(openPR) 10 Fragen an Herrn
Klaus-Dieter Schicks
Deutsche Leasing AG
Projektmanager Automotive
1. Herr Schicks, wie sehen die die Entwicklungen in der Automobil- und Zulie-ferindustrie in den nächsten Jahren?
Herr Schicks:
Die komplexen und technologisch anspruchsvollen Produkte, die Ausweitung der Modellpalette, das Besetzen von Nischen und eine steigende Zahl der Vari-anten wird den Prozess der Verlagerung von Entwicklungsleistungen, Konstruk-tion und Produktion von Teilen, Komponenten oder ganzen Fahrzeugen hin zu den Zulieferern weiter beschleunigen. Treiber dieser Veränderungen bzw. der erwarteten Verlagerung hin zu den Zulieferern wird es in allen Fahrzeugberei-chen geben. Dieser Prozess wird in den nächsten zehn Jahren erhebliche Aus-wirkungen auf die Automobilhersteller und die Zulieferer haben.
2. Herr Schicks, welche Herausforderungen lassen sich aus diesen Entwick-lungen für die Automobilzulieferer ableiten?
Herr Schicks:
Die größeren Leistungsumfänge in Entwicklung und Produktion verursachen er-hebliche finanzielle Vorleistungen beim Zulieferer, die mit den traditionellen Fi-nanzierungsinstrumenten alleine nicht mehr bewältigt werden können. Neue Ansätze, den Anforderungen angepasste Finanzierungskonzepte sind notwen-dig, um den Finanzierungsbedarf zu befriedigen.
3. Herr Schicks, wie sehen Finanzierungskonzepte der Finanzpartner dazu aus?
Herr Schicks:
Neben der traditionellen Finanzierung, d.h. die Finanzierung über die Bank, gibt es heute eine Vielzahl von alternativen Finanzierungsformen. ABS, Factoring, Mezzanine, Private Equitiy und Leasing sind die wohl am häufigsten genannten Alternativen. Die Wahl des Finanzierungsinstrumentes ist abhängig von den An-forderungen des Finanzierungsbedarfs und der strategischen Zielsetzung des Zulieferers.
Interessant sind dazu die Ergebnisse einer Umfrage von Ernst & Young. Für zwei Drittel der Zulieferer steht die Finanzierung über die Bank im Vorder-grund. Immerhin ist für 14% der Befragten die Finanzierung über Leasing von Bedeutung. Für klar abzugrenzende Projekte eignet sich in diesem Zusammen-hang die Projektfinanzierung über Leasing.
4. Herr Schicks, wo sehen Sie Chancen, Möglichkeiten und Grenzen der Projekt-finanzierung?
Herr Schicks:
Die Projektfinanzierung bietet die Möglichkeit, alle projektbezogenen Aufwen-dungen, d.h. Entwicklungskosten, Werkzeuge, Produktions- und Montageanla-gen in einen Vertrag zu integrieren. Der Finanzpartner begleitet den Zulieferer über die gesamte Wertschöpfungskette und deckt den Finanzierungsbedarf in den einzelnen Phasen des Projektes ab.
Mit diesem integrierten Konzept sichert sich der Zulieferer eine durchgängige Finanzierung und sichert damit das Projekt für alle Beteiligten. Für die Überbrü-ckung eines kurzfristigen Finanzierungsbedarfs oder die Finanzierung von rei-nen Forschungs- und Entwicklungskosten eignet sich diese Konzeption nicht.
