(openPR) Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998, wird das Thema Versorgungssicherheit immer wieder von verschiedenen Standpunkten aus diskutiert. Kritische Stimmen sehen es weiterhin als hochgradig riskant an, die Stromversorgung marktwirtschaftlich orientiert zu organisieren. Andere hingegen sehen einen grossen Vorteil und eine gute Chance in einer Konkurrenzsituation, die zu sinkenden Preisen für den Endverbraucher führen könnte. Allgemein wurde eine Dynamik erwartet, wie man sie bei der Liberalisierung der Telekommunikationsbranche beobachten konnte.
Dass diese Hoffnung nicht erfüllt wurde, hat nicht allein mit der Struktur der Energiewirtschaft zu tun, sondern auch mit den nationalen und weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Im Zuge einer gewissen Anfangseuphorie konnten auch Entwicklungen beobachtet werden, die teilweise orientierungslos wirkten, wie zum Beispiel die Parallelentwicklung zweier Strombörsen am Marktplatz Deutschland. Ein besonderes Hemmnis für einen liquiden Markt war die Pleite von ENRON. Aktuell kann man beobachten, dass der Energiemarkt sich stabilisiert und sich notwendige Strukturen, wie eine gut funktionierende Börse, etablieren und festigen. Nur die erhofften Preissenkungen sind noch nicht realisiert worden.
Wo liegen die Risiken für die Versorgung in der derzeitigen Situation?
Eine Unterbrechung der Stromversorgung könnte zum einen physische Gründe haben, ein Kraftwerk fällt aus oder eine Leitung ist defekt, oder aber wirtschaftliche Gründe, z.B. durch Insolvenz eines Lieferanten.
Die Kraftwerke und Netze in Deutschland haben derzeit noch eine Kapazitätsreserve von 20-30 Prozent; zudem besteht eine gesetzliche Versorgungsverpflichtung des jeweiligen Netzbetreibers. Aus Kostengründen durch politisch motivierte Massnahmen, wie das Abschalten aller Atomkraftwerke, wird diese Überkapazität stetig abnehmen.
Die wirtschaftlichen Risiken, die im extremen Fall zu einer Insolvenz führen, sind zum einen in fehlendem markwirtschaftlichen Know-how der Unternehmen zu sehen, aber eindeutig auch in der schlechten Zahlungsmoral der Endkunden.
Einleuchtend ist, dass der Endkunde nur sehr geringen Einfluss auf die Risikosituation nehmen kann. Die Handhabung der Risiken in Form von Risikomanagement Prozessen ist somit zwingende Aufgabe der Unternehmen der Versorgungswirtschaft. Dieses nicht nur aus Interesse an einer stabilen Versorgung, sondern auch, weil die Kapitalmärkte es entsprechend der neuen Baseler Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) eindeutig fordern. Mit einem ausgeprägten Risikomanagement kann ein Unternehmen die Entscheidungen die es trifft, besser begründen und sich für den Fall eines erhöhten Risikos besser absichern. Es geht hierbei nicht um die Vermeidung von Risiken, sondern das Erkennen von und den Umgang mit Risiken. So kann es lohnenswert sein, kalkulierbare Risiken einzugehen, um höhere Gewinne zu erwirtschaften. Durch die Möglichkeiten des liberalisierten Marktes ist es heute möglich im Falle eines Kraftwerks-Ausfalls kurzfristig die Handelsmärkte in Anspruch zu nehmen, um Fehlmengen auszugleichen. Besonders hier treten jedoch neue Risiken auf wie z.B. das Marktpreis-Risiko, das sich in steigenden/fallenden Angebotspreisen niederschlägt.












