(openPR) A. C. Kupper
Heiko Neumeister
Wolfgang Oelze
Philipp Schewe
Simon Starke
Eröffnung: Donnerstag, 04. November um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 05. November – 19. Dezember 2010
Fotografie vollzieht sich auf der Grundlage folgender, selten ausgesprochener Voraussetzung: Die technische Aufnahme von Bildern sei eine ästhetische Wiederholung von „Wirklichkeit“. Unterstützt also die Fotografie ein gewisses Realitätsprinzip? Jedenfalls folgt das Medium meistens der scheinbar verlässlichen Tatsache, dass sich überhaupt etwas „realistisch“ abbilden lässt. Malerei ist prozesshaft, Fotografie fixiert mit hoher Geschwindigkeit Ausschnitte. Damit entsteht der Eindruck, „Welt“ sei als etwas „Vorgefundenes“ gegeben. Aber wird in der Fotografie „Welt“ nicht schon allein durch die Wahl des Aufnahme–Standpunktes konstruiert? Fragen der Identifizierbarkeit treten auf, wenn Fotografie als losgelöst von ihrem „Gegenstand“ betrachtet wird. Ein Bild ist in erster Linie ein Bild. Bleibt der scheinbar selbstverständliche Verweischarakter eines Mediums unreflektiert, wird es ideologisch verwendet. So kann gerade Fotografie dazu genutzt werden, einen unhinterfragten Weltzusammenhang zu stabilisieren. Aber erst im Bruch mit sich selbst zeigt ein Medium seine Grenzen auf und hinterfragt seinen Bezug zur Welt als situative Instabilität.
Bertrachtet man die noch junge Geschichte der Fotografie, so fallen radikale Schnitte in ihrem Werdegang auf, z. B. ist der Umgang mit ihrer Ausschnitthaftigkeit in den 20er Jahren stark radikalisiert worden, was das avantgardistische Spiel der Fotografie bis ins Dekonstruktive erweiterte. Einer derart radikalisierten Fotografie wurde von reaktionär-konservativer Seite aus auch vorgeworfen, sie gefährde stabile Ordnungen. In Portraits, die z.B. das Gesicht einer Frau nur halb zeigten, sah man die Gesundheit des Menschenbildes zerstört. Heute sind derartige Kompositionen an der Tagesordnung und so wird in Folge dieser Tradition eine Flut fotografischer Bilder, etwa als Werbung, produziert, die mittels z.B. skuriler Motivwahl und/oder eines pseudo-experimentellen Umgangs mit Perspektive und Schärfe kreativ wirken soll.
Auch die Beispiele in der Ausstellung „Fotografie – Ideologie der Abbildlichkeit“ stehen in Zusammenhang mit der Tradition ihres Mediums. Aber jeder dieser Werkversuche reflektiert seine Möglichkeiten, indem er die Grenzen von Abbildlichkeit und ihrer „bedeutungsrelevanten“ Bezüge thematisiert. Keine der ausgestellten Positionen verweist allein auf vorgefundene Situationen, es geht ihnen nicht um anekdotische Stimulanz oder darum, vorzuführen, wie verrückt, schön oder kaputt die Welt ist. Vielmehr geht es darum, die Bildnahme selbst als in sich gebrochene Konstruktion in ihrem virulenten Zusammenhang mit nicht zu beschwichtigenden Fragestellungen zuzulassen: Die Ver–wahr–losung von Bedeutsamkeiten bricht allein in den Medien und der Art ihrer Verwendung auf.













