(openPR) Interview mit Dr. Klaus Alders, Leiter Komplexitätsmanagement bei Audi und Anwendersprecher NoAE-Expertenforum „Varianten- und Komplexitätsmanagement“
Der Prozess beginnt beim Kunden
Herr Dr. Alders, Hersteller wie Toyota beherrschen in der Automobilbranche das Thema Variantenmanagement offenbar am besten und erzielen hohe Gewinne. Ist Toyota Benchmark für Sie?
Natürlich würden wir pro Auto gerne so viel Geld verdienen wie Toyota. Da haben die Japaner absolut die Nase vorn. Auch hat Toyota ein sehr erfolgreiches Varianten- und Gleichteilemanagement. Das bedeutet aber nicht, dass wir deren Konzepte kopieren wollen.
Was wollen Sie anders machen?
Oberste Prämisse ist, die Attraktivität des Angebots nicht zu gefährden und den Wunsch unserer Kunden nach einer hohen Individualität keinesfalls zu beschneiden. Das aber bedeutet die richtige Balance zu finden zwischen den Marktbedürfnissen einerseits und dem Aufwand für Entwicklung und Herstellung andererseits, also die wirtschaftlich optimale Gestaltung der Variantenvielfalt.
Woran orientieren Sie sich dabei?
Das Ziel ist eine optimale Variantenvielfalt jeder Baugruppe hinsichtlich ihrer Kostenstruktur und Kundenrelevanz. Die wesentlichen Stellschrauben dafür sind Einbauraten, Kosten und Ergebnis. Schließlich gibt es zahlreiche lukrative Varianten und Extras, mit denen ein Automobilhersteller gutes Geld verdienen kann. Bezogen auf das Komplexitätsmanagement bei Audi heißt das: Die Vielfalt im Angebot dort ausdünnen, wo es zu wenig Nachfrage gibt und wo sie den Kunden keinen erkennbaren Nutzen stiftet. Manchmal ist weniger durchaus mehr.
Sollen die Entwickler also mehr Gleichteile verwenden?
Kreative wie Designer oder Entwickler greifen ungern in Baukastenregale. Ihre Kreativität wollen wir nicht einschränken. Im Gegenteil: Es erfordert ein ganz besonderes Maß an Kreativität, Bauteile mit der Zielvorgabe niedrige Kosten, hohe Zuverlässigkeit und unter Kundennutzenaspekten zu entwerfen. Es muss nicht immer alles auf den Kopf gestellt werden. Man kann auch mit wenigen kosmetischen Eingriffen völlig neue Anmutungen erzeugen.
Das heißt aber doch: Variantenmanagement beginnt beim Kunden?
Sicherlich. Ein konsequentes Variantenmanagement beginnt bei den Wertvorstellungen der Kunden. Vor allem auch bei der Frage, worauf der Kunde keinen oder nur geringen Wert legt. So lassen sich viele Varianten von vornherein streichen. Das spart massiv Kosten.
Über das NoAE-Expertenforum sucht Audi den Dialog mit anderen OEM. Warum sind Diskussionen mit Wettbewerbern wie BMW oder DaimlerChrysler für Sie wichtig?










