(openPR) Yoku ist ein quirliger, aufgeweckter kleiner Junge. Er flitzt über die Kinderstation am Klinikum Niederberg, grinst jedes Mal verschmitzt, wenn er mal wieder von einer der Schwestern gesucht wird. Dann taucht er plötzlich aus irgendeinem Zimmer oder Winkel auf als wolle er sagen: „Da bin ich doch.“ Mit gebrochenem Deutsch erklärt er, dass alle hier seine Freunde sind. Die fremde Sprache hat Yoku in den rund zehn Monaten gelernt, in denen er schon in Deutschland ist.
An seine Operationen erinnert eigentlich nur noch der mit gelber Flüssigkeit gefüllte Beutel, den er noch immer mit sich trägt. „Der Junge hat einen sehr komplexen urologischen Eingriff hinter sich“, erklärt Professor Dr. Mark Goepel, Chefarzt der Klinik für Urologie und Nephrologie am Klinikum Niederberg, in der Kinderurologie eines der Spezialgebiete ist. Er selbst hat schon weit über 200 ähnliche Operationen durchgeführt. Das Klinikum Niederberg kommt derzeit auf rund 20 solcher Eingriffe im Jahr, was im deutschlandweiten Vergleich relativ viel ist. „Die Ausprägung der Fehlbildung, wie sie bei Yoku vorlag, kommt aber weltweit nur sehr selten vor.“ Darum wurde der Zehnjährige aus Tadschikistan nach Deutschland in die Obhut des Friedensdorf International Oberhausen gebracht, wo man sich um die Organisation rund um die Operation kümmerte. Von August an waren zunächst umfangreiche Untersuchungen notwendig, im Januar wurde der Junge erstmals der Kinderurologin Dr. Cornelia Möhring und Professor Goepel im Klinikum Niederberg vorgestellt. Die kinderurologische Kompetenz des Velberter Krankenhauses und die fürsorgliche Betreuung auf der Kinderstation sind den Verantwortlichen des Friedensdorfs sehr wohl bekannt. Schon häufiger wurden insbesondere urologische Fälle mit dem Klinikum Niederberg gemeinsam bearbeitet, in diesem Jahr ist Yoku das zweite Kind. Das bedeutet immer auch finanzielles Engagement auf beiden Seiten. Die medizinische Behandlung und pflegerische Betreuung trägt in diesen Fällen das Klinikum. Manchmal tritt sogar der Förderverein Kinderklinik Niederberg e.V. mit ein, der vor einigen Jahren einen Sonderfonds „Medizinische Versorgung von Kindern aus Entwicklungsländern und Krisengebieten“ aufgelegt hat. Hier stehen Gelder für die Fälle zur Verfügung, in denen unabhängig von der medizinischen Versorgung im Klinikum Niederberg Leistungen Dritter oder aufwändige Transporte benötigt werden.
Yoku wird noch bis August in Deutschland bleiben, vorausgesetzt die Heilung verläuft entsprechend. Dann organisiert das Friedensdorf Oberhausen den Rückflug in die Heimat. In seinen Augen erkennt man Sehnsucht, wenn er von seiner Familie erzählt: „Drei Mädchen, ich hier und ein Junge da. Und Mama! Hast du Telefon?“ Dabei lächelt er und verdrängt damit das bisschen Traurigkeit, das man ihm doch anmerken kann. Er blickt hoch in die Bäume, hört ein Flugzeug, das ihn an das Gewitter vor wenigen Tagen erinnert. „Bum, bum und Feuer!“, lacht er begeistert. Ein Phänomen, das er zuhause nicht zu kennen scheint. Davon und von vielen Bäumen wird er berichten, wenn er wieder zurück ist. Und von ganz vielen Freunden im Friedensdorf und im Krankenhaus.
Hintergrund:
Friedensdorf International arbeitet weltweit mit Organisationen der entsprechenden Länder zusammen. Diese identifizieren Kinder, die in Deutschland operiert werden sollen. Nach weiteren Prüfungen durch spezielle Einsatzteams wird festgelegt, welchen Kindern in Deutschland geholfen werden kann. So kann jährlich rund 1000 kleinen Patienten geholfen werden.
Friedensdorf International wurde am 6. Juli 1967 als Bürgerinitiative gegründet, um Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten zu helfen. Seit der Gründung hat sich die Arbeit der Einrichtung erweitert, aber immer noch stehen die Kinder im Mittelpunkt. Aus der anfänglich ausschließlichen Einzelfallhilfe ist ein Programm für den Frieden geworden. Viermal im Jahr fliegt die Organisation große Hilfseinsätze und betreut stets durchschnittlich 300 Kinder aus 15 Nationen gleichzeitig in Deutschland. Gleichzeitig hilft Friedensdorf International mit weltweiten Projekten, die medizinische und humanitäre Versorgung in den Heimatländern der Kinder zu verbessern. In einem dritten Arbeitsfeld fördert die friedenspädagogische Arbeit des Friedensdorfes humanitäres Bewusstsein und soziales Engagement.













