzen und erkennen, dass sie auf Kooperationen mit den Bezugspersonen der ihnen anvertrauten Kinder und mit anderen Professionen (SozialberaterInnen, PsychologInnen etc.) angewiesen sind. Sie müssen kooperations- und kommunikationsfähig sein und bereit dazu sein, sich ständig mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen.
Mit solchen PädagogInnen wird der neue österreichweit gültige Bildungs-Rahmenplan umgesetzt werden und die Buben und Mädchen am Ende ihrer Kindergartenzeit jene Basiskompetenzen, die für ein gelungenes schulisches und berufliches Leben notwendig sind, mitnehmen können: Schlüsselqualifikationen, die gebraucht werden, um mit der zunehmenden Komplexität von Arbeitsprozessen und der immer kürzer werdende Halbwertzeit des Wissens und mit der rasanten Entwicklung am Technologiemarkt zu Recht zu kommen.
In Zukunft müssen auch die Kindergartenpädagogen auf Bachelor- und Masterniveau ausgebildet werden!
Die derzeitige Ausbildung kann diesen Anforderungen nicht gerecht werden.
Sie ist von der Schulform her eine „Berufsbildende Höhere Schule“ und daher im Alter zwischen 14 und 19 Jahren angesetzt und muss gleichzeitig auf die Allgemeine Hochschulreife vorbereiten. Alle anderen europäischen Länder haben in den letzten 20 Jahren die Ausbildung reformiert und in den tertiären Bereich angehoben.
Die zukünftige neue Ausbildung muss den Erkenntnissen der relativ neuen Wissenschaft „Elementarpädagogik“ einerseits und den praktischen Anforderungen andererseits entsprechen. Sie muss junge Erwachsene, die gerne mit Kindern arbeiten wollen, ansprechen und dazu muss gewährleistet sein, dass es im Laufe ihres Lebens möglich ist, in unterschiedlichen Einrichtungen und unterschiedlichen Funktionen eingesetzt werden zu können.
„Einmal Kindergärtnerin - immer Kindergärtnerin“ muss Vergangenheit werden!
Durch die modulare Ausbildungsform und die gemeinsame Ausbildung aller PädagogInenn wird dies gewährleistet.
Die zukünftige neue Ausbildung muss mit einem akademischen Titel abschließen, weil nur dadurch die notwendige gesellschaftliche Anerkennung und ein angemessenes Gehalt erreicht werden kann.
Die Plattform EduCare wird sich weiterhin dafür einsetzten, dass die vorgeschlagenen Schritte tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden. Noch gibt es zu viele Widerstände, die teils finanziell, teils ideologisch und nicht zuletzt durch fehlende Informationen begründet sind.
Das Symposion der Plattform EduCare unter dem Titel „PädagogInnenBildungNEU - ALLES NEU?“ widmet sich ganz diesem Thema.
• Am Vormittag wird über den aktuellen Stand der „PädagogInnenBildungNEU“ berichtet und der Frage nachgegangen, woran sich eine neue Ausbildung zur Elementarpädagogin/zum Elementarpädagogen von der bisherigen Ausbildung an der BAKIP unterscheidet.
Die Impulsreferate werden von Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis, Univ.-Prof.in Dr.in Cornelia Wustmann und Mag.a Anita Giener-Grün gehalten.
• Am Nachmittag werden weitere aktuelle Themen, die das Berufsfeld betreffen, aufgegriffen: die Ganztagsschule und ihre Auswirkungen auf den Hort und die Möglichkeit im Laufe seines Lebens in unterschiedliche (pädagogische) Berufe ein- und auszusteigen, ohne jeweils von vorne beginnen zu müssen.
Die nachmittäglichen Referate halten Dipl.-Päd. Andreas Wiere und Direktor Dr. Christoph Jungwirth.
Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Dr.in Claudia Schmied, Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend, Dr. Reinhold Mitterlehner, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle sowie die oberösterreichische Landesrätin für Bildung und Gesellschaft, Mag.a Doris Hummer, unterstreichen mit ihrem Ehrenschutz die Wichtigkeit dieser Veranstaltung.
SYMPOSION
PädagogInnenBildungNEU - ALLES NEU?
Donnerstag, 17. November 2011 von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr,
in 4020 Linz, Grillparzerstraße 50
INFORMATIONEN UND ANMELDUNG:
www.plattform-educare.org









