(openPR) Zwischenruf von Kurt Bodewig, Bundesminister a.D., Präsident der Deutschen Verkehrswacht e.V, Vizepräsident des Deutschen Verkehrssicherheits-rats e.V., in der aktuellen „mobil und sicher – Das Verkehrswachtmagazin“ 5-2010
Lübeck, 01.10.2010. Jeden Tag sterben in Deutschland elf Menschen im Straßenverkehr. Oft junge Menschen, die ihr Leben vor sich hatten, voller Erwartungen an eine Zukunft, die sie nun nicht mehr haben werden. Voller Hoffnungen auf einen befriedigenden Beruf, eine eigene Familie und Wünsche, die sie realisierten wollten. Zurück bleiben Angehörige mit dem ungeheuren Schmerz des Verlustes und der Lücke in Partnerschaften und Familie. Die Öffentlichkeit darf dies nicht als gegeben hinnehmen.
Noch Anfang der 70er Jahre verschwanden mit über 20.000 Verkehrstoten jedes Jahr die Bewohner einer Kleinstadt aus dem Leben. Anschnallpflicht, verbesserte Technologien in der Fahrzeugen und nicht zuletzt dank der unermüdliche Präventionsarbeit der Deutschen Verkehrswacht (DVW) und den anderen Partnern im Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ist es gelungen, die Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland auf unter 4.200 zu senken. Eine Zahl um die uns das europäische Ausland beneidet. Auch in diesem Jahr wird die Zahl weiter sinken.
Aus den Augen verloren hat die Politik und Gesellschaft aber das Leid, das schwerst verletzte Unfallopfer ertragen müssen. Gerade 18 Jahre alte junge Fahrer enden nach einem Diskobesuch für den Rest ihres Lebens im Rollstuhl, Lebensperspektiven wurden von einem Moment auf den anderen zu nichte gemacht. Tausende Menschen in Deutschland werden aufgrund von Verkehrsunfällen jahrzehntelang als Komapatienten gepflegt, meist abgeschieden von der Öffentlichkeit, in Spezialkliniken untergebracht werden sie nur von ihren Familien wahrgenommen, die ebenfalls durch ein solches Schicksal extremen Belastungen ausgesetzt sind, von Schmerz und (Mit)Leid ganz zu schweigen.
Wir haben uns angewöhnt, nur jährlich die Zahl der hoffentlich sinkenden Zahlen der Verkehrstoten zur Kenntnis zu nehmen, verbunden mit dem fatalen Eindruck: Die Zahlen sinken, also sind wir auf einem guten Weg. Worüber wir nicht sprechen, ist die ungeheure Anzahl der Schwerverletzten, 2009 waren es 68.567.
In meinen Reden und öffentlichen Beiträgen weise ich deshalb immer daraufhin, dass wir die qualitativen Ziele unserer Verpflichtungen erweitern müssen: Nicht allein das Absenken der Unfalltotenzahlen darf im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Verringerung der Zahlen von Schwerst- wie Schwerverletzten bedarf ebenfalls besondere Präventionsmaßnahmen.














