(openPR) TEAM CONSULT, eine in Berlin ansässige und auf die Energiewirtschaft und speziell den Gassektor ausgerichtete Managementberatung, hat in einer breit angelegten Befragung von mittleren und größeren endverteilenden Gasversorgungsunternehmen (GVU) teilweise überraschende Ergebnisse zur Einschätzung und zum Verhalten der Unternehmen im Gasverkauf und dem Gaseinkauf erhalten.
Die antwortenden Unternehmen stellen mit einem Jahresabsatz von zusammen 93 TWh ca. 15% des Absatzvolumens der deutschen Orts- und Regionalgasverteiler. Geantwortet haben in erster Linie die Unternehmensführer oder die Verantwortlichen für das Gasgeschäft, also die Entscheidungsebene.
Die entscheidenden Nachrichten sind:
Der Gas-zu-Gas-Wettbewerb hat sich voll etabliert, bestimmt das Marktverhalten und wird sich weiterentwickeln. Eine Rückkehr zur alten Welt der langfristigen Vollversorgungsverträge wird es nicht mehr geben. Die entspannte Versorgungslage unterstützt diesen Trend. Ölindexierte Lieferverträge bleiben aber im Diversifizierungsmix ein wichtiger Portfolio-Bestandteil.
Absatzverluste im Gas-zu-Gas-Wettbewerb sollen zunehmend durch Akquisition außerhalb des Stammgebietes ausgeglichen werden. Klimaschutzvorschriften werden nach überwiegender Meinung der Befragten den Gasabsatz spürbar senken. Deshalb sehen alle Unternehmen die Notwendigkeit, das Kerngeschäft, und zwar insbesondere die Energiebeschaffung und den Vertrieb, weiter zu optimieren und mehr als die Hälfte will neue kerngeschäftsnahe Geschäftsfelder aufbauen.
Einige Einzelergebnisse:
Neben traditionellen Lieferverträgen hat der Einkauf über Handelsplätze stark zugenommen (von 7% auf 60% der Unternehmen). Wichtigster Handelsplatz ist NCG (33% der Teilnehmer) gefolgt von Gaspool (26%) und TTF (26%). Nur 20% der Unternehmen betreiben Eigenhandel. Die Handelsgeschäfte dienen damit in erster Linie dem physischen Beschaffungsportfolio. Der Mehr-Lieferanten-Bezug ist der Normalfall. 85% der Unternehmen haben drei Lieferanten oder mehr. Interessant ist, dass trotz der Dominanz des Handelsmarktes in einem durchschnittlichen idealen Beschaffungsportfolio noch 37% ölindizierte Gasmengen (heute 70%) vertreten sind.
Ähnliches gilt für Residuallieferungen, die den GVU offensichtlich das Leben erleichtern. Im idealen Durchschnittsportfolio sind 28% der Volumen Residuallieferungen - es bleiben also Aufgaben für Mengen- und Risikobündler.
Die Vertragslaufzeiten werden immer kurzfristiger. Bereits heute liegen ¾ des Portfolios bei zwei Jahren und darunter.
Speicher sollen auch stark für Handelszwecke eingesetzt werden. Man engagiert sich aber auch hier eher kurzfristig (bis zu zwei Jahren). Wohl auch, weil man den Speichermarkt gut versorgt sieht.
Auf der Absatzseite ist man überraschend optimistisch. Die Hälfte der Unternehmen erwartet Wachstum im Gas-zu-Gas-Wettbewerb (zwei Jahre zuvor nur 10%). Selbst im Klimaschutz-Szenario sehen 20% Wachstumschancen (vor zwei Jahren nur 7%). Deutliche Absatzverluste (> 2% p.a.) erwarten nur noch 15% statt 31%. Diese Entwicklungen wären der Gaswirtschaft zu wünschen, sind aus TEAM CONSULT Sicht aber sehr optimistisch.
Regenerative Energien stehen hoch im Kurs. Alle Unternehmen, die in neue Geschäftsfelder gehen (60%), werden in Biogas und Windkraft investieren.
Fazit:
Die derzeit günstigen Beschaffungsmöglichkeiten durch die Existenz der Handelsmärkte werden intensiv genutzt und beflügeln auch den Optimismus auf der Absatzseite. Ob letzteres vom Markt bestätigt wird, bleibt offen.
TEAM CONSULT
Berlin, den 13.07.2010










