(openPR) Es ist Sonntag, der 27.06.2010. Es ist ein heißer Tag in Deutschland und zugleich ein ganz besonderer Tag für die deutsche Fußballnation – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft auf die englische Auswahl. Um 16:20 Uhr jubelte dann ganz Deutschland, als Miroslav Klose nach einem gigantischen Abschlag von Manuel Neuer das 1:0 erzielte. Nur 12 Minuten später erhöhte Lukas Podolski auf 2:0 und eine ganze Nation sang „Oh wie ist das schön…“. Wenig später dann eine erste Ernüchterung, als der englische Innenverteidiger Upson den 2:1 Anschlusstreffer erzielte. In der 37. Spielminute dann die totale Ernüchterung – Frank Lampard schießt aus ca. 17 Metern mit Wucht auf das Tor, der Ball prallt von der Latte hinter die Torlinie und es steht 2:2. Millionen von deutschen Fußballfans sehen die jubelnden Engländer auf dem Bildschirm und können es kaum fassen. Aber Nein, ein lauter Pfiff erlöst die deutsche Fußballnation – der Treffer wird nicht gegeben. Der Ball, der eindeutig hinter der Torlinie aufprallte, wurde von Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay nicht anerkannt. Deutschland ist erleichtert und die „Three Lions“ sind empört. Ein klares Tor, das dem Spiel vielleicht nochmals die Wende gebracht hätte, wurde nicht gegeben.
Umgekehrtes Spiel zeigte sich nur wenige Stunden später, als in dem Spiel Mexiko gegen Argentinien der Viertelfinalgegner der DFB-Elf ermittelt wurde. 26 Minuten beugten sich die Mexikaner gegen die favorisierten Argentinier. Ein Pass von Messi in Richtung Tor zu dem im Abseits stehenden Carlos Tevez, welcher den Ball locker und lässig als wäre er schon in dem Wissen im Abseits zu stehen, einköpfte. Anders als im Spiel Deutschland gegen England ist Schiedsrichter Roberto Rosetti aus Italien anderer Meinung als Milliarden von Zuschauern vor dem Fernseher. Er lässt das Tor fälschlicherweise zählen und die Argentinier ziehen gegen die nach dem 1:0 gebrochen Mexikaner mit einem 3:1 Sieg in das Viertelfinale ein.
Nie zuvor waren Schiedsrichter bei einer Fußball-Weltmeisterschaft so im Fokus der Öffentlichkeit wie bei dieser WM. Eine immer größer werdende Anzahl an spielmitbestimmenden Fehlentscheidungen und eine ganze Anhäufung von gelben und roten Karten lassen denken, dass die Schiedsrichter sich bei dem bedeutsamsten Fußballturnier der Welt selbst in Szene setzen und die Fußball-WM als Plattform zur Selbstdarstellung nutzen. Insgesamt sind rund 42% der deutschen der Meinung, dass die Leistung der Schiedsrichter schlecht sei. Nur rund 15% der Bevölkerung findet, dass die Schiedsrichter einen guten Job machen, während immerhin 42% die Leistung der Unparteiischen als befriedigend betrachten. Darüber hinaus sind mehr als ein Drittel der Deutschen der Meinung, dass sich die Schiedsrichter bei der WM zu sehr in den Vordergrund stellen und einen maßgeblichen Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen.
Noch kritischer sind die Fußball-Experten, die nach den Spielen vom vergangenen Sonntag immer mehr über den Einsatz von technischen Hilfsmitteln im Fußball nachdenken. „In dem Fall, wenn es noch keinen Torrichter gibt - so wie in der Europa League getestet - hätte der vierte Offizielle was sagen müssen. Warum sitzt der da draußen? Er hat ja den Bildschirm, er hat ja den Videobeweis und dann gibt er dem Schiri einen Hinweis und dann gibt es ein Tor", erklärte Franz Beckenbauer in einem Interview mit dem Pay-TV Sender Sky. Die aktuellen Diskussionen über die Art der technischen Hilfsmittel laufen während dessen auf Hochtouren. Rund 60% der Deutschen würden den Einsatz von Torrichtern befürworten und ca. 46% halten das Chipimplantat im runden Leder gut geeignet. Über 55% der Deutschen halten den Einsatz eines Videobeweises für ein geeignetes Instrument, um die Entscheidungen der Unparteiischen zu überprüfen. Was nun die beste Lösung ist wird nicht nur für den Rest der WM, sondern wohl auch nach der Weltmeisterschaft intensiv diskutiert werden. Den Einsatz von Hilfsmitteln halten Experten für durchaus realistisch und auch nötig, jedoch werden diese wohl nicht mehr während dieser WM eingeführt. Somit müssen sich Spieler, Fans und Verantwortliche zumindest noch bei dieser WM weiterhin auf den „Unsicherheitsfaktor Mensch“ verlassen.




















