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Telemedizin - Wie Ärzte mit ein paar Klicks Leben retten

05.01.201114:27 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Telemedizin - Wie Ärzte mit ein paar Klicks Leben retten
Schulung in der Mongolei
Schulung in der Mongolei

(openPR) Mit „Campus Medicus“ erschließt die Klughammer GmbH das weite Feld der Telemedizin

Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind ist offenbar schwer krank, bekommt kaum Luft und braucht dringend Hilfe. Es muss schnell gehen. Man braucht kompetente Ärzte, am besten Spezialisten. Diagnose und Behandlung sollten effizient und lösungsorientiert entwickelt und umgesetzt werden. Während Eltern im Großteil der westlichen Welt in solchen Notlagen ihr krankes Kind urteilssicheren Fachärzten anvertrauen können, entwickelt sich derselbe medizinische Notfall in vielen anderen Staaten bedeutend kritischer. Der Grund: ein Mangel an Fachwissen. Die simple Lösung: Telemedizin.



Beispiel Mongolei: In dem zentralasiatischen Staat leben auf einer Fläche, die mehr als vier Mal so groß ist wie Deutschland, gerade einmal 2,4 Millionen Menschen, davon allein 650.000 in der Hauptstadt Ulan Bator. Die Infrastruktur ist – gemessen an westlichen Standards – mangelhaft, die medizinische Versorgung dünn und das Ausbildungsniveau der Ärzte reicht in aller Regel nicht an den aktuellen Forschungsstand heran. Fachärzte mit Spezialwissen auf bestimmten Gebieten sind absolute Mangelware, vor allem außerhalb der Hauptstadt. Ein Kind mit schwerer Atemnot, erkrankt in einem entlegenen Winkel der mongolischen Steppe, ist somit dem Tod bedeutend näher als dem Leben.

Ein auffälliger Lungenbefund, verdächtige Schatten auf Röntgenaufnahmen, kann von Allgemeinmedizinern, die lediglich aus einem rudimentären Basiswissen schöpfen, leicht missdeutet werden. Der mongolische Arzt diagnostiziert bei dem kranken Kind Lungenkrebs und ordnet eine Chemotherapie an. Was für ihn im Moment seiner Entscheidung völlig plausibel ist, endet für das Kind womöglich tödlich. Nämlich dann, wenn es in Wirklichkeit an Tuberkulose erkrankt ist. Das Immunsystem, das die Infektion bekämpft, wird durch die Krebsbehandlung angegriffen. Die Krankheit hat leichtes Spiel. Das Kind stirbt.

Genau hier kann Telemedizin mit geringem Aufwand Menschenleben retten. Dasselbe Szenario könnte dann so aussehen: Der mongolische Arzt erstellt auf einer Internetplattform einen Eintrag. Er beschreibt das Krankheitsbild seines kleinen Patienten und kann sogar Bilder hochladen wie etwa die abfotografierten Röntgenbilder, Gewebeschnitte oder andere Mikroskopbilder. Wenig später schreibt ein Spezialist aus der Schweiz einen Kommentar, ein weiterer Facharzt aus Deutschland bestätigt seine Einschätzung und die Diagnose steht fest: Tuberkulose. Das Kind überlebt – dank Telemedizin.

„Telemedizin“ ist ein weit gefasster Begriff und die Umsetzung mit Hilfe einer Internetplattform nur eine von mehreren Möglichkeiten. Auch der exemplarisch dargestellte Einsatz zu Diagnosezwecken beschreibt längst nicht das ganze Potenzial des Konzepts. Mit ihrer Telemedizin-Plattform „Campus Medicus“ arbeitet die Klughammer GmbH an der Erschließung dieses Potenzials und hilft gleichzeitig, die medizinische Versorgung in Ländern wie zum Beispiel der Mongolei auf ein bislang ungeahntes Niveau zu heben. Dabei kam die Idee zu „Campus Medicus“ nicht vom Schreibtisch der Geschäftsführung, sondern von praktizierenden Ärzten, die Sinn und Notwendigkeit moderner Kommunikationstechnik in der modernen Medizin längst erkannt hatten.

