(openPR) Deutsch-Türkische Filmtage 25.11. - 01.12.2010 im DELPHI Arthaus Kino Stuttgart
Die Deutsch-Türkischen Filmtage SiNEMA, die das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart e.V. (DTF) gemeinsam mit dem Arthaus Filmtheater organisiert, finden in diesem Jahr vom 25. November bis 1. Dezember im DELPHI Arthaus Kino (Tübinger Straße 6, Stuttgart) statt.
Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung präsentieren die Veranstalter 15 aktuelle Produktionen deutscher, türkischer und griechischer Filmemacher. Auf dem Programm stehen Filme, die aus verschiedensten Perspektiven den gesellschaftlichen Wandel in der Türkei thematisieren und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellen: Kinder aus einer wohlbehüteten Familie im Südosten der Türkei, die zu Straßenkindern werden. Jugendliche in der Ägäis-Metropole Izmir, die mühsam nach einer Perspektive suchen. Eine junge Frau auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben. Und ein vereinsamter alter Mann, der auf wackeligen Beinen durch die Millionenstadt Istanbul zieht. Kuratiert hat die Filmschau der Geschäftsführer des DTF, Kerim Arpad.
Eröffnet werden die Deutsch-Türkischen Filmtage mit einem Empfang am 25. November 2010 um 19 Uhr im Delphi Arthaus Kino. Es sprechen der türkische Generalkonsul Türker Ari, Susanne Laugwitz-Aulbach, Leiterin des Stuttgarter Kulturamts, Christian Hänel von der Robert Bosch Stiftung, Deniz Erdem, Vorstandmitglied des DTF und Peter Erasmus, Geschäftsführer der Arthaus Filmtheater Stuttgart GmbH.
SiNEMA wird mit dem vielfach preisgekrönten Spielfilm „11'e 10 kala/10 vor 11“ (TR/D/F 2009, 110', OmdU) der jungen Filmemacherin Pelin Esmer eröffnet. Erzählt wird die Geschichte zweier einsamer Männer in Istanbul, deren Wege sich kreuzen. Der 83-Jährige Mithat ist ein leidenschaftlicher Sammler und gibt dem jungen, zurückgezogen lebenden Hausmeister Ali den Auftrag, für ihn raus zu gehen und zu sammeln. Gemeinsam mit Ali streift der Zuschauer durch die bunte und vielfältige Stadt Istanbul. „Bornova Bornova“ (TR 2009, 94', OmdU) von Inan Temelkuran spielt auch in einer Millionenstadt. Hakan lebt in Izmir und sucht nach seiner gescheiterten Fußballkarriere und der danach folgenden Perspektivlosigkeit bei den ebenso gescheiterten Existenzen seines Viertels Halt. „Bornova Bornova“ erhielt 2009 gemeinsam mit „Kosmos“ (TR 2009, 122', OmdU) von Reha Erdem den Preis für den Besten Spielfilm auf dem renommierten Filmfestival Antalya. Reha Erdem erzählt die Geschichte von Kosmos, der in eine abgeschiedene Grenzstadt kommt. Er ist ein Vagabund, der am Rande der Gesellschaft lebt. Der ungewöhnliche Mensch ernährt sich nur von Tee und Zucker, isst und schläft nicht und sitzt im Baumwipfel wie ein Vogel. Er erweckt sowohl Bewunderung als auch Misstrauen bei den Bewohnern. Ein wundersames Meisterwerk mit magisch-märchenhaften Bildern.
Im diesjährigen Programm werden vor allem Familiengeschichten thematisiert: Bei dem Gewinner des Golden Bären 2010 „Bal/Honig“ (TR/D 2009, 104', OmdU) von Semih Kaplanoglu geht es um Yusuf, der mit seinen Eltern in den Bergen im Nordosten der Türkei lebt. Beeindruckend zeigt Kaplanoglu wie Yusuf auf seinen Vater wartet, der losgezogen ist, um Bienenstöcke in einer schwer zugänglichen Region aufzustellen. Ebenso zu sehen ist der als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominierte Film „Die Fremde/Yabanci“ (D 2010, 119', OF) von Feo Aladag. Sie erzählt die Geschichte der jungen Deutschtürkin Umay, die aus ihrer unglücklichen Ehe in Istanbul ausbricht und zu ihren Eltern nach Berlin flieht. Vergeblich kämpft Umay um die Liebe ihrer Familie, die ihren Freiheitswillen nicht akzeptieren kann. Der preisgekrönte Film „MIN DÎT - Ben Gördüm/Die Kinder von Diyarbakir“ (D 2009, 102', OmdU) von Miraz Bezar thematisiert das Leben der Straßenkinder in Diyarbakir. Miraz Bezar erzählt die Geschichte von Gülistan und ihrem Bruder Firat, deren Eltern vor ihren Augen erschossen werden. Beklemmend wird dargestellt, wie der soziale Halt in der Gesellschaft Schritt für Schritt abbröckelt und die Kinder immer weiter auf sich alleine gestellt sind bis sie neuen Halt bei Straßenkindern finden. 100 Kilometer südlich von Diyarbakir wird in „Incir Çekirdegi/Bittersüße Feigen“ (TR 2009, 82', OmdU) von Selda Çiçek eine Familientragödie erzählt, die ihren Anfang durch das Explodieren einer Landmine nimmt, woraus sich eine Spirale aus Schuld, Unglück und Leid ergibt. Ein gefühlvolles Drama vor der historischen Kulisse Mardins.
