(openPR) Weltklasse-Interpret spielt Bach
Sonderkonzert des Kirchheimer Konzertwinters mit Masaaki Suzuki
Die Weltklasse kommt mittlerweile regelmäßig nach Kirchheim. Knapp drei Wochen nach dem Auftritt von Christoph Prégardien beim Kirchheimer Liedersommer lädt der Kirchheimer Konzertwinter zu einem Sonderkonzert der Extraklasse als Vorpremiere seiner Jubiläumssaison. Der weltbekannte Dirigent des Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki, zugleich exzellenter Organist und Cembalist, bietet Bach vom Feinsten. Auf dem Programm steht – passend zum 325.Geburtsjahr des Komponisten - der „Dritte Theil der Clavier-Übung“ von Johann Sebastian Bach. Diese „Übung“ ist – wie der Titel zunächst vermuten lässt - keineswegs nur ein Etüdenspiel für einen Orgelschüler, vielmehr verlangt sie vom Organisten neben hohem spieltechnischen Können schon vollendete Meisterschaft der Interpretation. Bach wollte damit fraglos aufzeigen, wie weit man in der Kunstfertigkeit des Umgangs mit stilistischen Formen wie Konzert, Suite, Choralvorspiel, Fuge und Variation kommen kann. In den Jahren von 1731 bis 1741 schuf er Musik schwerpunktmäßig für Tasteninstrumente. Die von ihm diesbezüglich herausgebrachte vierteilige Sammlung fasste er unter dem Begriff „Clavier-Übung“ zusammen. Im ersten Teil wird dem einmanualigen, im zweiten und vierten dem zweimanualigen Cembalo Rechnung getragen, während im dritten, dem umfangreichsten Teil, das Orgelspiel mit und ohne Pedal kompositorisch bearbeitet wird.
Der angesprochene dritte Teil der Clavier-Übung wird ähnlich der Ordnung des Messgottesdienstes mit einem Präludium eröffnet und mit der dazugehörigen Fuge beschlossen. Dazwischen bilden 21 Choralbearbeitungen den Kern des Werkes: Kyrie und Gloria aus der evangelischen Missa und die sechs Choräle Martin Luthers zu den Hauptstücken des Katechismus. Albert Schweitzer bezeichnete diese Kompositionen daher auch als Orgelmesse, weil er fand, dass die Choräle nicht ans Kirchenjahr gebunden, dafür im Verlauf eines Gottesdienstes angeordnet sind, beginnend mit Kyrie, Gloria und Credo. Trotzdem dürfte diese Bezeichnung irreführend sein, da wohl – anders als bei echten Orgelmessen – keinesfalls an eine zyklische Aufführung im Gottesdienst gedacht war. Dagegen spricht auch, dass die Sammlung der Stücke sich erst allmählich entwickelte: Präludium und Fuge Es-Dur sowie die „kleinen“ Choralbearbeitungen wurden erst später aufgenommen, zum Schluss folgten die vier Duette.
Den stilistisch enorm vielfältigen Stücken, die zweifellos als unübertroffene Gipfelwerke der Orgelliteratur gelten, wird sich am Mittwoch, 18.August 2010, um 19.30 in der Prot. Kirche in Kirchheim an der Weinstraße der profunde Bach-Kenner Prof. Masaaki Suzuki an der Mönch-Orgel widmen. Suzuki konzertierte nicht nur in ganz Japan, sondern auch in den USA und in vielen Ländern Europas. Seine zahlreichen Einspielungen, u.a. der wichtigsten Choralwerke und geistlichen Kantaten wie auch der Cembalowerke Bachs beim Label BIS finden höchstes Lob. Für seine Verdienste wurde er im April 2001 mit dem „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ausgezeichnet.
Suzuki, 1954 im japanischen Kobe geboren, spielte bereits mit 12 Jahren sonntags in der Kirche die Orgel. Nach dem Studium von Komposition und Orgel absolvierte er am Sweelinck-Konservatorium Amsterdam bei Ton Koopman und Piet Kee eine Ausbildung an Cembalo und Orgel. Nachdem er für beide Instrumente Solistendiplome erhalten hatte, erzielte er beim 1980er Cembalowettbewerb (Basso continuo) den zweiten und beim 1982er Orgelwettbewerb des Festival van Vlaanderen in Brügge den dritten Preis.
Von 1981 bis 1983 war er als Cembalolehrer an der Staatlichen Hochschule für Musik in Duisburg tätig. Seit 1990 ist er künstlerischer Leiter und Dirigent des Bach Collegium Japan, das sich inzwischen unter seiner Führung weltweit einen hervorragenden Namen gemacht hat. Masaaki Suzuki ist Professor für Orgel und Cembalo an der Nationalen Universität für Kunst und Musik in Tokio und seit Juli 2009 Professor für Chorleitung an der Yale University (USA). Er arbeitet regelmäßig mit renommierten europäischen Ensembles zusammen, beispielsweise mit dem Collegium Vocale Gent und dem Freiburger Barockorchester, mit denen er dieses Jahr eine Tournee durch verschiedene europäische Städte unternahm. Sein Auftritt vor einem Jahr beim Kirchheimer Konzertwinter, wo er ein Orgelrezital gab, löste beim Publikum überschwängliche Begeisterung aus und veranlasste den Kritiker zu der Aussage: So sollte edle Tonkunst immer sein.













