(openPR) Immer mehr deutsche Wissenschaftler wandern ins Ausland ab. Scheinbar sind die Forschungsbedingungen beispielsweise in den USA besser als hierzu Lande. Was muss geschehen, um die deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen im internationalen Wettbewerb attraktiver zu machen ? Wie kann es gelingen, im Ausland erfolgreiche Forscher zurück zu holen ? Die Atlantikbrücke, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Stifterverband veranstalteten zu diesem Thema ein gemeinsames Symposium in Berlin.
audio:link Die Internet Audioagentur hat die Ergebnisse hörbar und radiogerecht zusammengedasst. Es folgt die Textfassung des Hörbeitrages:
Sie sind jung, sie sind erfolgreich, sie gehören zu den Besten ihrer Zunft. Und sie gehen ins Ausland, um dort zu arbeiten. Junge deutsche Wissenschaftler und Forscher. Besonders beliebt ist das Ziel USA – dort finden die „klugen Köpfe“ hervorragende Bedingungen. Das Problem dabei: mit den Köpfen wandern auch Wissen und Können ab. Und die Zahlen steigen. Max Huber, Vizepräsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, ist alarmiert:
Huber: Vor allen Dingen wird die Entwicklung noch viel dramatischer werden als sie jetzt schon ist. Viele in unserem Land haben die Dramatik, die jetzt besteht, noch gar nicht erkannt. Eines der wichtigsten Güter sind die „klugen Köpfe“.
Die Konkurrenz der Universitäten und Forschungseinrichtungen beschränkt sich allerdings nicht nur auf ein Land. Der Wettbewerb ist international, weltweit.
Huber: Es gibt einen globalisierten Forschungsmarkt, einen globalisierten Forschermarkt, einen Markt der Forscher, der Akademiker ganz allgemein.
Und im internationalen Wettbewerb verlieren die deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen an Boden. Verkrustete Strukturen, zu viel Bürokratie, ein nicht leistungsförderndes Beamtenrecht und fehlende finanzielle Ausstattung lassen Deutschland – im Vergleich zu anderen Standorten – unattraktiv erscheinen. Selbst wenn sich deutsche Wissenschaftler nach einem Auslandsaufenthalt entscheiden, wieder in die Heimat zurück zu kehren, wird es ihnen nicht leicht gemacht.
Ein Beispiel bietet der Biochemiker Roland Beckmann. Er wollte nach fünf Jahren an der Rockefeller-Universität in den USA zurück nach Deutschland:
Beckmann: Ich habe schon gewusst, das es irgendwie klappen würde. Ich war aber überrascht darüber, wie viele Türen man einrennen muss, damit es klappt. Man weiß nicht an wen man sich wenden soll und das ist im Vergleich viel schwieriger als in den USA. Und das ist einer der ganz relevanten Gründe, warum viele erst gar nicht den Versuch unternehmen zurück zu kehren.
Schließlich fand er nach langem Hin und her an der Charité in Berlin eine Forschungsstelle. Doch ein Empfang mit offenen Armen sieht anders aus.
Peter Gaethgens, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, fordert ein Umdenken. Nicht nur die reale Perspektive eine wissenschaftliche Karriere machen zu können, sondern auch das Gefühl spielt eine Rolle.
Gaethgens: Das was die Nachwuchswissenschaftler als die sogenannte „gefühlte Perspektive“ bezeichnet haben, nämlich den Eindruck, dass sie willkommen und, dass sie gewünscht sind. Das ist eine mentale Angelegenheit. Und auch die werden wir nicht in drei oder vier Jahren ändern. Aber darauf müssen wir hinwirken, dass die Botschaft an diese jungen Nachwuchswissenschaftler ist, dass sie dringlichst benötigt werden.
Um diese Perspektive zu ermöglichen, müssen konkrete Veränderungen her.
Max Huber vom DAAD stellt drei Forderungen auf:
Huber: Erstens, Verbesserung der Lehre. Ganz konkret Erhöhung des Betreuungsverhältnisses durch Einstellung von studentischen und wissenschaftlichen Tutoren, Ausbau der Labors und der Bibliotheken und so weiter. Zweitens, Ausbau der Forschung und dabei insbesondere der Forschungsinfrastruktur der Universitäten. Und das Dritte ist die Nachwuchsförderung.
Das alles kostet Geld. Die Einführung von Studiengebühren steht bevor. Auch das verstärkte Akquirieren von Drittmitteln ist eine weitere Einnahmequelle. Carsten Klein vom Stifterverband erkennt zudem ein enormes Potenzial in der Umschichtung vorhandener Mittel. Dafür ist die Politik gefordert:
Klein: Es ist ja, wenn man es mit dem Gesamtbudget des Bundeshaushaltes vergleicht, gar nicht so exorbitant viel, dass es von vornherein unrealistisch wäre. Es muss einfach eine Umverteilung stattfinden. Die muss innerhalb Deutschlands stattfinden, die muss aber auch innerhalb Europas stattfinden. Da wo immer noch viel zu viel Geld in den Agrarhaushalt fließt, statt der Forschungsförderung zu dienen. Es muss eine andere Prioritätensetzung erfolgen.
Geld steht auf der einen Seite. Doch um die Lust zur Rückkehr junger deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland zu fördern, ist ein Umdenken sowohl in der Politik als auch in den Hochschulen gefordert.
Das schafft die Perspektive, um Wissen zurückzuholen. Aber auch die Perspektive, im globalen Wettbewerb um die „klugen Köpfe“ bestehen zu können.













