(openPR) Der Marktdruck auf dem internationalen Baumaschinenmarkt wird zunehmend härter. Was für den deutschen Baumaschinen-Kunden vor ein paar Jahrzehnten noch sehr übersichtlich war – man hatte die Wahl zwischen ein paar guten deutschen Unternehmen und einer großen amerikanischen Marke – ist inzwischen schon fast nicht mehr überschaubar. Japanische und auch koreanische Unternehmen haben sich weltweit inzwischen einen überaus guten Namen gemacht. Nicht nur was die Qualität betrifft, sondern auch die Ergonomie.
Besonders die letzte BauMa hat gezeigt, dass auch viele chinesische Unternehmen in Zukunft mehr als nur ein Wörtchen auf dem Weltmarkt mitreden werden. Wenn man auch anfangs über japanische Produkte noch gelächelt hat („…die machen doch nur alles nach…“) musste man sich ein paar Jahrzehnte später eingestehen, dass auch diese Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht haben. Bei chinesischen Unternehmen wird es ähnlich sein, nur wird es diesmal viel schneller gehen.
Der dadurch entstehende Marktdruck führt leider dazu, dass Produkte immer öfter „unreif“ auf dem Markt gebracht werden. Funktionen werden am Computer überprüft und Abläufe über die immer besser werdenden Softwaretools simuliert. Aber auch das kostet Zeit. Und so passiert es, dass der Zeitrahmen, den die Geschäftsleitung für eine Neuentwicklung vorgesehen hat, von der Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung bis zum Schluss ausgenutzt oder sogar überschritten wird. Für echte und ausführliche Tests bleibt dann oft keine oder nur noch wenig Zeit.
Und dann passieren auch Dinge, die man am Computer einfach nicht bemerkt hat, oder so gar nicht überprüfen kann. Eine Änderung wäre jetzt aber zu teuer oder es ist schlicht zu spät, weil die ersten Prototypen bereits laufen. Der unsichtbare Lichtschalter, zum Beispiel.
Wer einmal auf einer Baumaschine gesessen ist, der weiß, wie es in der Praxis abläuft: das Fahrlicht und auch die Arbeitsscheinwerfer sind immer nur die zweitbeste Alternative. So wird eben gewartet, bis der Horizont das letzte Quäntchen Sonnenlicht verschluckt hat. In der Fahrerkabine der Baumaschine ist es inzwischen aber so dunkel geworden, dass die Bedienelemente nur noch schemenhaft erkennbar sind. Sitzt man zudem zum ersten Mal auf der entsprechenden Maschine, kann es mitunter schon schwierig werden.
Aber zum Glück ist die Anordnung der Schalter oft sehr ähnlich. Da war doch diese Schalterleiste an der B-Säule der Kabine. Leider sind die Schalter aber nicht beleuchtet (das sind sie nämlich erst dann, wenn das Licht einschaltet ist). Also probieren wir doch einfach mal alle durch. Einer muss es ja schließlich sein, oder? Zu früh gefreut! Der Lichtschalter versteckt sich nämlich unter dem Lenkstockhebel für den Blinkerschalter. Und man kann ihn erst dann entdecken, wenn man den Oberkörper weit nach links beugt.
Immer wieder gerne genommen wird auch das Thema Heizung und Lüftung. Was bei der Autoindustrie ein überaus wichtiger Punkt während der Entwicklung eines neuen PKWs ist, dem wird bei vielen Baumaschinenherstellern ein nur sehr geringer Stellenwert eingeräumt. Und so schafft es das schwache Lüfterchen in der kalten Jahreszeit nur selten, die Frontscheibe beschlagfrei zu halten. Von den Seiten- und der Heckscheibe wollen wir lieber erst gar nicht sprechen.
Im Sommer sieht es nicht besser aus. Die Lüftung ist nur selten in der Lage, für ein vernünftiges Klima in der Kabine zu sorgen. Klimaanlage? In einer Baumaschine? Für was soll denn das bitte gut sein? Und so wird eben die Fahrertür im offenen Zustand arretiert (witzig, dass man daran meist gedacht hat) und der ganze Lärm und Dreck der Bausstelle dringt voll in die Fahrzeugkabine. Und so trägt der (vernünftige) Fahrer eben wieder seine Ohrenstöpsel, wie er es auch früher auf seiner alten Kiste schon getan hat. Und spätestens nach ein paar Tagen hat sich in der Fahrerkabine eine millimeterdicke Staubschicht gebildet.
Aber wie bekommt man die nur wieder raus? Auf vielen Baustellen gibt es ja immer noch einen Kompressor. Da könnte man doch den Staub aus der Kabine ein wenig rauspusten. Naja, aber so richtig sauber wird’s dann halt doch nicht. Wie wäre es also mit ein bisschen Wasser? Um Himmels Willen, ja kein Wasser in die Fahrzeugkabine! Das mag die Elektronik überhaupt nicht. Denn auch das Eindringen von Wasser in den Armaturenträger konnte man mit der Software nicht simulieren.
Wäre es jetzt nicht schön, wenn man als Maschinist einem der Konstrukteure mal die Meinung sagen könnte? Leider gibt es aber nur in den seltensten Fällen einen direkten Draht zwischen dem Fahrer einer Maschine einerseits und den Entwicklern in den Unternehmen andererseits und Informationen über Probleme versickern auf dem Weg dahin schlichtweg. Aber vielleicht würde es manchmal schon ausreichen, wenn sich der eine oder andere Entwickler mal ein paar Stunden auf eine fertig konstruierte Maschine setzen und diese testen würde.
Achja, und wo war jetzt gleich wieder der Lichtschalter?
















