(openPR) Ein neues Zeitalter von Social Media hat begonnen. Das zeigt sich in letzter Zeit an den Berichten in den Medien: der Börsenwert von Facebook wird mit 100 Millionen USD angenommen, der Ausstieg von Rupert Murdoch bei MySpace (500 Millionen USD verbrannt) und die Ankündigung von Google Plus waren die wichtigsten Themen der letzten Wochen.
Bisher war Social Media stark von Facebook geprägt. Aber die User werden vermehrt neue, dynamische Plattformen und Anwendungen nutzen, um ihre Community themen- und kontextspezifisch anzusprechen.
Eine wesentliche Erkenntnis von Google Plus ist dabei, dass Kontakte nicht gleich Freunde sein müssen, sondern in unterschiedliche "Circles" (Kreise) eingeteilt werden können. Wie im realen Leben: die Bilder von der Familienfeier für die Eltern, die Bilder von der Party für die Freunde, das professionelle Profil für den Arbeitgeber oder den Kunden. Standardmäßig gibt es bei Google Plus „Freunde“, „Familie“, „Bekannte“ und „Nur folgen“. Zusätzlich können beliebig viele weitere eigenen Circles erstellt werden. Man kann die Kommunikation in diesen Kreisen, die getrennt voneinander sind, aktiv steuern. Im Profil von Google Plus kann definiert werden, welche Informationen welche Kreise oder Personen sehen sollen. Das schützt die eigene Privatsphäre.
Auch der User im Web will nicht die totale Transparenz. Nicht der gläserne User, der alle Facetten seines Lebens offenlegt, sondern eine Verbesserung der Qualität der Vernetzung ist die Zukunft von Social Media.
Bei Google Plus geht es eher darum, was den Einzelnen interessiert, nicht darum wer er ist. Schon der Name „Facebook“ offenbart ja schon, dass man in einem Gesicht lesen kann wie in einem Buch.
Facebook will Google jetzt dadurch übertrumpfen, dass sich in seinem Netzwerk Videochats führen lassen. Das ist zwar eine neue Komponente der Kommunikation - neue technische Endgeräte erlauben neue technische Möglichkeiten - aber wirklich bahnbrechend und genial ist es nicht, eine digitale Revolution sieht anders aus. Google Plus hat mit Hangout einen eigenen Video-Chat, auch das ist zwar ein ganz nützliches Feature aber sicher nicht das wesentliche Element.
Für Werbekunden mag es auf den ersten Blick interessanter erscheinen, möglichst viele Informationen über den Enduser zu erhalten. Dann müsste Facebook eigentlich Google weit überlegen sein, weil der User ja hier wesentlich mehr von seinen Hobbies, Vorlieben und Wünschen mit einer großen Community teilt. Aber warum setzt dann Google pro Nutzer 24 USD pro Jahr um und Facebook nur 4 USD?
Google Plus wird durch die „Circles“ mehr vom einzelnen User erfahren als bisher: warum sind welche User in welchen Kreisen zusammen, was sind die Eigenschaften bestimmter Werbung, für welches Produkt oder welche Dienstleistung sind welche Kreise besonders empfänglich? Aufgrund des Suchverhaltens, der Vernetzung und den Kontakten eines Users kann man auf seine Vorlieben, seine Wünsche, seine Pläne und seine Kaufabsichten schließen. Dazu ist eine qualitative Segmentierung individueller Netzwerke von Vorteil. Mit Hilfe von Webanalyse und ausgefeiltem Web Mining lassen sich Gemeinsamkeiten finden und Angebote personalisieren. Dadurch wird das Internet mehr und mehr persönlich. Im gleichen Zug muss der einzelne User aber auch Möglichkeiten haben, zu kontrollieren welche Daten er wem mitteilt.
Manchmal macht es gar keinen Sinn 3.000 „Freunde“ mit Informationen zu überschwemmen, sondern besser ist es sie genau den 30 Usern zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen und die aktiv danach suchen. Jeder Mensch ist individuell und aufgrund seiner Familie, Erziehung, Sozialisation, Heimat, Geschichte, Beruf und seinen Kontakten in einer speziellen Weise geprägt. Problemlösungen sind genau dann erfolgreich, wenn sie individuelle Wünsche des einzelnen Users befriedigen und ihm das zeigen, was er sehen will und nicht wenn der User vor einem Information Overflow resigniert. Mit Hilfe von Behavioral Targeting (Identifizierung verhaltensorientierter Zielgruppen) lassen sich aus den Daten zum Surfverhalten einzelner User Rückschlüsse auf Gemeinsamkeiten beim Online-Verhalten der Circles ziehen.
Kunst besteht nie nur aus Hinzufügen, sondern auch aus Weglassen, Verbergen und Verstecken.
Facebook hat sicherlich seine Berechtigung wenn man eine große Community aufbauen will, sein Netzwerk schnell erweitern und möglichst viele User erreichen will. Aber manchmal ist Klasse wichtiger als Masse.








