(openPR) Berlin, 19.11.2010 (MF). Ob bei der AKW-Laufzeitverlängerung, der Neuordnung des Arzneimittelmarktes oder der Regulierung des Bankensektors – das Thema Lobbyismus ist in der medialen Debatte nahezu täglich präsent. Die Diskussion verläuft kontrovers: Einerseits wird Lobbyismus als ein intransparenter Prozess bewertet, der von Energie-, Pharma- oder Finanzunternehmen genutzt wird, um ihre Interessen im politischen Raum zu vertreten und umzusetzen. Andererseits ist der Lobbyismus aber auch als Chance für das demokratische System zu begreifen, das vom strukturierten, themenbasierten Dialog seiner Institutionen mit den unterschiedlichen Interessengruppen lebt. Dabei ist es in wachsendem Maße nicht nur die Wirtschaft, die ihren Einfluss auf die Politik ausübt. Vielmehr nutzen auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie Wissenschaftseinrichtungen, die in Zeiten der Exzellenzinitiative einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt sind, zunehmend die Instrumentarien der politischen Kommunikation.
Der neue Sammelband „Public Affairs. Strategien und Instrumente der Interessenvertretung für Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen“ beleuchtet die Thematik des Lobbyismus, seiner Möglichkeiten und Grenzen, aus den Blickwinkeln von Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden, NGOs und Politik. Damit verfolgt der Sammelband den Anspruch, neuere Tendenzen der Public Affairs einer gesamthaften Betrachtung zu unterziehen, die möglichst viele Teilsysteme der Gesellschaft berücksichtigt. Ausgewiesene Experten der Materie kommen zu Wort: So überprüft Marco Althaus in seinem Beitrag über „die neue DNA der Wissenschaftslobby“, inwieweit die Public Affairs-Methoden der Wirtschaft auf den Wissenschaftsbetrieb übertrag-bar sind. Michaell Wedell (Metro AG), Sven Korndörffer (Aareal Bank AG) und Björn Moeller (Johnson & Johnson) stellen neue Public Affairs-Ansätze ihrer Branchen vor. Edelgard Bulmahn, SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesforschungsministerin, berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Lobbyismus und bewertet dessen Rolle für die Demokratie. Ludolf-Georg von Wartenberg, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des BDI und davor Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, erörtert die „Perspektiven der Interessenvertretung in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung“. Weitere Autoren des Sammelbandes sind u.a. Christian Humborg, Geschäftsführer Transparency International Deutschland, Helga Springeneer, Vorstandsreferentin der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. sowie Professor Jörg Steinbach, Präsident der TU Berlin.
Die vorliegende Publikation basiert auf der Seminarreihe „Public Affairs“ der Technischen Universität Berlin (Masterstudiengang Wissenschaftsmarketing). Herausgeber des Sammelbandes ist der Geschäftsführer der Public-Affairs Beratung hbpa, Hans Bellstedt.
Bellstedt, Hans F. (Hrsg.): Public Affairs. Strategien und Instrumente der Interessenvertretung für Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen, Lemmens Medien, Bonn 2010. ISBN 978-3-86856-002-2











