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Verbraucherschutz ja – Generalverdacht nein

18.10.201011:13 UhrMedien & Telekommunikation
Bild: Verbraucherschutz ja – Generalverdacht nein
Unisono Services in Wiesbaden
Unisono Services in Wiesbaden

(openPR) Das Treffen der Verbraucherschutzminister im September 2010 in Potsdam hat zwei Ergebnisse gebracht: Zum einen sollte die Sauberkeit von Gaststätten in Zukunft mit einem „Smiley“ gekennzeichnet werden, zum anderen sollen Verbraucher vor sogenannter „Telefonabzocke“ besser geschützt werden. Der Geschäftsführer von Unisono Services in Wiesbaden, Oliver Baier, begrüßt vor allem die zweite Maßnahme. Allerdings warnt er davor, alle Call Center unter Generalverdacht zu stellen.



Kein Gießkannenprinzip
Baier sieht das Problem vor allem in der wenig differenzierten Außendarstellung des Themas: „Sowohl die Politik als auch die Berichterstattung der Medien funktioniert nach dem Gießkannenprinzip. Da werden alle Call Center in einen Topf geworfen und der Deckel drauf gemacht.“, so Baier. Der absolute Schwerpunkt der Unisono Services liege zum Beispiel im B2B-Bereich. Hier treffe man im Gespräch auf absolute Profis wie Anwälte, Steuerberater oder Geschäftsführer, die man nicht eben mal schnell zu einem Vertragsabschluss gegen ihren Willen zwingen könne.
„Im Gegenteil. Da wir in diesen hochsensiblen Zielgruppen mit wenigen Adressen agieren, können wir uns ein unfreundliches oder gar nicht-legales Verhalten überhaupt nicht leisten. Damit würden wir uns selbst die Existenzgrundlage entziehen. Wir – und viele andere Call Center in Deutschland auch – leben davon, dass wir hervorragenden Service bieten und eine optimale Kundenpflege betreiben. Aber das kommt durch die Berichterstattung gar nicht erst in der Öffentlichkeit an.“

Mehr Eigenverantwortung
Ein Grundproblem, das Baier sieht, ist vor allem der Umgang von Privatpersonen, mit ihren persönlichen Daten. „Man muss sich doch fragen, woher die Adressen und Telefonnummern kommen, die von Call Centern mit halbseidenen oder illegalen Methoden angerufen werden. Telefonbücher auf gut Glück durchforsten heute nur noch die Wenigsten. Die meisten Adressen kommen ganz legal aus dem Internet. Sie werden den Call Centern von professionellen List-Brokern angeboten.“
Oft betreiben diese Broker mehrere Dutzend oder mehrere hundert Internetseiten mit Gewinnspielen. Um am Spiel teilzunehmen, müssen sich die User registrieren und ihr Einverständnis geben, dass ihre Daten zu Werbezwecken verwendet werden dürfen. Und schon ist der Broker im Besitz von mehreren tausend persönlichen Datensätzen, die er verkaufen kann. Die Hoffnung auf einen Gewinn mache die Menschen unvorsichtig.
Ähnliche Probleme sieht Baier bei Communities wie „facebook“ oder „StudiVZ“: „Auf all diesen Seiten werfen die Menschen mit ihren persönlichen Daten geradezu um sich und wundern sich dann, wenn sie unerwünschte Werbeanrufe bekommen.“ Es sei ähnlich wie bei einer Versicherung. Hier habe man auch die Pflicht, Umsicht walten zu lassen. „Wenn ich meiner Versicherung einen Einbruch melde, ist die erste Frage, ob ich denn alles getan habe, um den Einbruch zu verhindern. Wenn ich dann sage, dass ich die Terrassentür leider offen gelassen habe, bekomme ich keinen Cent.“

Nicht unterschätzen
Ein anderer Aspekt ist Oliver Baier aber mindestens ebenso wichtig: „Man darf nicht vergessen, dass die Call Center-Branche in Deutschland Arbeitsplätze schafft. Über 1,1 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind in dieser Branche tätig. Legt man die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zugrunde, sind das über 440.000 Arbeitnehmer.
Über 90 Prozent der Call Center arbeiten legal und bieten einwandfreien Service. Wer steckt zum Beispiel hinter einer Vergiftungshotline, der Auskunft über den Apothekennotdienst oder dem PC-Notdienst? Call Center!“
Aber auch die Bedeutung für die deutsche Wirtschaft dürfe man nicht vergessen.
„Die Branche ist inzwischen unverzichtbar geworden. Man muss sich nur mal den Logistik-Bereich ansehen, wo Call Center die komplette Planung übernehmen und dafür sorgen, dass LKW, Güterzüge und Flugzeuge mit ihren Waren da ankommen, wo sie auch hin sollen.“
Mit einem geschätzten Jahresumsatz von 12 Mrd. Euro trage man nicht unwesentlich zum Wachstum des deutschen Wirtschaftsraumes bei.

Mehr Eigenverantwortung
Für Oliver Baier gibt es nur einen Weg, um Themen wie „unerwünschte Werbeanrufe“ oder „Abzocke am Telefon“ auf lange Sicht zu beenden:
„Jeder Einzelne muss immer wieder darauf hingewiesen werden, mit seinen persönlichen Daten sorgsam umzugehen, besonders im Internet. Wer mit ungesichertem W-LAN surft oder auf Community-Seiten seine kompletten Daten eingibt, darf sich nicht wundern, wenn diese Daten dann auch irgendwann missbraucht werden.“
Das Internet sei in den vergangenen Jahren so schnell gewachsen, dass viele Menschen davon überfordert seien und Fehler machten. Hier müsse man ansetzen und Hilfestellungen geben. Das wäre auch die Möglichkeit der Politik, den Betreibern von Portalen ihre Grenzen aufzusetzen. Eine ganze Branche zu stigmatisieren und einfach nach strengeren Gesetzen zu rufen, sei der falsche Weg:
„Die Gesetzgebung in Deutschland ist, was den Datenschutz angeht, vollkommen ausreichend. Sie muss nur konsequent durchgesetzt werden. Wenn dann noch jeder Einzelne seine Eigenverantwortung wahrnimmt, haben wir kein Problem mehr. Benjamin Franklin, der große Vordenker der Demokratie, hat einmal gesagt:
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren. Dem muss man nichts hinzufügen.“

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