(openPR) Schlendert man so durch die Elektronikmärkte ist man zunächst begeistert: Geräte in den hochwertigsten Materialien, gebürstet oder in Hochglanz stehen da aneinander gereiht in den Regalen. Auch die Funktionsvielfalt der Geräte kann schlichtweg begeistern: So kann man mit einem modernen Fernsehgerät nicht nur noch sehen, was gerade über den Sender kommt, sondern man kann zeitversetzt sehen oder Programme wie mit einem Videorekorder aufzeichnen, Fotos oder Filme von der Digitalkamera oder vom Mobiltelefon betrachten oder Musik vom MP3-Player anhören. Gute Geräte haben zudem auch einen digitalen Satelliten-Receiver eingebaut und einen Kartenlesen für Pay-TV.
Auch bei den kompakten Stereoanlagen ist mit dem Hören von Radiosendungen oder dem Abspielen von Audio-CDs die sprichwörtliche Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Ein gutes Gerät muss heute selbstverständlich auch über einen USB-Anschluss verfügen, Sendungen aus dem Internet empfangen, CDs mit MP3-Musikdaten abspielen oder sogar Film-DVDs zeigen können. Und ein gutes Gerät hat natürlich eine Docking-Station für den I-Pod und auch eine Festplatte eingebaut, auf der laufende Sendungen aufgenommen werden können.
Hat man das schöne Teil dann endlich zu Hause stehen, kommt oft sehr schnell die Ernüchterung: Mit der Anzahl der Funktionen steigt auch der Schwierigkeitsgrad der Bedienung. Dabei scheint ein interessanter Trend bei den Herstellern mit der Zunahme der Funktionen einherzugehen: die Anzeigen an den Geräten werden immer kleiner und die Anzahl der Tasten und Knöpfe nimmt stetig ab. Möglicherweise passen Anzeigen und Bedienelemente in den Augen der Designer nicht zu einer glatten Gerätefront und fallen damit zunehmend dem Rotstift zum Opfer.
Andererseits nehmen an den Fernbedienungen die Anzahl der Knöpfe immer mehr zu. Natürliche werden die Tasten aus optischen Gründen in Reih’ und Glied angeordnet, die Symbole müssen aus denselben Gründen möglichst dezent ausfallen und die Beschriftung ist in englischer Sprache ausgeführt. Denn welcher Hersteller kann es sich schon leisten, für jedes Land eine eigene Beschriftungsfolie herzustellen? Für eine Anordnung in Funktionsgruppen oder gar eine farbliche Kennzeichnung wichtiger Tasten bleibt da nur selten ein designerischer Spielraum.
Spätestens jetzt kommt der Ruf nach der Bedienungsanleitung auf. Und in vielen Fällen verklingt auch ganz schnell die Freude an dem schönen neuen Gerät. Denn das „Manual“ ist nicht nur mit Fremdwörtern und Fachbegriffen gespickt, sondern auch bei der Reihenfolge, wie die verschiedenen Funktionen des Gerätes erklärt werden für viele Menschen einfach unverständlich. Und leider kommt es auch heute immer wieder vor, dass die Bedienungsanleitung in einem überaus holprigen und manchmal sogar völlig unverständlichen Deutsch verfasst wurde. Da entsteht schon mal der Eindruck, dass sie von einem indischen Übersetzungsbüro mit Sitz in Malaysia von Japanisch in Deutsch übersetzt wurde.
Auch wenn Aufgrund einer Gesetzesänderung ein Gerät wegen einer mangelhaften Anleitung wieder zurückgegeben werden kann: wer hat schon den Mut dazu? Vielleicht, so befürchten auch viele Anwender, sind sie selbst ja einfach nur zu dämlich dazu, das Gerät zu bedienen. Aber genau an diesem Punkt stellt sich die Frage nach dem Verhältnis: sind wirklich Millionen von Anwendern unfähig, oder wäre der Ball nicht eher an die Entwicklungsabteilungen zurückzugeben? Wäre es nicht vielmehr die Aufgabe von Technikern und Ingenieuren, die Geräte einfacher bedienbar zu gestalten, anstatt an der Größe der Anzeige zu sparen oder in Mobiltelefone so winzige Tasten einzubauen, dass sie nicht mal von Kindern vernünftig bedient werden können?
Wäre nicht jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, Anwender und Kunden zu Wort kommen zu lassen? Zum Beispiel indem man diese vor der Auslieferung von neuen Geräten befragt, um die größten Schwachstellen bereits vor der Serienfertigung auszumerzen? Oder, indem man Anwender bei der Bedienung neuer Geräte beobachtet, oder, indem man endlich Beschwerdebriefe von Anwendern ernst nimmt und in die Entwicklung mit einfliesen lässt? Und wie wäre es, wenn man auf den Websites der Unternehmen Möglichkeiten einrichtet, Verbesserungsvorschläge und Ideen eingeben zu können?

















