(openPR) Angesichts der unfassbaren menschlichen Tragödien, die sich zurzeit in Japan abspielen, treten die materiellen Auswirkungen der Katastrophe auf Investmentportfolios fast vollständig in den Hintergrund. Erst nach und nach werden dieser Tage ein Teil der Auswirkungen bekannt. Aufgrund der wirtschaftlichen Stärke Japans, die nun schwer angeschlagen ist, ist nicht sicher, an welchem Punkt der Krise wir uns aktuell eigentlich befinden. Wir haben nachgefragt, inwiefern Handelsstrategien und -systeme der Managed Account Anbieter von den Geschehnissen in Japan betroffen waren.
Der Einbruch der Märkte war massiv. Innerhalb von zwei Handelstagen ging es an den Aktienmärkten deutlich nach unten. Die größte Belastung musste der unmittelbar am stärksten betroffene Nikkei 225 Index verzeichnen: Kurzfristig gab dieser um mehr als 20% nach. Sehr volatil zeigten sich auch die europäischen und amerikanischen Aktienmärkte, die in der Spitze Verluste zwischen -5,4% (Eurostoxx 50) und -4,5% (S&P 500), bzw. -7,5% (DAX) lieferten. Man hatte den Eindruck, dass jede einzelne Meldung um das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima marktbewegende Auswirkungen hatte. Eine Bodenbildung trat allerdings bereits am 15. März ein. Seit dem sind zumindest die europäischen und amerikanischen Indizes zu den Kursständen zurückgeklettert, die sie vor dem Erdbeben inne hatten.
Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den Wertpapierhandel, stellten die Kurssprünge zur Markteröffnung beim Handelsstart im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages dar. Diese sogenannten Gaps waren zwischen den ersten drei Krisentagen extrem hoch. So lag der letzte Kurs des DAX-Futures am 14 März bei 6.914,5 Punkten. Der erste Kurs des Folgetages lag allerdings direkt 233,5 Punkte tiefer – bei 6.681,0 Punkten. Ein solches „Overnight-Risk“ stellt auch für das beste Risikomanagement-System eine Herausforderung dar. Ausschließen lässt sich dieses Risiko nur, bei Schließung aller offenen Positionen noch vor dem Handelsende eines Tages. Doch gerade bei grundsätzlich langfristig orientierten komplexen Aktienportfolios stellt diese Vorgehensweise eigentlich keine realistische Alternative für das Management dar. Portfolios insbesondere von Investmentfonds lassen sich hierzu einfach nicht schnell genug anpassen. Zudem ist die Kostenbelastung für kurzfristige Portfolioanpassungen bei Investmentfonds sehr hoch.
Für aktiver verwaltete Portfolios und kurzfristig orientierte Tradingstrategien, wie sie in Managed Accounts gerne eingesetzt werden, war die Katastrophe in Japan hingegen mit keinerlei Hektik verbunden. Marc Wilhelms, Trading Advisor der `Aktienverwaltung long / short´ von PP-Brokerage erläutert, dass in der Katastrophenzeit keine Positionen über Nacht gehalten wurden. Tendenziell sei die Positionierung in der `Aktienverwaltung long / short´ zum Unglückszeitpunkt bereits leicht „short“ gewesen, wodurch kleinere Gewinne erzielt werden konnten. Durch den Anstieg der Volatilität, die in dieser Phase in den Aktienmärkten zu beobachten war, wurde zudem in anderen Handelssystemen des Düsseldorfer Anbieters der Handel teilweise ganz ausgesetzt. Da viele PP-Brokerage Systeme über eine volatitlitätsabhängige Komponente im Handel verfügen, war hierfür kein manueller Eingriff in die Systeme notwendig. Und weil systembedingt weniger Handel stattfand, sei die Situation in den PP-Brokerage Kundenkonten eher ruhiger als sonst üblich gewesen.
Auch im Hause Portfolio Concept ist keine Hektik im Handel aufgekommen. Aufgrund der grundsätzlich sehr stabilen Ausrichtung der `portfolio pro series´ waren auch hier keine Eingriffe in den Handel notwendig. Geschäftsführer Alexander H. Stütz konnte nur geringfügige Performanceschwankungen in den Depots seiner Kunden erkennen. „Seit 11. März schwanken die Ergebnisse der fünf Strategien zwischen -0,4% und plus 0,9%“. Um Kunden vor Rückschlägen zu schützen, setzt er auf eine breite Diversifikation, die neben Aktieninvestments aufgrund der maroden Staatsfinanzen vor allem Unternehmensanleihen, Rohstoffe und alternative Anlagen, wie Devisen favorisiert.
Titus C. Schlösser, Leiter Alternative Investments bei Portfolio Concept ergänzt, dass das verheerende Erdbeben in Japan zwar im Devisenmarkt für deutliche Preisbewegungen gesorgt hat. Da Kursschwankungen jedoch die Vorraussetzung für den Erfolg technischer Handelssysteme am Devisenmarkt sind, konnten die System-Accounts von Portfolio Concept von diesen Schwankungen in den ersten Tagen der Krise recht gut profitieren. Da sich die Märkte jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder anderen Themen gewidmet hätten und sich somit keine klaren Trends entwickeln konnten, mussten Handelssysteme ihre Gewinne teilweise wieder abgeben. Für Titus C. Schlösser bestätigt sich damit jedoch, dass die Handelsstrategie nicht mit anderen Märkten korreliert und Investoren den gewünschten Diversifikationseffekt bietet.
