(openPR) Solche Begabungen gibt es auch in der Musik selten. Der in New York lebende Belgier Robin Verheyen hat schon mit Mitte zwanzig eine beachtliche Liste von Preisen vorzuweisen - und eine erstaunliche Vielfalt musikalischer Aktivitäten seit seiner Jugend. Mit 18 spielte er in einer Big Band unter der Leitung der amerikanischen Komponistin Maria Schneider, mit 22 zog er nach Paris, mit 23 nach New York. In Brüssel und im baskischen Getxo gewann er Preise als bester Solist, im französischen La Défense denjenigen für Komposition. Doch noch aussagekräftiger als all diese Erfolge ist die Musik, die in den vorliegenden Aufnahmen zu hören ist. Die Stücke auf Starbound lassen einen Solisten von enormer Flexibilität erkennen - auf dem Sopran- wie auf dem Tenorsaxophon. Auch die Mehrzahl der Kompositionen stammt von Verheyen: Es sind Stücke von besonders sinnlicher Kraft und lyrischer Schönheit.
Verheyens internationales Quartett, das diese Aufnahmen im April 2009 im Pirouet-Studio in München machte, besteht aus lauter hochkompetenten Musikern, die aus verschiedenen anderen Pirouet-Produktionen bekannt sind. Das Klavier spielt Bill Carrothers, der sich mit Einspielungen einen Namen gemacht hat, die geistvoll und spielfreudig von der Konvention abweichen. Den Bass spielt Nicolas Thys, profilierter Komponist und Bandleader sowie Instrumentalist von wacher Spielphantasie. Das Schlagzeug schließlich spielt Dré Pallemaerts, ein einfühlsamer und finessenreich agierender Partner, der gerade die Kommunikation in Trio- und Quartettformationen besonders schätzt und sie anzuspornen weiß.
Vier starke Individualisten - und zugleich vier Meister des Zusammenspiels. Hohe Verschmelzungskunst herrscht in diesen Aufnahmen vor. Eine dichte Stimmung entsteht dabei, in der das Saxophon als Zentrum eines musikalischen Bewusstseinsstroms fungiert. Robin Verheyen setzt auffällig oft das Sopransaxophon ein, auf dem er einen bemerkenswert weichen Ton hat. Wie Linien, die mit dem Finger auf einer samtenen Fläche gezogen sind, muten seine Kantilenen manchmal an. Dann wieder wie frische Kondensstreifen an einem reinen blauen Himmel, scharf konturiert und in einem Umfeld, das klarer nicht sein könnte - etwa in dem Stück The Flight of the Eagle. Um dann im Titelstück Starbound eine fabulierende Intensität bei schnellem Tempo zu entfalten, die den Hörer fast atemlos zurücklässt. In einem Stück, das schon von der Länge und Ausdrucksdichte her das Herzstück der CD sein könnte, Lamenting, spielt Verheyen allerdings Tenorsaxophon. Er pflegt dabei einen fein modulierten Klang, der sich hier in eine fesselnde musikalische Klage einschwingt - zunächst sanft, dann immer dichter und ausdrucksgeladener: eine Seelen-Explosion wird daraus. Aber eine, die spieltechnisch immer unter vollster Kontrolle bleibt. Edelste Tonbildung, ganz hohe Kunst der Einfärbung von Tönen. Ein Meisterstück!
Wie kongenial Bass, Klavier und Schlagzeug in den Stücken dieser CD stets die Saxophonstimme umspielen, verblüfft ein ums andere Mal mehr. Fast klingt es, als seien die acht Arme dieser Musiker stets von einem einzigen Gehirn gesteuert. Jede Nuance, jeder noch so beiläufige musikalische Gestus hat eine sinnfällige Verbindung zum Ganzen - und dieses Ganze ist stets eine höchst intensiv modellierte Atmosphäre, die den Hörer sofort soghaft packt und nicht mehr loslässt. Wie ungewöhnlich dieses Quartett schon vom interpretatorischen Ansatz her ist, kann man etwa bei dem hauchzart gespielten Standard I Wish I Knew feststellen. Eine melancholische Miniatur voller Charme und leiser Kraft
Doch dann sind da noch die Eigenkompositionen. Und in denen, die vom
Bandleader selbst stammen, kann man eine weitere hohe Begabung neben der des Saxophon-Solisten erkennen. Eine so auf Anhieb berückende Stimmung, wie Verheyen sie etwa in den absteigenden chromatischen Figuren des Stücks Waves schafft, gibt es selten sonst in Jazzstücken. Viele höchst unterschiedliche Facetten haben Verheyens Kompositionen - von Stück zu Stück gibt es Spannendes und Neues zu entdecken. Dieses Pirouet Debüt des jungen Saxophonisten ist eine CD für Hörer, die das Anspruchsvolle und die Kunst der feinen Nuancen schätzen. In vielen feinen Schattierungen, die beim mehrmaligen Hören immer noch stärker faszinieren, steckt das Abenteuer dieser noblen, vielfältigen Stimmungsbilder eines Musikers, der noch viel von sich reden machen dürfte.
+++Besetzung+++
Robin Verheyen soprano & tenor saxophone
Bill Carrothers piano
Nicolas Thys bass
Dré Pallemaerts drums
+++ Tracks+++
1. On the House 3:59 2. Boechout 4:31
3. The Flight of the Eagle 5:42 4. Starbound 3:53
5. Lamenting 11:02 6. Roscopaje 3:55 7. Waves 5:20
8. Long Island City 4:06 9. Narcis 4:22
10. Tree Line 5:24 11. I Wish I Knew 2:43
+++Tourdaten 2009+++
04.11. Prishtina · Kosovo · Jazz Festival
05.11. Paris · Frankreich · Duc Des Lombards
06.11. Alsemberg · Belgien · CC De Meent
11.11. Liège · Belgien · Jacques Pelzer Jazz Club
12.11. Roeselare · Belgien · CC De Spil






