1989 begann die Firma Klughammer im Raum München mit dem Vertrieb von Kameras, Bildverarbeitungsprogrammen und Mikroskopie-Equipment. Zum Kundenkreis gehörten naturgemäß auch Krankenhäuser. „Und eines Tages“, erinnert sich CEO Anneliese Schmaus, „kam ein Arzt, ein Pathologe, auf uns zu und hat gesagt: Wir bräuchten eine Software für Telemedizin.“ Hintergrund des Wunsches ist eine Entwicklung, die bestimmte Fachärzte, speziell auch Pathologen, zum „fahrenden Volk“ werden lässt. Etliche Krankenhäuser verfügen heute nicht mehr über eigene Pathologien, sondern lassen einen externen Facharzt in regelmäßigen Abständen oder zu dringenden Fällen anreisen, um seine Expertise einzubringen. Nicht selten betreut ein einzelner Spezialist mehrere Kliniken und verliert auf diese Weise wertvolle Arbeitszeit bei An- und Rückfahrten. Mit Hilfe von Telemedizin jedoch könnte der Pathologe von einem festen Standort aus, zum Beispiel via Internet, Gewebeproben und Mikroskopbilder zeitnah und in größerer Zahl sichten und beurteilen. Das Ergebnis: ein deutliches Plus an Effizienz – zu Gunsten des Gesundheitssystems, aber vor allem im Sinne der Patienten.

In der Folge entwickelte die Klughammer GmbH in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Arzt Professor Martin Oberholzer eine Telemedizin-Software und richtete die Internet-Plattform „Campus Medicus“ ein. Die Handhabung der Plattform ist denkbar einfach, auch weil sie in Aufbau, Nutzung und Funktionsweise den bekannten Online-Communities stark ähnelt. Der einzige wesentliche Unterschied: Campus Medicus ist ausschließlich Ärzten vorbehalten. Ist ein Mediziner bei der Plattform angemeldet, kann er sich in Campus Medicus einloggen. Mit wenigen Klicks, ein bisschen Text und nach Bedarf auch Bildern, zum Beispiel direkt abfotografierten Mikroskop-Ansichten, kann der Arzt mit Hilfe einer Eintrags-Maske einen Fall anlegen und das Krankheitsbild seines Patienten darlegen. Tappt er nicht völlig im Dunkeln, kann er zudem einen Diagnosevorschlag vermerken. Die persönlichen Daten des Erkrankten werden nicht veröffentlicht. Lediglich medizinisch relevante Informationen wie beispielsweise Geschlecht und Alter erscheinen im World Wide Web. Die eindeutige Zuordnung von Internet-Eintrag und Patient erfolgt über eine nüchterne Nummer. Da die Plattform weltweit zugänglich ist, dauert es in aller Regel nicht allzu lange, bis ein Spezialist die angegebenen Daten und Dokumente in Augenschein nimmt. In einem Bildschirmabschnitt rechts neben der Falldarstellung können er und andere Ärzte einen Kommentar schreiben und die Diagnose sowie den Behandlungsvorschlag des Kollegen vor Ort bestätigen – oder korrigieren. Und das kann im Extremfall Leben retten.

Damit ist das Leistungsspektrum von Campus Medicus aber längst nicht ausgeschöpft. Unter der Zielsetzung, medizinisches Fachwissen zu mehren und Versorgungsstandards zu heben, kann die Plattform ohne große Mühe zum multimedialen Hörsaal umfunktioniert werden. Zu einer bestimmten Zeit können interessierte Studenten und Ärzte via Internet eine Vorlesung verfolgen – in Wort, Bild und Ton. Während in der Mitte des Bildschirms eine Vorlesung läuft, ermöglicht ein Video-Fenster links daneben die virtuelle Anwesenheit des Dozenten, der live vor einer weltweiten Zuhörerschaft referieren kann. Dabei bietet der Online-Hörsaal einen doppelten Vorteil: Der Dozent kann von praktisch jedem Ort der Welt lehren; die Zuhörer können seinen Ausführungen überall folgen.

Speziell die Möglichkeit der Videokonferenz auf Campus Medicus eröffnet ein weiteres Einsatzgebiet: Operationen. Spezialisten können ihre Kollegen vor Ort nicht nur unterrichten und beraten, sondern auch bei schwierigen Eingriffen, die ein Allgemeinmediziner nur selten durchführt, anleiten und somit folgenschwere Fehler vermeiden helfen. Und das obwohl vielleicht tausende Kilometer Landmasse und Ozean zwischen dem Facharzt und dem OP-Saal liegen. Ein Beispiel: In einem kleinen Krankenhaus im afrikanischen Hinterland vermutet ein Arzt bei einem Patienten eine Meningitis. Um seine Diagnose einer Hirnhautentzündung zu prüfen, ist eine Lumbalpunktion nötig. Das heißt, der Arzt muss eine dünne Nadel zwischen zwei Rückenwirbeln hindurch in den Rückenmarkskanal einführen, um von dort einige Tropfen Flüssigkeit zu entnehmen. Unterläuft ihm dabei ein Fehler und verletzt er das Rückenmark, könnte sein Patient für den Rest seines Lebens behindert sein. Leitet ein erfahrener Spezialist den Arzt vor Ort bei der Punktion an, kann das Risiko eines derart gravierenden Fehlers entscheidend gesenkt werden.

