(openPR) In der Gedächtnisambulanz der Brohltal-Klinik St. Josef kann eine Demenzerkrankung schon im Frühstadium diagnostiziert werden - Medikamente stabilisieren die Patienten und verzögern den Krankheitsverlauf
Burgbrohl (as). "Ich wollte eigentlich nicht kommen", stellt Margarethe Busch (Name geändert) zu Beginn ihres Gesprächs mit Dr. Heinz L. Unger, dem Chefarzt der Brohltal-Klinik St. Josef Burgbrohl fest. "Meine Tochter und meine Schwiegertochter haben den Termin in der Gedächtnisambulanz für mich vereinbart". Sicher vergesse sie manchmal etwas, aber das passiere doch jedem schon mal, ist sie überzeugt. Die 74-jährige Dame lebt in ihrer eigenen Wohnung und bewältigt nach wie vor ihren gesamten Haushalt allein. "Seit rund zwei Jahren aber nimmt ihre Vergesslichkeit zu", berichtet die Schwiegertochter. Ihr und ihrer Schwägerin sei es wichtig abklären zu lassen, was die Ursache der Gedächtnisstörung ist. Deshalb hätten sie ihrer Mutter den Vorschlag gemacht, sich in der Geriatrischen Fachklinik in Burgbrohl untersuchen zu lassen.
"Für Vergesslichkeit und Leistungsminderung älterer Menschen kann es verschiedene Ursachen geben", erläutert Dr. Unger. Die meisten denken dabei zuerst an eine Demenz wie zum Beispiel Alzheimer. Aber etwa 30 Prozent der Patienten, die mit Verdacht auf eine Demenz untersucht werden, haben eine Depression, die gut behandelt werden kann. Die Symptome einer Demenz im Frühstadium und einer Depression sind leicht zu verwechseln: Rückzug aus dem sozialen Leben, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwäche oder Verhaltensauffälligkeiten. "Deshalb ist eine gründliche Diagnostik wichtig, um die Betroffenen wirksam behandeln zu können", so Dr. Unger.
Mit den Patienten, die in die Gedächtnisambulanz kommen, führen Unger und seine Kollegen nach einer ausführlichen Anamnese, bei der neben den Betroffenen auch die Angehörigen ihre Wahrnehmungen schildern, umfangreiche Tests durch. So bittet er Margarethe Busch zunächst, so viele Tiere wie möglich in einer Minute aufzuzählen. "Für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ist es typisch, dass sie verschiedene Tiere benennen, die dann aber oft alle einer Gruppe zugeordnet werden können, beispielsweise Tiere vom Bauernhof, Zootiere oder Haustiere", erklärt Dr. Unger. Man könne sich das so vorstellen, dass die Verbindung zwischen den einzelnen Gedächtnisschubladen gestört ist. "Wenn sie in der Schublade Haustiere sind, dann schaffen sie nicht den Übergang zu der Schublade, in der die wilden Tieren abgespeichert sind", so Unger. Margarethe Busch fallen in dieser Minute 13 Tiere ein - Haustiere aber auch einige wilde Tiere.
In einem nächsten Test legt Dr. Unger der älteren Dame 15 Zeichnungen von verschiedenen Gegenständen vor. Sie soll die Bilder erkennen und den Namen der jeweiligen Gegenstände nennen. Die meisten Abbildungen bereiten Margaretha Busch keine Probleme. Doch einen Vulkan und eine Maske erkennt sie nicht, und bei dem Bild mit einer Hängematte beschreibt sie, was man damit macht: "Da kann man sich reinlegen". Anschließend zeigt ihr Dr. Unger zahlreiche Begriffe, die sie vorlesen und einige Minuten später wiederholen soll. Auch das Abzeichnen von unterschiedlichen Formen wie einer Raute, einem perspektivisch gezeichneten Würfel oder einem Dreieck gehört zum Test. Die Ergebnisse werden mit Hilfe eines Computers ausgewertet und zusätzlich von einer speziell ausgebildeten Neuropsychologin interpretiert. "Darüber hinaus schicken wir jeden Patienten zur weiteren Untersuchung zum MRT oder CT", so Unger. Wenn die Patienten noch Auto fahren, wird auch ihre Fahrtüchtigkeit überprüft. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit einer ortsansässigen Fahrschule.
Es geht Dr. Unger und seinem Team darum, eine Demenz zu einem frühen Zeitpunkt sicher zu erkennen und den Patienten mit Hilfe krankheitsverzögernder Medikamente zu stabilisieren. "Häufig gelingt es, die Symptome zu lindern, ihre Alltagskompetenz und damit natürlich auch die Lebensqualität der Betroffenen möglichst lange aufrecht zu erhalten", betont Unger. So könne vielfach eine Pflegebedürftigkeit abgewendet oder zumindest vermindert werden.
Leider gebe es in Rheinland-Pfalz kaum Stellen, die eine entsprechende umfassende Diagnostik durchführen. Dies sei bis jetzt in dieser Form lediglich an der Universitätsklinik Mainz und der Brohltal-Klinik St. Josef möglich. Niedergelassene Neurologen wendeten häufig Tests an, mit denen zwar eine fortgeschrittene Demenz diagnostiziert werden kann, die Anfänge der Krankheit aber oftmals unerkannt bleiben. "Zu uns kommen immer wieder Patienten, die bei einem Facharzt waren und dort als unauffällig befundet wurden, bei den Tests in unserer Klinik jedoch schon gravierende Einschränkungen in der Gedächtnisleistung zeigen", so Unger.
Das Einzugsgebiet, aus dem die Patienten zur Gedächtnisambulanz in die Brohltal-Klinik St. Josef kommen, ist groß, ebenso die Nachfrage. Deshalb versteht es Dr. Unger nicht, dass immer wieder Initiativen für Demenzkranke und ihre Angehörigen zur Disposition stehen. So sei zur Zeit beispielsweise die Finanzierung der vor fünf Jahren landesweit als Modellprojekt gegründeten Leitstellen Demenz nicht mehr gesichert. "Patienten und Angehörige werden allein gelassen", so seine Wahrnehmung. Er geht sogar noch weiter und bezeichnet den Umgang mit den an Demenz erkrankten Patienten als diskriminierend: "Sie haben einfach keine Lobby".















