(openPR) LEIPZIG. (Ceto) Erdgaskunden können derzeit frohlocken: Nur noch in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen war Heizöl Im Dezember 2010 als Brennstoff günstiger als Erdgas (verglichen mit einem 3.000 Litern HEL entsprechendem Energieäquivalent von 33.540 kWh). Diese Nachricht ist tatsächlich etwas Besonderes. Denn im langjährigen Schnitt war Heizöl immer der deutlich günstigere Brennstoff. In den letzten zwölf Jahren gab es lediglich 2000, 2005, 2006 und 2008 Ausnahmen, und auch diese nur für wenige Wochen (s. Grafik).
Können sich nun Gaskunden dauerhaft über günstigere Preise gegenüber HEL freuen? Da machen schon die Lieferanten einen Strich durch die Rechnung. Zum Jahresbeginn haben etliche von ihnen Preiserhöhungen angekündigt. Das dürfte schon in der nächsten monatlichen Erhebung sichtbar werden. Zudem profitieren die derzeitigen Preise von einer Entwicklung, die bereits 2009 begann, aber im vergangenen Jahr komplett stoppte. Vor zwei Jahren sanken die Gaspreise um rund 20 Prozent. Dafür gab es vor allem zwei Hauptgründe – eine hohe Verfügbarkeit und die von der EU vorangetriebene Liberalisierung des Marktes. Beide Fakten bedürfen einer eingehenderen Beleuchtung.
Reichlich Erdgas da – aber ist es auch günstig?
Die Erdgasschwemme von 2009 war von drei Faktoren bedingt:
1. Ein Überschuss aus dem Krisenjahr 2008, als der Absatz weltweit sank, die Förderung jedoch nicht einfach zurückgedreht werden konnte;
2. Neue Fördermethoden, die bisher unrentable Felder plötzlich profitabel machten, ergo ein weltweit höheres Angebot;
3. Die zusätzliche Speicherung und Transportmöglichkeit von Flüssig-Erdgas.
Dadurch war in
Europa reichlich Erdgas vorhanden. Tendenziell sorgen jedoch die Flüssiggas-Variante und die neuen Fördermöglichkeiten für höhere Produktionskosten, weil der Aufwand erheblich größer ist als die klassische Variante direkt vom Bohrloch in die Pipeline und von dort zum Verbraucher. Und selbst diese Variante wird teurer, da die Förderstätten immer weiter weg von der Zivilisation entstehen. So kündigte GAZPROM bereits an, deutlich höhere Preise als derzeit anzustreben.
Liberalisierung knockt Langfristverträge aus
Zeitgleich zum Überangebot griff auch die Liberalisierung des europäischen Marktes. Ironie der
Geschichte: Ohne die übervollen Erdgasspeicher und das Angebot an Flüssiggas hätte die Liberalisierung wohl nie so schnell Fuß fassen können. Insbesondere im Wärmemarkt können Verbraucher nun zwischen mehreren Anbietern wählen – eine Möglichkeit, die Jahre zuvor von allen großen Ferngasgesellschaften in Deutschland behindert wurde.
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