(openPR) Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Doch verfügen Sie über das notwendige Wissen, um eine informierte Entscheidung zu treffen, wem Sie Ihr Geld anvertrauen? Testen Sie hier Ihr Wissen und seien Sie dieses Jahr sicher, dass Ihre Spende wirklich die Wirkung entfaltet, die Sie beabsichtigt haben.
Welche der folgenden Aussage ist richtig, welche falsch?
1. Die besten Hilfsorganisationen haben die niedrigsten Verwaltungskosten!
Falsch! Wie bei kommerziellen Produkten oder Dienstleistungen sagt die Höhe der Verwaltungskosten auch bei Spendenorganisationen nichts über deren Qualität aus. Wer würde denn seine Entscheidung über einen Haarschnitt, die richtige Pizzeria oder das passende Handy von den internen Verwaltungskosten des Anbieters abhängig machen? Professionelle und nachhaltige Hilfe benötigt eine entsprechende Verwaltung, um sicher zu stellen, dass die Spenden dort ankommen, wo sie am Meisten bewirken. Zu niedrige Verwaltungskosten können sogar ein Indiz für fehlende Kontrolle sein. Dies erhöht die Gefahr, dass Spendengelder missbraucht werden. Abgesehen davon ist auch die Erhebung von Verwaltungskosten nicht organisationsübergreifend standardisiert, daher lassen sich entsprechende Zahlen in der Regel ohnehin nicht vergleichen. Wer kann schon nachprüfen, ob das Gehalt des Geschäftsführers zu 50%, oder doch zu 100% den Verwaltungskosten zugeschlagen werden sollte? Generell gilt: Solange Sie Ihre Kaufentscheidung in anderen Lebensbereichen nicht von der Höhe der Verwaltungskosten abhängig machen, sollten Sie dies auch beim Spenden nicht tun.
2. Ich spende mein Geld am Besten immer zweckgebunden, damit ich weiß, dass meine Spende auch zu 100% dort ankommt, wo sie am Meisten gebraucht wird.
Falsch! Die Motivation für eine Zweckbindung besteht oftmals darin verhindern zu wollen, dass auch nur ein Cent in die Verwaltungskosten fließt. Dies macht aus den in Frage 1 erläuterten Gründen wenig Sinn. Ein weiterer Grund, der gegen eine Zweckbindung spricht, ist der, dass man als Außenstehender oftmals nicht wirklich beurteilen kann, wo das Geld am Sinnvollsten eingesetzt werden kann. Besonders eklatant ist dieses Problem im Rahmen der Tsunami-Katastrophe 2004 zu Tage getreten. Damals wurden zum Teil Notunterkünfte und Waisenhäuser gebaut von denen eine große Zahl bis heute nicht genutzt wird. Gleichzeitig konnten Hilfsprojekte in anderen Ländern aufgrund fehlender Spenden nicht wie geplant umgesetzt werden. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat aus diesem Grund sogar nachträglich ihre Spender gebeten, die Zweckbindung wieder aufzuheben. Aber selbst für kleine oder lokale Projekte macht eine Zweckbindung in der Regel wenig Sinn, da so nicht flexibel auf Veränderungen vor Ort reagiert werden kann. Was nützt eine zweckgebundene Spende für neue Schreibtische, wenn kein Geld für die in der Zwischenzeit zu Bruch gegangenen Fenster der Schule da ist? Was nützen an den Erwerb von Moskitonetzen gebundene Spenden, wenn das Finanzamt droht, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, da kein Steuerberater bezahlt werden kann, der bei der Erstellung des ordentlichen Jahresabschlusses behilflich ist. Generell gilt: Wenn Sie einer Hilfsorganisation vertrauen, dann versehen Sie Ihre Spende nicht mit einer Zweckbindung. Wenn Sie einer Organisation nicht vertrauen, spenden Sie nicht!
3. Kleider- und Medikamentenspenden sind eine tolle Spendenform. Sie helfen den Menschen konkret vor Ort und übergeben die Dinge, die man sonst wahrscheinlich weggeworfen hätten, einer nachhaltigen Nutzung!
Falsch! Zumindest im Rahmen internationaler Katastrophenhilfe ist es in den meisten Fällen deutlich günstiger, die benötigten Produkte vor Ort zu kaufen, als sie in Deutschland zu sammeln, zu sortieren und dann zu verschiffen. Auch kann so vermieden werden, dass Sachen, die für lokale Umstände ohnehin ungeeignet sind, kostbaren Transport- und Stauraum wegnehmen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass durch den Import kostenloser Sachspenden lokale Märkte zerstört werden. Wenn Medienecho und Spendenbereitschaft für die entsprechende Region abgeklungen sind, kann es sein, dass die Versorgungslage noch prekärer wird. Hätte man statt dessen die Güter im Land selbst gekauft, wären die dort ansässigen Händler und Produzenten unterstützt worden – so wird ihnen Konkurrenz gemacht. Generell gilt: Fragen Sie auf jeden Fall bei der jeweiligen Hilfsorganisation nach, bevor Sie eine Sachspende in Erwägung ziehen, ob diese überhaupt Sinn macht. Insbesondere bei internationalen Hilfswerken ist dies oft nicht der Fall. Eine Alternative wäre z.B., die Dinge zu verkaufen und den erzielten Betrag zu spenden.
