(openPR) Musiker sind oft einem enormen Druck ausgesetzt. Häufig sind erhöhter Tabletten- und Alkoholkonsum die Folge. Die Dr. Becker Brunnen-Klinik in Horn-Bad Meinberg hat sich unter anderem auf die Behandlung dieser Berufsgruppe spezialisiert.
Horn-Bad Meinberg. Das eigene Hobby zum Beruf machen – für viele ein Traum. Dass die Verwirklichung aber auch in einem Albtraum enden kann, zeigen zahlreiche bekannt gewordene Fälle aus der Musikszene. Insbesondere Orchestermusiker werden oftmals durch den Job krank. Zu den häufigsten Krankheiten in diesem Bereich zählen Ängste und Depressionen sowie Hörschäden und chronische Schmerzzustände.
„Das klassische Lampenfieber an sich ist nicht krankhaft und sogar angemessen für den Auftritt, der auch eine gewisse innere Spannung erfordert“, erklärt Dr. Martin Ohly, Chefarzt der Dr. Becker Brunnen-Klinik. Die Einrichtung für psychosomatische und psychotherapeutische Rehabilitation in Bad Meinberg hat sich unter anderem auf die Behandlung dieser Berufsgruppe spezialisiert. „Sind diese Ängste allerdings so belastend, dass sie alles andere überschatten, muss der Betroffene professionelle Bewältigungsstrategien erlernen, um seinen Beruf weiter ausüben zu können.“
Ständiger Leistungs- und Konkurrenzdruck unter Musikern
Was ebenfalls bedenklich stimmt: Bei zahlreichen Musikern stehen Tabletten und Alkohol auf der Tagesordnung. Häufig ist auch der Gebrauch von Medikamenten gegen Herzklopfen und Bluthochdruck, den Beta-Blockern, um den Druck besser ertragen zu können. Aber was genau treibt Musiker hierzu? „Unter den Musikern herrscht ein enormer Konkurrenzdruck. Die Stellen sind rar gesät, und jeder Künstler steht in kontinuierlichem, direkten Vergleich mit anderen“, erklärt der Chefarzt. Auf eine neu ausgeschriebene Orchesterstelle bewerben sich heutzutage 50 bis 70 Musiker, und wenn einer von ihnen eingestellt wurde, muss er sich bei jedem Auftritt neu beweisen. „Auch psychosoziale Probleme sind häufig: Die enorme zeitliche Belastung und insbesondere das Arbeiten am Abend führen bei Berufsmusikern häufig zu Trennungen oder Scheidungen.“
Musikmedizin: Eine junge Disziplin etabliert sich
Die Dr. Becker Brunnen-Klinik gehört seit kurzer Zeit zum Netzwerk Musikermedizin in Detmold und ist eine der wenigen Kliniken, die sich der psychischen und psychosomatischen (also seelisch-körperlichen) Beschwerden dieser Berufsgruppe annimmt. Bisher war das Thema unter Musikern ein Tabu-Thema. Hier galt immer: Bloß keine Schwäche zugeben, auch unter Kollegen nicht. Dass die junge Disziplin Musikmedizin aber immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigt beispielsweise auch die Tatsache, dass an der Musikhochschule Detmold jetzt eine eigene Professur für dieses Fach eingerichtet wurde. Hier besteht auch Bedarf, vorbeugend tätig zu werden, beispielsweise durch Selbstsicherheitstraining für die Bühne.
Lärm wie Motorkettensägen im Orchestergraben
„Des Weiteren behandeln wir hier regelmäßig Musiker aus dem Bundesgebiet aufgrund ihres Tinnitus – also Ohrgeräusches“, erklärt Diplom-Psychologin Christine Meynen-Finkler. Die nebenberuflich ausgebildete Organistin und Chorleiterin ist insbesondere in der Tinnitus-Therapie in der Bad Meinberger Rehabilitationsklinik tätig. Ohrgeräusche kommen in dieser Berufssparte sehr häufig vor, da die Künstler jeden Tag einem extremen Geräuschpegel im Orchestergraben ausgesetzt sind. Im Opernhaus Zürich sowie in der Oper und mehreren Konzertsälen Berlins wurden Schallmessungen durchgeführt. Der Lärmpegel schwankte zwischen 90 und 130 Dezibel. Zum Vergleich: 100 bis 110 Dezibel entsprechen dem Lärm von Motorkettensägen, auf 130 schwillt die Lautstärke in der Nähe eines Flugzeugjets an. Bereits bei 120 Dezibel liegt die körperliche Schmerzgrenze – das heißt, solchem Lärm sollte das Ohr nicht lange ausgesetzt sein.
Diagnose Tinnitus trifft Musiker wie ein Schlag
Die Diagnosen Tinnitus oder Hyperakusis, also eine übertriebene Überempfindlichkeit gegenüber Schall, treffen gerade Musizierende besonders hart. Sind diese doch auf ein extrem gutes Gehör angewiesen. Insbesondere bei Streich- und auch vielen Blasinstrumenten, aber auch bei Dirigenten führt das ständige Ohrgeräusch zu Unsicherheiten beim Stimmen und Intonieren. „Manche dieser Patientengruppe hören auch Dissonanzen im Ohr – ein besonders quälendes Gefühl bei einem solch feinen Gehör, wie es Musiker haben“, so die Psychologin.
Neben zahlreichen anderen wirksamen Bewältigungsstrategien führt die Dr. Becker Brunnen-Klinik beispielsweise ein Klangtraining durch. Hierbei sollen die Betroffenen ganz bewusst mindestens 20 Minuten am Tag für sie wohltuende Musik über Kopfhörer konsumieren. Ziel dabei ist es, die Aufmerksamkeit wieder auf andere Töne und Klänge zu lenken, also eine Defokussierung vom Tinnitus. Liegt eine Hyperakusis vor, ist Ziel der Therapie, die Patienten wieder an Klänge und Geräusche zu gewöhnen und die Lautstärke bei der Klangtherapie entsprechend anzupassen. „Diese Form der Therapie wird von unseren Patienten sehr gut angenommen. Insbesondere Musiker empfinden sie immer wieder als wohltuend, weil sie es in ihrem Arbeitsalltag oftmals zeitlich kaum schaffen, nebenbei noch in Ruhe Musik zu hören.“












