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Zensur der Kunst in München

11.05.201111:18 UhrKunst & Kultur

(openPR) 10. Mai 2011

In einer Zeit, in der auch von Deutschland aus weltweit Krieg geführt wird, in der die Bundeswehr an Schulen oft unwidersprochen für weiteres Kanonenfutter werben darf, in der Flüchtlinge aus Krisenzonen an den Außengrenzen der Europäischen Union Asyl und sicherer Unterschlupf verweigert wird, ist es weder verwerflich noch belästigend, Bilder zu zeigen, die die Brutalität und Hässlichkeit von Krieg unverhüllt abbilden. Im Gegenteil sind diese Darstellungen umso wichtiger geworden, wenn in „humanitären Einsätzen“ weltweit bombardiert wird. Sie sind wichtiges Mittel der Meinungsbildung auch für Kinder und Jugendliche, denen unter Umständen ein „guter Job“ in der deutschen Berufsarmee offeriert wird.



Deshalb verurteilen wir aufs Schärfste den neuen Münchner Zensurversuch!

Der Künstler Wolfram P. Kastner zeigte in einer Ausstellung in München Kunst gegen den Krieg (im Schauraum in der Therese-Studer-Straße 9): Bilder, eine Installation sowie Fotos von den Folgen aller Kriege an menschlichen Körpern und Gesichtern.
Einige der Fotos, die von außen durch ein Schaufenster zu sehen waren, stammen aus dem 1924
erschienenen Buch von Ernst Friedrich („Krieg dem Kriege“) und waren im Berliner Antikriegsmuseum 1924 -1933 gezeigt worden.
Diese Fotos können durchaus starke Emotionen hervorrufen und Kinder und Jugendliche davon abhalten, Kriege als harmlose Geschehen zu verstehen, mit Waffen zu spielen oder Soldat zu werden.

Einige aufgeregte Nachbarn und zwei Frauen aus dem veranstaltenden Kulturteam forderten zwei Stunden nach der Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 15. April 2011, die (ihnen bekannten) Bilder zu verhüllen oder abzuhängen, weil dadurch angeblich Kinder traumatisiert würden. Der Künstler weigerte sich, die Bilder zu verstecken, weil er das Entsetzen über die furchtbaren Folgen von Kriegen für sinnvoll und heilsam erachtet.
Von aufgeregten Erwachsenen wurde am Sonntag, 17. April, um 10.00 Uhr die Polizei geholt.
Einigen besonders erregten Bewohnern des Quartiers reichte das nicht aus. Sie wollten die Ausstellung unbedingt und notfalls auch mit Gewalt schließen und beklebten die Schaufenster.

Die Polizeiinspektion 43 München ermittelt nun gegen den Künstler Wolfram P. Kastner wegen seiner Ausstellung „teilen statt kriegen“. Sie wirft ihm vor, „folgende Ordnungswidrigkeit(en) begangen
zu haben: OWiG – sonstige Art (Par. 112 -130 OWiG) (Belästigung der Allgemeinheit)“ - „Bemerkungen: Durch die öffentliche Zuschaustellung der Kriegsbilder haben sie gem. 3 118 OWiG die Allgemeinheit belästigt.“ (unverändertes Zitat aus dem Schreiben des POM Götz BY8543-005025-11/5)
Mit staatlicher Repression wird hier versucht, die Darstellung der Schrecken des Krieges zu behindern und zu zensieren, ein unglaublicher und rechtswidriger Angriff auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst, die im Grundgesetz verankert ist. Historisch und zukünftig war und ist es u.a. die Aufgabe der Kunst, die Realität widerzuspiegeln und die Probleme der Menschheit auf den Punkt zu bringen. Das schließt den Krieg ohne Wenn und Aber ein. Nicht der Künstler hat die Darstellung der Brutalität des Krieges zu verantworten, sondern die kriegführenden Regierungen und Armeen, die die Brutalität ausüben.

Wir antikapitalistische Kunstschaffende sind davon überzeugt, dass Kunst und Kultur nicht der Verdummung der Menschen dienen dürfen, sondern dass sie aufklären, Phantasie und Bewegtheit wecken sollen, Wege aus der Barbarei in eine friedvolle, gerechtere und demokratischere Zukunft aufzuzeigen haben und sich dem hegemonialen Machtstreben heutiger Imperien entgegensetzen müssen..

Wir verurteilen diesen provokativen Zensurversuch, erklären unsere Solidarität und Unterstützung für den Künstler und fordern die sofortige Einstellung des Verfahrens gegen ihn!

Die ASSO
in Vertretung Toni Köhler-Terz

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