(openPR) Berlin, 4.3.2010: Der Chemiker und Philosoph Robert Havemann (1910-1982) war einer der be-kanntesten Regimekritiker der DDR. Er stritt für Freiheit, Menschenrechte und eine legale Opposition im Sozialismus. Bereits in der Zeit des Nationalsozialismus leistete Havemann Widerstand, wurde verfolgt und inhaftiert. Seine mutige Haltung und sein kompromissloses Eintreten für die Freiheit ließen ihn zu einer Symbolfigur der DDR-Opposition werden. Am 11. März wäre Robert Havemann 100 Jahre alt geworden.
Anfang der 1930er Jahre schließt sich Robert Havemann dem Widerstand gegen den National-sozialismus an. Zusammen mit anderen Antifaschisten gründet er die Widerstandsgruppe „Eu-ropäische Union“. Die Gruppe hilft verfolgten jüdischen Mitbürgern, organisiert Lebensmittel und Unterkünfte. Als ihr Mitbegründer wird Havemann 1943 zum Tode verurteilt. Befreundete Wissenschaftler erreichen, dass seine Forschung als „kriegswichtig“ eingestuft wird. Seine Hin-richtung wird mehrfach aufgeschoben, bis ihn die Rote Armee 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit.
In der Nachkriegszeit engagiert sich Havemann vorbehaltlos für den Aufbau der DDR. Er übernimmt wissenschaftliche und politische Funktionen, tritt in die SED ein, deren Politik er anfangs unein-geschränkt unterstützt. 1953 wird er Kontaktperson der Stasi, später ihr Geheimer Informator. Die Enthüllungen über stalinistische Verbrechen im Jahr 1956 erschüttern ihn tief und leiten einen Wandel ein. Durch die Auseinandersetzung mit den Machtmechanismen des Parteiapparates wird Havemann zu einem der schärfsten Kritiker des SED-Regimes.
Nach einer Vorlesungsreihe an der Berliner Humboldt-Universität 1963-64, in der Havemann die Freiheit jedes Einzelnen im Sozialismus verteidigt, erhält er Berufsverbot. Doch Havemann publiziert seine Gedanken mit Hilfe der westlichen Medien im Ausland weiter. Um ihn herum bildet sich ein Kreis von Oppositionellen, darunter Künstler und Autoren wie Wolf Biermann und Jürgen Fuchs.
Als Havemann 1976 gegen die Ausbürgerung Biermanns protestiert, stellt ihn die SED-Führung unter Hausarrest und lässt ihn lückenlos von der Stasi überwachen. Der Arrest wird 1979 aufgehoben - nicht aber die Überwachung, die Havemann bis zu seinem Lebensende am 9. April 1982 erdulden muss. Im September 1989 gründet sich in seinem Haus in Grünheide das „Neue Forum“, die be-deutendste Bürgerbewegung der DDR, aus der auch die Robert-Havemann-Gesellschaft entstanden ist.
Im Jahr 2006 zeichnete die israelischen Gedenkstätte Yad Vashem Robert Havemann und andere Mitglieder der Gruppe „Europäische Union“ mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ aus und würdigte damit ihren Versuch, jüdische Mitbürger vor dem Genozid zu retten.
Der persönliche Nachlass von Robert Havemann befindet sich im Archiv der Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft. Auf der Website www.havemann-gesellschaft.de finden Sie eine ausführ-liche biographische Darstellung sowie Fotos und Dokumente. Druckfähiges Bildmaterial stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne honorarfrei zur Verfügung.
Den 100. Geburtstag ihres Namensgebers würdigt die Robert-Havemann-Gesellschaft mit drei Ver-anstaltungen am 11. und 12. März. Weiteren Informationen zur Veranstaltung entnehmen Sie bitte unserer Website: www.havemann-gesellschaft.de.