4. Spenden für Bau und Betrieb von Waisenhäusern sind besonders sinnvoll, da man so in die Zukunft von ansonsten schutzlosen Kindern investiert!
Falsch! Spenden für schutzlose Kinder sind ohne Frage eine unterstützenswerte Sache. Doch diese Spenden sollten in Regel nicht in Waisenhäuser investiert werden. Zum einen, da es sich um eine der kostintensivsten Formen der Hilfe handelt, zum anderen, da der eigentliche Bedarf an Waisenhäusern oft schon jetzt viel kleiner ist als das Angebot. Beispielsweise haben laut einer Untersuchung von UNICEF in Sierra Leone von 1.821 Kindern, die in Waisenhäusern leben, nur 256 wirklich beide Elternteile verloren. Außerdem gibt es in der Regel noch andere lebende Familienangehörige die oftmals nur zu arm sind sich um die Kinder zu kümmern und sie deshalb in Waisenhäuser geben. Der Fokus sollte also ganz klar darauf liegen, die Familien wieder zusammenzuführen und sie dabei zu unterstützen, selbst für die Kinder zu sorgen. Prominentes Beispiel hier ist übrigens Madonna, die ein Kind aus einem Waisenhaus adoptiert hat, obwohl dessen Vater und dessen Großmutter noch am Leben sind. Einer der Gründe für diese Situation ist, dass sich Spenden für Waisenhäuser verhältnismäßig leicht einwerben lassen und Waisenhäuser den Kindern zum Teil wirklich ein materiell besseres Leben bieten, als es der eigenen Familie ohne Hilfe möglich wäre. Generell gilt: Achten Sie beim Spenden darauf, dass in jedem Fall nicht nur ein Kind unterstützt wird, sondern zumindest die gesamte Familie. Im Idealfall verzichten Sie aber wie oben beschrieben gänzlich auf eine Zweckbindung.
5. Deutschland ist Spendenweltmeister!
Falsch! Obwohl diese Behauptung immer wieder zu lesen ist und sich in Deutschland ohne Frage viele Menschen großzügig für gemeinnützige Zwecke einsetzen, kann leider keine Rede davon sein, dass wir Spendenweltmeister sind. Um in der Analogie des Fußballs zu bleiben, müssen wir zunächst einmal eingestehen, dass wir noch nicht einmal wissen, wie viele Tore wir im Jahr überhaupt schießen, wie hoch also das jährliche Spendenvolumen in Deutschland ist. Während die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) diesen Betrag auf etwa zwei Milliarden € schätzt, geht beispielsweise das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) von einem jährlichen Spendenvolumen von über vier Milliarden € aus. Genau wie bei der Frage, wie viele Organisationen in Deutschland überhaupt Spenden sammeln, kann hier übrigens auch die Bundesregierung nicht mit exakten Zahlen aufwarten, rät aber nichtsdestotrotz fleißig mit.
So oder so kommt man, selbst wenn man von der Höchstschätzung ausgeht, zu dem Ergebnis, dass das Spendenvolumen für nichtreligiöse Zwecke pro Kopf in den USA mehr als neun Mal so hoch liegt wie in Deutschland. Selbst wenn man die Kirchensteuern einrechnet (und die Spenden für religiöse Zwecke in den USA) sind die Pro-Kopf-Spenden im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch immer mehr als vier Mal so hoch wie in Deutschland. Leider reicht es auch nicht zur Europameisterschaft, denn in Österreich, Holland, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Slowenien, Irland (noch?) und Norwegen liegt die Spenderquote ebenfalls höher als in Deutschland. Generell gilt: Wenn Sie wollen, dass wir Spendenweltmeister werden, dann überweisen Sie diese Weihnachten doch einen besonders großzügigen Betrag an eine soziale Einrichtung über die Sie sich zuvor intensiv informiert haben.
6. Wenn ich in Deutschland spende, kontrolliert der Staat, ob das Geld auch dort ankommt, wofür ich gespendet habe.
Falsch! Zwar sind alle vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannten Organisationen dazu verpflichten dem Finanzamt gegenüber Rechenschaft abzulegen. Dies ist jedoch in der Regel nicht mit einer wirklichen Prüfung verbunden. Besuche vor Ort, insbesondere bei internationalen Hilfswerken, finden praktisch nicht statt. Auch die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen wird nicht bewertet. Dazu kommt, dass sämtliche Unterlagen, welche dem Finanzamt zur Verfügung gestellt werden, dem Steuergeheimnis unterliegen und nicht öffentlich zugänglich sind. Eine Kontrolle seitens der Öffentlichkeit ist somit nicht möglich. Generell gilt: Prüfen sie selbst. Fragen sie bei Organisationen, bevor Sie diese mit einer Spende bedenken, nach einem Geschäftsbericht oder – noch besser – nach unabhängigen Evaluationen ihrer Arbeit.
Und, wie haben sie abgeschnitten? Lagen Sie bei mehr als drei Fragen daneben? Wenn ja, dann empfehlen wir Ihnen den Besuch der Webseite Spenden.De. Weitere Informationen erhalten Sie z.B. auch auf der Webseite der gemeinnützigen Phineo AG oder des DZI.
Autoren: Sebastian Schwiecker & Simon Stettner
Unter Nennung der Autoren und Verweis auf das Projekt Spenden.De (Webseite: http://spenden.de) kann dieser Artikel unentgeltlich veröffentlicht werden.










