(openPR) Fast im Stundentakt treffen in den letzten Tagen Negativschlagzeilen über Immobilienfonds ein. Goldman Sachs und Morgan Stanley vermelden kurz aufeinanderfolgend, dass das Eigenkapital ihrer Immobilienfonds durch erhebliche Buchverluste im Feuer steht. Die Fonds hatten auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms der letzten Jahre teure Immobilien erworben, die jetzt von drastischen Bewertungsabschlägen betroffen sind.
Ein Blick auf die in Deutschland für ein breites Publikum zugelassenen offenen Immobilienfonds zeigt, dass die Nachrichtenlage auch hier keinen Spaß macht:
Im Oktober 2008 mussten im Zuge der Finanzmarktkrise zwölf offene Immobilienfonds schließen. Phasenweise waren mehr als ein Drittel des in Immobilienfonds angelegten Geldes gesperrt. Die Anleger konnten ihre Anteile nicht mehr zum regulären Preis zurückgeben, sondern nur mit einem Abschlag an der Börse verkaufen. Die Ursache: Vor allem institutionelle Anleger hatten in wenigen Tagen hohe Geldbeträge aus den Investments abgezogen. Da man die Immobilen nicht so schnell verkaufen konnte, blieb nur die Schließung.
Die meisten Fonds konnten nach einigen Monaten wieder geöffnet werden, einige haben jedoch nachhaltige Liquiditätsprobleme. Immer noch (oder wieder) geschlossen sind beispielsweise der Axa Immoselect, der Kan Am US-Grundbesitz, der Degi Europa und der Morgan Stanley P2 Value. Der einzige Ausweg scheint hier der massive Verkauf von Objekte zu Preisen unter dem Marktwert. Dem Geschäftsmodell des offenen Immobilienfonds droht damit das Aus.
Ärgerlich, besonders auch deswegen, weil bereits 2005/2006 drei Fonds aus Liquiditätsgründen dicht machen mussten und die Branche sich danach Wohlverhaltensregeln verpaßt hat, die unter anderem vorsahen, dass institutionelle Anleger in Publikumsfonds für Privatanleger nichts zu suchen haben.
Doch die Jagt nach Nettomittelzuflüssen war seitdem offenbar mächtiger als die schönen Absichtserklärungen und so ist es verständlich, dass die Politik nun die Nase voll hat. Eine Branche, die ihr Geschäftmodell nicht im Griff hat, gestaltet nicht mehr, sondern wird gestaltet. "Schäuble macht Anlegerschutz zur Chefsache" titelte die Welt am 4. März in ihrer Onlineausgabe. Anlegern in offenen Immobilienfonds wird möglicherweise eine zweijährige Mindesthaltefrist verordnet, darüberhinaus soll mit Kündigungsfristen zwischen 6 und 24 Monaten gearbeitet werden.
Schade, denn vor allem nach Inflation und Steuern sind gut gemanagte offene Immobilienfonds ein sehr interessantes Investment.
Betroffen wären wahrscheinlich alle in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen offenen Immobilienfonds, auch die der Union-Investment, der Deka und der Commerz Real Invest, die zu keinem Zeitpunkt schließen mussten und die auch sonst vieles richtig gemacht haben. Es bleibt abzuwarten, ob die Lobbyarbeit dieser Gesellschaften die drohende Regulierung abwenden kann. Eines ist jedoch wahrscheinlich: Sollten die Kündigungsfristen auch für Altanleger eingeführt werden, droht ein Massenausstieg aus dieser Assetklasse, die zu einer Konsolidierung der Branche führen wird. Übrig bleiben dann noch eine Handvoll Gesellschaften mit einem mächtigen und verlässlichen Vertriebsweg. Sparkassen und Volksbanken hätten dann ein weiteres Mal mit ihrem Geschäftsmodell gepunktet!








