(openPR) Die derzeitige Diskussion um die anonymen Lebensläufe übersieht einen entscheidenden Vorteil, den diese Lebensläufe für Unternehmen haben. Gerade vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels in Deutschland sollten Firmen jede Möglichkeit nutzen, um sich qualifizierte Bewerbergruppen zu erschließen. Zu oft jedoch fallen Arbeitgeber, Manager und Personalchefs einem fundamentalen sozialpsychologischen Phänomen zum Opfer. Dieses führt dazu, dass geeignete Bewerber gegen das beste Wissen und Gewissen der Firmen übersehen werden. Zahlreiche Studien haben gezeigt: Wir schätzen Personen, die sich aufgrund oberflächlicher Merkmale von uns unterscheiden, als minderwertiger und undifferenzierter ein. Im Vergleich dazu bevorzugen wir Menschen, die oberflächliche Merkmale mit uns teilen. Solche Merkmale sind zum Beispiel Hautfarbe, Dialekt, Geschlecht, Alter, nationale, ethnische und kulturelle Abstammung oder einfach nur die Farbe der Augen.
Je mehr Hinweise auf diese oberflächlichen Merkmale aus einer Bewerbung eliminiert werden, desto weniger können sie auf die Entscheidungsfindung in einem Einstellungsverfahren Einfluss nehmen. Die Entscheidung sollte sich nur darauf konzentrierten, in welchem Grade ein Bewerber über das Wissen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügt, die eine bestimmte Stelle erfordert. Dies ist in erster Linie eine wirtschaftliche Entscheidung und nicht ausschließlich eine moralische, wie das die Befürworter der anonymen Lebensläufe derzeit überwiegend darstellen. Diskriminierung schadet nicht nur den Diskriminierten, sondern auch den Diskriminierenden. Procter & Gamble und L’Oreal, die internationalen Firmen, die sich an den Pilotversuchen der Bundesregierung beteiligen, haben die Vorteile der anonymen Bewerbung genau erkannt. Diese Firmen wollen es vermeiden, sich durch sozialpsychologische Phänomene in die Irre leiten zu lassen. Sie können deshalb aus unserer multikulturellen Gesellschaft all die Bewerber rekrutieren, die für den Job am besten geeignet sind. Volkswirtschaftlich macht der anonyme Lebenslauf auch Sinn. Im Bildungsbereich haben wir es geschafft, den Anteil der Frauen und Personen mit Migrationshintergrund erheblich zu erhöhen. Als Gesellschaft haben wir da einiges investiert: Die OECD hat festgestellt, dass ein abgeschlossenes Studium in Deutschland durchschnittlich 69.814 US-Dollar kostet, eine Summe, die überwiegend vom Steuerzahler getragen wird. Wenn wir diese Investition aber dann nicht nutzen, weil wir Bewerber, die anders sind als wir, schon zu Beginn eines Einstellungsverfahrens ausschließen, ist das Geld, volkswirtschaftlich gesehen, zum Fenster hinausgeworfen.














