(openPR) Die Möglichkeiten und Probleme der Nutzung von archäologischen Befunden als touristische Standortfaktoren für Städte- und Regionen:
Über den „Standortfaktor Kultur“ können Städte und Regionen ein eigenständiges Image entwickeln. Doch oftmals fehlen Methoden und Konzepte, gerade was einen Kulturtourismus auf Basis von kulturellen Hinterlassenschaften aus anderen Zeiten angeht: von archäologischen Befunden. Dabei können diese richtig in Szene gesetzt als starker Tourismusmagnet wirken. Bei unsachgemäßen Umgang jedoch, etwa bei nicht fachgerechten Restaurationen, kann aber eben dieser Tourismus den Standortfaktor und den historischen Wert auch gefährden oder gar vernichten.
Kultur- und Kunsttourismus ist ein breites und teils doch unscharf abgegrenztes Feld. Oftmals wird hier die heutige kulturelle Szene mit Theatern, Opern und Kinos angesprochen. Ein sicherlich wichtiger (sog. „weicher“) Standortfaktor für Städte und Regionen. Doch auch andere Kulturgüter stellen Standortfaktoren für touristische Destinationen dar – hierzu zählen insbesondere auch archäologische Befunde. Doch diese zu nutzen, direkt aber auch indirekt durch dem Tourismus nahestehende Dienstleistungen, stellt Akteure vor vielfältige Probleme in einem Spannungsfeld zwischen nachhaltigem Schutz der Kulturgüter und Entwicklung der Destination. Das Erkennen der touristischen Nutzbarkeit von archäologischen Befunden kann diese „Ressource Kulturgut“ aber auch gefährden oder aus wissenschaftlicher Sicht gar ganz zerstören. Der eigentliche direkte Wirtschaftsfaktor ist damit eine Gratwanderung.
Die Kulturgüter zu schützen ist dabei mit einem immensen finanziellen Aufwand verbunden, der ohne Finanzierungsinstrumente gar nicht zu bewältigen ist. Die Europäische Union unterstützt hier u.a. durch den Europäischen Fond zur Regionalen Entwicklung (EFRE) auch die Finanzierung von Projekten, die Tourismus und Kultur verbinden. Für Städte und Regionen ist es ein schwieriges Unterfangen, die Wertschöpfung aus diesen Kulturgütern zu ermitteln und gleichzeitig antragsfähige Projekte zu entwickeln und so finanzielle Mittel zu akquirieren. Nicht zuletzt wegen den Interessenskonflikten zwischen Denkmalschutz und Wirtschaft, die nur durch einen multidisziplinären Ansatz aufgebrochen werden können. Aus Gründen der Konzeptlosigkeit findet oftmals nur ein reiner „Besuchertourismus“ statt, mögliche breitere Wertschöpfungen bleiben aus – grade in kleineren Städte und in Regionen, die keine umfassende touristische Wirtschaftsförderung betreiben.
Letztlich stehen Akteure vor der entscheidenden Frage: „Was soll erhalten werden und in welchem Ausmaß?“ Nicht jeder archäologischer Befund kann in situ, also vor Ort, bewahrt werden – dies ist auch gar nicht erstrebenswert. Hier fehlen Methoden und Tools, die bei der Entscheidungsfindung angewandt werden können. Denn welches potentielle Kulturgut hat es verdient, als ein solches behandelt und bewahrt zu werden und welches nicht? Hierbei ist zu beachten, daß aus wirtschaftlicher und damit touristischer Sicht Kulturgüter auch eine unterschiedliche Reichweite als Besuchermagnet haben. Ist ein Befund lokal von großer Bedeutung, kann er auf internationalem Parkett dennoch kein großes Interesse wecken. Dieser Fakt muß bei vielen Akteuren noch als Chance erkannt werden, denn er kann die Basis für ein Image einer lokalen Destination für ein kleines Spektrum an Zielgruppen sein. Denn gerade hier liegt auch eine Chance für die Entwicklung von neuen Destinationen und Konzepten, besonders außerhalb von Ballungszentren und Metropolen.

















