(openPR) Bill Carrothers' CD Joy Spring ist ein Jazz-Abenteuer: sinnlich und aufregend, geistvoll und überraschend. Fans von Clifford Brown können sich über hintersinnige Neu-Belichtungen freuen, die den Stücken völlig ungewohnte Seiten abgewinnen, statt sie in glatt-geläufigem Sound nachzuäffen. Sie können hier also Entdeckungen machen mit Interpretationen, die dem Geehrten gerade durch ihre radikale Individualität mehr Respekt erweisen, als es Kopien je könnten. Und wer auch Clifford Brown noch entdecken darf, der wird in Bill Carrothers' Aufnahmen keineswegs nur eine Einstiegsdroge finden, die er irgendwann durch eine andere ersetzt. Sie sind ein Echo von großem eigenem Zauber. Der eine: eine Legende. Ein Musiker, dem nur ein erschreckend kurzes Leben beschert war, über dessen überragendes Talent aber Generationen von Kollegen schwärmen. Eine Jazz-Gestalt mit Aura.
Der Trompeter Clifford Brown, 1930 geboren, 1956 bei einem Autounfall ums
Leben gekommen, erst 25 Jahre alt. Der andere: ein sprühender Kreativgeist. Ein Querdenker. Ein Musiker, der in den zwei Jahrzehnten seiner bisherigen Karriere konsequent stets ein bisschen anders klingt als all die anderen. Und der stets auch ein bisschen anders klingt, als man es in Kenntnis seiner vorherigen Veröffentlichungen jeweils von ihm erwarten würde. Ein Mann der Zwischentöne. Ein Jazzer für Hinhör-Freudige. Der Pianist Bill Carrothers, Jahrgang 1964, in den Neunzigern in New York gefeiert als Partner von Musikern wie Dave Douglas, bis er vor einigen Jahren nach Michigan zog und in regelmäßigen Abständen der Jazzwelt neue Denk- und Höranstöße gibt. Bill Carrothers, dieser subtile Eigentöner, verbeugt sich auf der nun vorliegenden CD also vor der einstigen Trompeten-Sensation des Hard Bop, Clifford Brown. Joy Spring heißt die CD nach einem von Browns berühmtesten Stücken. Und dieser Titel führt uns augenzwinkernd in die Irre: Mit freudig naivem Nach-Tönen einer spannenden Hinterlassenschaft haben diese Aufnahmen nichts zu tun - ebenso wenig wie mit einem zerknirschten Klagen um einen großen Toten. Sondern sie ist ein höchst individuelles Echo. Carrothers' Auseinandersetzung mit der Musik von Clifford Brown hat viele Facetten. Die beiden Partner Carrothers' sind Bassist Drew Gress und Drummer Bill Stewart. Der 1959 geborene Gress hat sich unter anderem in der Zusammenarbeit mit Marc Copland und Ravi Coltrane einen Namen gemacht. Der 1966 geborene Bill Stewart spielte unter anderem mit Dave Holland und Joe Lovano, aber früher auch bereits mit Carrothers. Beide sind Musiker von starkem eigenem Profil, Garanten fester musikalischer Konturen und zugleich Meister der Flexibilität. Mit ihnen kann man kompakt swingen und ausgreifend experimentieren.
+++Rezensionen+++
"Es wäre so leicht, eine Hommage an die Hard-Bop-Legende Clifford Brown, den Jazzmusiker, der 1956 mit gerade einmal 25 Jahren tödlich verunglückte, originaltongetreu einzuspielen. Der Pianist Bill Carrothers liefert ganz anderes ab. Im inspirierten Zusammenspiel mit Drew Gress am Bass und dem furios antreibenden Bill Stewart am Schlagzeug präsentiert er hochoriginelle, überraschende Neu-Interpretationen von einigen von Browns klassischen Kompositionen wie "Jacqui", "Jordu" oder "Gerkin for Perkin" wie auch von Benny Golsons "I remember Clifford". Carrothers spielt mal perlend, fließend diskursiv, dann wieder nuancenreich zögernd, zauberisch verlangsamt. Ein stupendes, in jedem Moment schlüssiges Album."
(Alexander Kluy in Rheinischer Merkur 25.3.2010)
























