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Hirnbilder – Können Neuronen lügen?

12.07.201117:15 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Hirnbilder – Können Neuronen lügen?

(openPR) Hans Burkerts kritische Auseinandersetzung mit dem ideologischen Vorverständnis der Hirnforschung. Neu erschienen in der edition-vernissage.

Hirnforscher behaupten, mit ihren inzwischen berühmten Geräten wie dem MRT, EEG, fKST oder PET „unserem Hirn bei der Arbeit zuzusehen“. Sogar „Hirnfotos“ scheinen möglich, aus denen sich ablesen lässt, ob ein Probant lügt. Amerikanische Firmen wie die NoLieMRI in San Diego erstellen solche „brain finger prints“ für Personalabteilungen großer Firmen. Tatsächlich messen die Hirnforscher dabei jedoch nur den temporär gestiegenen Sauerstoff- oder Glukoseverbrauch im Gehirn, bzw. die Veränderungen elektrischer oder magnetischer Aktivität einzelner Gehirnregionen. Die daraus mittels bildgebender Verfahren erstellten Hirnscans sind nur computeranimierte Inszenierungen, vergleichbar der Fernsehwetterkarte, die gemessene Temperaturen und Windgeschwindigkeiten in Piktogramme umwandelt.

Woher kommt also der Irrglaube, die Übertragung von Sauerstoffverbrauchmessungen in digitalisierte Hirnquerschnittbilder käme einem unmittelbaren „Blick in unser Gehirn“ gleich?

Diese Fragestellung führt über die derzeit modische „Hirnforschungsdebatte “ hinaus, da wir als Augenmenschen daran gewöhnt sind, Bildern eine nicht weiter zu hinterfragende Evidenz, einen Letztbegründungsanspruch zuzubilligen.

Vernünftig und wahr ist, was ein Bild gibt. Dies weist zurück auf die griechische Philosophie und den deutschen Idealismus, der auch schon dem begrifflichen Denken die „sinnliche Anschauung “ gegenüberstellte, und damit alle anderen Sinne ausblendet.

Vergleicht man diese Spielarten visueller Dominanz, so entschlüsselt sich das bislang ungelöste „Bindungsproblem“ der Hirnforschung als weiterer Versuch, die Welt anschauend einen zu wollen. Das damit korrespondierende Ich ist ein widersprüchliches Kulturprodukt, worin der Einigungsprozess zwar kulminiert, ohne dass dieses jedoch „mit im Bild sein darf“. Hieraus erklärt sich das Dilemma der Hirnforschung, die das Ich zum einen als Willensträger entmachtet, es aber zugleich auch nicht als reines „Epiphänomen“ verstanden wissen will.

Hans Burkert legt in seinem neu erschienen Buch „Hirnbilder – Können Neuronen lügen?“ das visuell dominierte, ideologische Vorverständnis der Hirnforschung offen und setzt sich dabei unter anderem mit der Anmaßung von Wissenschaftlern wie Hans Markowitsch auseinander, der glaubt, mit seinen „neurowissenschaftlichen Gutachten“ den richterlichen Strafprozess überflüssig zu machen. In Wahrheit rankt er seine Erkenntnisse um ein von ihm unterstelltes „Normalhirn“ der „Mehrheit der Bevölkerung“, an dem entlang er mittels Hirnscans „Auffälligkeiten“ glaubt festmachen zu können. Was zunächst als progressive Kritik an dem Richterrecht erscheinen mag, öffnet in Wahrheit als „Neuro-Ethik“ die Schleusen für ein Gesinnungsstrafrecht, das sich nicht an der Tat und deren Folgen, sondern an der vermeintlich neurowissenschaftlich bildhaft gemachten Normabweichung orientiert.

Hans Burkert
Hirnbilder – Können Neuronen lügen?
edition vernissage 2011
134 Seiten Umfang, Softcover, Preis 14,80 €
ISBN 978–3–941812–01–7

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