Jenseits der direkten Nutzung zur Behandlung von Patienten oder zur Verbreitung aktuellen Fachwissens kann Campus Medicus auch als Pool zur Sammlung medizinischer Daten für Statistiken dienen. Mit Hilfe vorbereiteter Bausteine können über die Plattform Formulare entworfen und zur gezielten Generierung neuer Daten eingesetzt werden. Auf diese Art kann langfristig beobacht werden, wie sich Fallzahlen bestimmter Erkrankungen entwickeln oder wie sich Krankheiten ausbreiten. Campus Medicus ist folglich nicht darauf beschränkt, bestehendes Wissen zu verbreiten. Die Plattform kann auch dabei helfen, neues Wissen zu gewinnen und macht sich damit interessant für die Forschung.
Wie jede innovative Idee stieß auch Campus Medicus zum Teil auf hartnäckige Skepsis. Das Konzept erwies sich in der Praxis jedoch als robust und funktional. So wandelten sich im Laufe der Zeit Skeptiker zu Dauernutzern. Markant ist der Fall eines 80-jährigen Allgemeinmediziners, der heute ehrenamtlich im südafrikanischen Simbabwe praktiziert und die Plattform bis zu dreimal täglich heranzieht, um seine Fälle mit Kollegen zu besprechen. Dass in weiten Teilen Afrikas fest installierte Internetzugänge eher dünn gesät sind, stellt für ihn und seine Kollegen fernab jeder städtischen Infrastruktur kein ernstes Hemmnis dar. Die Lösung heißt „Mobile Health“: Um Campus Medicus zu nutzen braucht es nicht zwingend einen Computer; ein Mobiltelefon mit e-Mail Funktion und Kamera reicht bereits aus. Der Busch-Arzt schickt alle nötigen Informationen an die Plattform, wo automatisch eine Fall-Maske erstellt wird. Schreibt ein Kollege einen Kommentar, erhält der Arzt vor Ort eine Nachricht über sein Mobiltelefon.

Ob Diagnose-Beratung per Chat, Online-Hörsaal, OP-Anleitung via Video-Konferenz oder Daten-Sammlung: Bündelt man alle Anwendungen von Campus Medicus, erhält man ein multimediales Gesamtpaket, das eine wertvolle Chance im Bereich der humanitären Hilfe darstellt. Seit 2008 kooperiert Klughammer mit dem Swiss Surgical Team, einer Gruppe von Ärzten, die regelmäßig ehrenamtlich in der Mongolei arbeiten und unterrichten, um die medizinische Versorgung in dem zentralasiatischen Flächenstaat zu verbessern. Ziel des Engagements der Klughammer GmbH war es, Campus Medicus in die mongolischen Krankenhäuser zu bringen – und zugänglich zu machen. Nach ersten Erfolgen und positiver Resonanz auf die Plattform sollen innerhalb der nächsten drei Jahre alle Krankenhäuser der Mongolei mit Hardware-Paketen der Firma Klughammer ausgestattet und die dortigen Ärzte-Teams im Umgang mit Technik und Plattform geschult werden. Die finanziellen Mittel für das Projekt stammen aus Fonds der Schweizer Regierung und der Vereinten Nationen. Das Geld ist gut angelegt, wie die Aussage eines mongolischen Arztes verdeutlicht. Bei einem Besuch, erzählt Klughammer-Geschäftsführerin Anneliese Schmaus, vertraute ihr der Mediziner an: „Geben Sie uns die Plattform. Wir wissen oft nicht, was wir machen. Wir wissen nur, dass wir oft das Falsche machen.“ Mit Hilfe von Camps Medicus und der dadurch möglichen weltweiten Vernetzung mit zahlreichen Spezialisten aller Fachgebiete soll sich das künftig grundlegend ändern – zum Wohle der Patienten.

Sabine Kain (freie Journalistin)

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