(openPR) Erst Anfang des 20.Jahrhunderts wurde die chinesische Medizin in Europa bekannt, vor allem die exotische Methode des "Nadelstechens". Es waren Pioniere des "Wissenstransfers" wie George Soulie de Morant, die die faszinierende Behandlungsmethode "Zhenjiu" in der westlichen Welt vertraut machten. Sie erschlossen sich wie er die chinesische Sprache durch Privatlehrer und Eigenstudium, vor allem auch durch die Aufenthalte vor Ort - ein Erlernen des Chinesischen, zumal des in der Medizin gebräuchlichen klassischen Chinesisch, war damals nicht anders möglich. Begeistert von den Erfolgen bei der Linderung und Heilung von Krankheiten versuchte er die fremden Begrifflichkeiten in europäische Sprachen zu übersetzen- und vor allem auch dem westlichen Denken vertraut zu machen. Aus "Zhenjiu" (=Stechen und Brennen) wurde die "Akupunktur" (acus-Nadel, pungere-Stechen), aus "Qi Xue" (=Qi-Höhle) wurde der "Akupunkturpunkt", aus "Jingluo" (=Wege, Verbindungen) dann "Meridian". Der Begriff "Qi" wurde dann zunächst bei uns mit "Odem" übersetzt, später als "Energie". Pioniere wie de Morant versuchten auch die komplexe, sowohl mündlich von Lehrer zu Schülern als auch über alte klassische Texte überlieferte Denkweise der chinesischen Ärzte einem westlichen Leser und Studenten verständlich zu machen - war doch im Westen das Lernen aus Büchern und an Universitäten, in strukturierter und systematischer Form die vertraute Lernweise. Im Verlauf dieses Wissens- und Kulturtransfers kam es zu Anpassungen- so wie es stets beim Transfer fremden Wissens geschieht. In China gab und gibt es dementsprechend immer noch erhebliche Probleme beim Verständnis z.B. unserer Psychotherapie: basiert diese doch auf Seelenvorstellungen, die einem abendländlisch-christlichem Kulturkreis exklusiv entstammen - was könnte ein eigentlich nur mit der chinesischen Mythologie vertrauter chinesischer Arzt wohl mit einem "Ödipuskomplex" anfangen? In den letzten zwei Wochen konnte man sehr polemische Beiträge zu diesem Thema in eigentlich sehr renommierten Zeitschriften verfolgen. Aus Sicht der Kultur- und Geschichtswissenschaften ist jedoch jedes Dokument nur aus dem Kontext seiner Zeit und seines Umfeldes zu verstehen. Gerade in der Heilkunde können wir enorme Entwicklungen beobachten - das schulmedizinische Wissen erweitert und erneuert sich ständig. Scharlatane sind deswegen Ärzte wie Pasteur oder Koch noch lange nicht, obwohl sie aus unserer heutigen Sicht erhebliche Wissenslücken hatten. Gerade angesichts dieser Tatsache ist den Pionieren auf jedem Forschungsgebiet höchster Respekt zu zollen. In den letzten 26 Jahren habe ich unzählige Patienten in meinen Praxen behandelt - mit einer Heilmethode, die uns eigentlich fremd ist und sich dem Therapeuten erst in langwierigen Übersetzungs-Prozessen erschließt. Die Forschungsarbeiten der Pioniere wie George Soulie de Morant waren hierbei von höchstem Stellenwert!