Auch für die Fonds Direkt AG waren die Auswirkungen der Katastrophe auf den Devisenmarkt deutlich im Handel zu spüren. Dominik Schneider berichtet, dass durch die Ereignisse in Japan der Medienfokus von den Währungen abgerückt sei. Dadurch wären die Tagesmuster, die von den Handelssystemen benötigt werden, besser nutzbar gewesen. So konnten die Diversified Systeme mit +4,70% beim `FX Wave USD 2% Diversified Portfolio VV´, bzw. +10,17% im `FX Wave USD 5% Diversified Portfolio VV´ im März wieder etwas an Boden gutmachen.
Kai Petersen vom Düsseldorfer Managed Account Anbieter Finexo unterstreicht, dass außergewöhnliche Ereignisse wie das Erdbeben in Japan im Rahmen der üblichen Parameter und Handelsabläufe standardisiert abgebildet werden. Diese Maßnahmen seien ausreichend, um auch exogene Schocks aufzufangen. Gefahren entstünden nur, falls der Handel der Zielinvestments ausgesetzt werden würde und Stopp-Loss-Marken damit ihre Wirkung verlieren.
Dies sieht auch Marc Wilhelms von PP-Brokerage ähnlich, wobei er hinzufügt, dass durch Shortpositionierungen, die in Managed Accounts eingesetzt werden dürfen, natürlich auch die Chance der „korrekten“ Positionierung im Krisenfall besteht. Durch „Overnight-Gaps“ sind für Managed Accounts damit faktisch auch Gewinne möglich, während traditionelle Investments wie z.B. Fonds, die nur auf steigende Kurse setzen dürfen, alleine mit dem Verlustrisiko zu kämpfen haben.
Finexo geht davon aus, dass die durch Fukushima ausgelöste erhöhte Volatilität im Markt noch einige Zeit anhalten wird. Durch die starke Konzentration des Managed Accounts `Profit FX´ auf Rohstoffe, sei zum Zeitpunkt des Unglücks allerdings kein negativer Einfluss auf die Kundenkonten zu verzeichnen gewesen. `Profit FX´ beendete den März mit einem Monatsplus von 9,6%.
Titus C. Schlösser sieht in der starken Transparenz, die Managed Accounts bieten, besonders auch im Krisenfall einen großen Vorteil. Durch den Blick ins eigene Account waren Investoren jederzeit genau über die Entwicklung, die aktuelle Positionierung und dementsprechend auch über die Auswirkungen der Krise auf ihr Portfolio informiert. Investoren anderer Anlageformen dürften aufgrund beispielsweise nur einmal täglichem Pricing und zeitlich verzögerter Berichterstattung der Anbieter deutlich schlechter informiert gewesen sein.
Die Katastrophe in Japan hat allerdings auch mehr Raum für bisher noch sehr wenig beachtete Investitionsfelder geschaffen. „Die Renaissance der Solarwerte im Zuge des Unglücksfalls im japanischen AKW war in diesem Fall die am einfachsten zu erkennende unmittelbare Konsequenz“, stellt Marc Wilhelms von PP-Brokerage fest.
In der `portfolio pro series´ hält Alexander H. Stütz eine breite Diversifikation der Portfolios auch weiterhin für angebracht. Fundamental sieht er eine robust wachsende Weltwirtschaft, die von einer hohen Nachfrage in den Schwellenländern, einem leistungsstarken Unternehmenssektor und einer extrem expansiven Fiskalpolitik der Industrieländer getragen wird. Allerdings schätzt er die Industriestaaten durch die Finanzkrise und eine ausufernde Staatsverschuldung als nur noch begrenzt handlungsfähig ein. Seiner Meinung nach lässt die Katastrophe in Japan zusätzliche negative Auswirkungen erwarten. Durch die eingeleiteten Veränderungen rechnet er allerdings auch mit neuen Anlagechancen.
Gesamt betrachtet lässt sich feststellen, dass Managed Accounts die Krise bis dato sehr gut überstanden haben. Einige konnten ihre Gewinne im Vergleich zum Vormonat sogar deutlich ausbauen. Dabei hatten sie das Risiko um die Entwicklung in Fukushima zwar im Blickfeld, durch funktionierende Handelsstrategien, effiziente Portfolios und hochwertige Moneymanagementsysteme allerdings ständig im Griff. Aufgrund der sehr schnellen Reaktion einiger kurzfristig orientierten Handelssysteme und Trading Advisor zeigt sich, wie sinnvoll es auch für langfristig orientierte Investoren sein kann, ihre Portfolios mit aktiveren Strategien zu diversifizieren. Sie ermöglichen oftmals eine Abkopplung von der Volatilität und bieten damit Stabilität in Situationen, die für andere Kapitalanlagen brenzlig erscheinen.
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