5. Herr Schicks, gibt es bereits erfolgreiche Beispiele aus der Praxis für Ihre Konzeption?
Herr Schicks:
Wir haben bei der Umsetzung solcher Projekte viel Erfahrung sammeln können und haben gezeigt, dass die Konzeption genau die Bedürfnisse der Zulieferer abdeckt. Dabei ist kein Projekt wie das andere. Auch die Umfänge waren sehr unterschiedlich. Wir haben von einfachen Fertigungslinien mit Werkzeugen für einzelne Komponenten oder Systeme bis hin zu komplexen Entwicklungs- und Fertigungsprojekten für komplette Fahrzeuge finanziert. Unser "Premium-Projekt" war die Finanzierung von Entwicklungskosten, Werkzeugen, Ferti-gungs- und Monataglinien bei Karmann in Osnabrück für das neue CLK-Cabrio. Auch der Crossfire wurde mit einer vergleichbaren Konzeption finanziert.
6. Herr Schicks, über neue Technologien, über neue Modelle wird in der Auto-mobil- und Zuliefererindustrie offen kommuniziert, warum ist das Thema Finan-zierung immer noch ein Tabu-Thema?
Herr Schicks:
Fragen bzw. Themen in Verbindung mit der Finanzierung sind sehr häufig ne-gativ belegt. Es entsteht der Eindruck von Schwäche bzw. nicht ausreichender Leistungsfähigkeit. Deshalb werden diese Themen oft nicht oder zu einem viel zu späten Zeitpunkt angesprochen.
7. Herr Schicks, was müsste man tun, um die Gesamtsituation zu verbessern?
Herr Schicks:
Wir als Geldgeber würden es gerne sehen, wenn das Thema Finanzierung in Zukunft genau mit der gleichen Selbstverständlichkeit in den Prozess der Ent-wicklung und Fertigung einbezogen wird wie all die technischen Themen. Wir sind für die Umsetzung der Projekte ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Eine frühzeitige Einbeziehung der Finanzierung fördert das Verständnis für die Themen der Partner und können in entsprechende gegenseitige Vereinbarungen einfliessen.
Eine offene Kommunikation, klare Spielregeln, klare strategische Positionen vor allem von Seiten der OEM würden die Gesamtsituation sicherlich entscheidend verbessern bzw. entspannen.
8. Herr Schicks, welchen Beitrag können Initiativen wie NoAE dabei leisten ?
Herr Schicks:
NoAE ----- ist die ideale Plattform für einen Meinungs- und Erfahrungsaus-tausch für die komplexen Themen einer Projektfinanzierung. NoAE sollte der Treiber für ein neues Verständnis für die Anforderungen und Bedürfnisse der beteiligten Partner werden, Treiber für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die sicher zu neuen Lösungswegen führen werden..
9. Herr Schicks, was halten Sie von einem Expertenform Finanzinstrumente a-nalog dem Expertenforum zum Varianten- und Komplexitätsmanagement als „Bewußtseinsbilder?
Herr Schicks:
Ich würde eine solche Initiative sehr begrüßen. Damit könnte man für dieses neue Verständnis werben bzw. eine offene Kommunikation fördern.
10. Herr Schicks, wo steht die Deutsche Leasing AG in 5 Jahren mit dem Thema Automotive – und wie sieht dann Ihr Job aus?
Herr Schicks:
In unserer mittelfristigen Planung gibt es ein klares Bekenntnis zu dem Markt-segment Automobilindustrie. Wir werden in 5 Jahren ein bedeutender Markt-teilnehmer im Bereich Automotive sein. Wir werden permanent die Bedürfnisse unserer Kunden aktiv aufnehmen und unsere Konzeption weiterentwickeln. Da-bei wird vor allem der europäische Markt und auch außereuropäische Länder wie z. B. China stetig an Bedeutung gewinnen. Wir bereiten uns derzeit auf die-se Anforderungen vor und sind auch schon in der Lage, in ausgewählten Märk-ten Projektfinanzierungen anzubieten.
Meine Aufgabe wird sein, die Position der Deutschen Leasing in diesem Markt-segment weiter auszubauen. Dabei möchte ich erreichen, dass solche Begriffe wie Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Kompetenz wesentliche Leistungs-merkmale werden.
Weitere Informationen siehe www.noae.com









