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Ritalin - und alles wird gut?

11.10.201016:54 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Dieser häufig verbreiteten Auffassung möchte jetzt der Gemeinsame Bundesausschuss einen Riegel vorschieben. Nach Inkrafttreten der Änderungen der Arzneimittel-Richtlinie dürfen methylphenidathaltige Medikamente wie Ritalin nur noch bei „AD(H)S im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben, […]“ verordnet werden. „Die gestellte Diagnose darf sich nicht allein auf das Vorhandensein eines oder mehrere Symptome stützen. Die Arzneimittel dürfen nur von einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und/oder Jugendlichen verordnet […]“ werden.


(aus: Zusammenfassende Dokumentation zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesauschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Anlage III Nummer 44 Stimulantien; 12.01.2010)

Schaut man sich aktuelle Zahlen an, lässt sich dieser Beschluss leicht nachvollziehen:
Laut einer Studie der KKH Allianz stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen (Versicherungsnehmer der KKH Allianz), die mit Psychostimulanzien wie Ritalin behandelt wurden, von 2005 bis 2009, um mehr als die Hälfte. Immer mehr Kinder und Jugendliche nutzen also täglich Medikamente, um den Anforderungen unserer Gesellschaft gerecht zu werden. Häufig bleibt es aber leider bei der übereilten Medikamentenvergabe, die schnelle Hilfe verspricht. Den Kindern und Jugendlichen werden dabei aber keine Handlungsalternativen zu ihrem bisherigen Verhalten aufgezeigt. Bei den Betroffenen entsteht so häufig der Eindruck, nur wenn ich meine Tabletten nehme, werde ich von den anderen akzeptiert. Dieses falsche Selbstbild kann sich negativ auf die weitere emotionale und soziale Entwicklung auswirken. Zusätzliche Förder- und Hilfsangebote werden nur selten von Eltern und Kindern genutzt, da die Medikamente zunächst die Symptome der AD(H)S größtenteils ausblenden. Jedoch lernen die Betroffenen nicht mit den Defiziten der AD(H)S richtig umzugehen und ihre positiven Eigenschaften in sich zu erkennen.
Eine medikamentöse Behandlung sollte jedenfalls immer in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebettet sein, das psychotherapeutische, pädagogische oder soziale Interventionen umfasst: Aufklärung und Beratung von Eltern, Kindern und Lehrern, Eltern- und Lehrertraining, Veränderung der Familiensituation oder Veränderungen in der Schule, Psychotherapie/Familientherapie.
Nur mit einer solchen multimodalen Förderung kann AD(H)Slern und deren sozialem Umfeld langfristig geholfen werden.

Informationen zur AD(H)S- Förderung erhalten Sie:

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