Der historisch bedeutsamste Wandel in der Türkei wurde durch die Staatsgründung von Mustafa Kemal Atatürk eingeläutet. In Zülfü Livanelis Film „Veda – Atatürk/ Der Abschied“ (TR 2010, 120', OmdU) wird die Lebensgeschichte Atatürks erzählt. Es ist die Geschichte einer Freundschaft zweier Männer, die in ihrer Kindheit begann, ihre Fortsetzung in der Kriegskameradschaft fand und sich in der Verfolgung ihrer Ideale in eine Bruderschaft verwandelte. Es ist zugleich die Geschichte der Gründung einer Republik, die sich heute aus politischen Widersprüchlichkeiten nicht retten kann. Hier kann auch der Film von Tassos Boulmetis verortet werden, der in „Bir Tutam Baharat/Zimt und Koriander“ (GR 2003, 103', D) von Fanis erzählt. Fanis verbrachte seine Kindheit in Istanbul und wurde 1964 gemeinsam mit seiner Familie - als Griechen ohne türkischen Pass - aus der Türkei ausgewiesen. Als erwachsener Mann macht er sich auf die Suche nach seiner Kindheit, was vor allem auch eine kulinarische Reise ist. „Bir Tutam Baharat/Zimt und Koriander“ wird ebenso wie „Kaptan Kemal - Ein Kamerad“ (TR/GR 2008, 72', OmuD) und „Bulutlari Beklerken/Waiting for the clouds“ (F/D/GR/TR 2004, 87', OmdU) im Rahmen eines Programmschwerpunkts Türkei-Griechenland in Zusammenarbeit mit der Initiative „Kalimera Deutschland“ gezeigt.
Wenn sich das Medium Musik und Film trifft, entstehen bemerkenswerte Eindrücke und Geschichten, die auch im diesjährigen SiNEMA-Programm zu finden sind. Der Musiker, Komponist und Musikproduzent Nezih Ünen begibt sich von Istanbul aus auf eine Reise nach Anatolien. Er entdeckt eine reichhaltige, faszinierende, von unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geprägte musikalische Landschaft. In seinem Dokumentarfilm „Anadolu'nun Kayip Sarkilari/Die verlorenen Lieder Anatoliens“ (TR 2009, 96', OF) portraitiert Nezih Ünen eine Region, ihre Menschen und ihre Musik - kraftvoll, vielseitig, und oft modern verfremdet, vom Dengbej bis zur Hochzeitskapelle. Der Bassist Alexander Hacke hingegen macht sich daran, die musikalische Vielfalt Istanbuls mit Straßenaufnahmen einzufangen. Fatih Akin begleitet ihn bei dieser Mission und porträtiert so Istanbuls lebendige Musikszene. Entstanden ist „Istanbul Hatirasi – Köprüyü Geçmek/Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul” (D 2005, 89', D). Ein berauschendes Porträt der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 Istanbul, das die überwältigende Vielfalt von modernen elektronischen Klängen über Rock und Hip-Hop bis zu klassischer „Arabesque-Musik“ einfängt.
Schließlich werden in zwei Dokumentationen spannende deutsch-türkische Projekte aus der Region Stuttgart vorgestellt. Die Journalistin Susanne Offenbach hat in der SWR-Reportage „Großer Bruder, große Schwester“ zwei Stipendiaten des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart begleitet, die in dem Mentorenprogramm ihre Schützlinge in Schule und Freizeit unterstützen. In „Inspirierend und betörend - Design Campus Istanbul 2010 - sustainability and design“ portraitieren Inga Bremer und Ayla Gottschlich von der Filmakademie Ludwigsburg deutsche und türkische Studenten auf einem gemeinsamen Design-Workshop in Istanbul.
Die Deutsch-Türkischen Filmtage SiNEMA werden durch eine Förderung der Robert Bosch Stiftung ermöglicht und vom Ministerium für Kultur und Tourismus der Türkei und dem türkischen Generalkonsulat Stuttgart unterstützt. Die Landeshauptstadt Stuttgart fördert das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart durch eine institutionelle Zuwendung.
Weitere Informationen zum Programm unter http://www.dtf-stuttgart.de . Karten ab 18. November im Delphi Arthaus Kino (Tel. 0711/29 24 95, Internet: http://www.arthaus-kino.de).











