(openPR) Mitte Januar überraschte Umweltminister Norbert Röttgen die Solarbranche mit einer Ankündigung, die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen außerplanmäßig um zusätzliche 15 % abzusenken. Die Kürzung sollte für Anlagen gelten, die nach dem 31.03.2010 in Betrieb genommen werden. Bei Investoren begann ein Run auf die letzten Anlagen, die noch bis 31.03.2010 fertig gestellt werden können. Die Solarbranche reagierte mit allen verfügbaren Mitteln – von Arbeitsplatzabbau bis Verfassungsklage war die Rede. Ende Januar wurden dann erste Pressemeldungen bekannt, die Einspeisevergütungssätze für Aufdachanlagen erst zum 01.06.2010 abzusenken. Mitte Februar meldete sich die FDP zu Wort, die die Kürzung der Solarförderung noch weiter verschieben möchte. Es bleibt abzuwarten, wann die Kürzung zum Tragen kommt. Das über die letzte Novellierung des erneuerbare Energien Gesetz (kurz „EEG“) die Einspeisevergütungssätze um einen Marktanpassungsfaktor (ca.15 %) gekürzt werden, scheint jedoch beschlossene Sache.
Preisentwicklung von 2006 - 2009
Seit 2004 sind die Vergütungssätze nach Anlagengröße gestaffelt. Anlagen bis 30 kWp installierte Leistung erhalten die Höchstförderung (aktuell: 39,57 cent/kWh), bei größeren Anlagen verringert sich der Vergütungssatz. Die nachfolgende Betrachtung ist für eine PV-Anlage mit 100 kWp berechnet. Das entspricht bei einem Schrägdach einer Dachfläche von ca. 900 m².
Im Jahr 2006 wurden zwar rund 50 cent/kWh vergütet, jedoch kosteten die Anlagen ca. 4.800 EUR/kWp. Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. hat die durchschnittlichen Anlagenpreise pro Quartal ermittelt. Setzt man nun die Einspeisevergütung (Annahme: 900 kWp/kWh) ins Verhältnis mit den vom BSW ermittelten Kaufpreisen erhält man einen „Einkaufsfaktor“ vor Kosten und Abschreibung.
Wie man der Grafik unschwer entnehmen kann, lagen die Einkaufsfaktoren in den Jahren 2006 bis 2008 zwischen dem 10 und 10,5 – fachen der Einspeisevergütung. Auf Grund des Preisverfalls der Module sank im letzten Jahr der Einkaufsfaktor im vierten Quartal 2009 auf das 8,5 – fache ab. Wer in dieser Phase investiert hat, hat vor Kosten und Abschreibung eine Anfangsrendite von knapp 12 %. Solange die Einspeisevergütung nicht abgesenkt wird, sind ähnliche Renditen zu erzielen.
Welche Auswirkungen haben die Kürzungen für Investoren?
Nach der Veröffentlichung der Bundesnetzagentur vom 19.10.2009 erhalten Anlagen-betreiber, die aktuell eine 100-KWp-Anlage in Betrieb nehmen, eine Vergütung von
37,8 cent/KWh bis 31.12.2030. Die Kaufpreise liegen um 3.000 EUR/kWp, was einen Einkaufsfaktor von unter dem 9-fachen entspricht.
Unterstellt man nun die angekündigte Kürzung von 15 %, sinkt die Einspeisevergütung auf 32,13 cent/kWp ab. Bei den angenommenen Prämissen ergeben sich dann für eine 100-kWp-Anlage eine Einspeisevergütung von 28.917 EUR für das erste volle Betriebsjahr. Um zum 9-fachen einzukaufen, müsste der Kaufpreis 2.603 EUR / kWp betragen. Am 01.01.2011 sinkt die Förderung weiter auf unter 30 cent/kwh. Dann dürfte der kWp-Preis Nur noch 2.350 EUR betragen. Ob der Markt diese Kürzung der Solarförderung durch günstigere Modulpreise vollständig kompensieren kann, ist unwahrscheinlich.
Geht man jedoch vom 10-fachen als Einkaufsfaktor aus, sieht man, dass die Kaufpreise – auch in den nächsten Jahren – realistisch sind. Zu diesen Faktoren wurde in den letzten Jahren PV-Anlagen im großen Stil von privaten und institutionellen Investoren gekauft. Außerdem erwarten alle Branchenteilnehmer die Steigerung Wirkungsgrade der Module durch technische Verbesserungen.
Einkaufsfaktor 10
Jahr der Inbetriebnahme Einspeisevergütung Kaufpreis Kaufpreis / kWp
2010 ./. 15 28.917 € 289.170 € 2.892 €
2011 26.314 € 263.140 € 2.631 €
2012 23.946 € 239.460 € 2.395 €
2013 21.791 € 217.910 € 2.179 €
Fazit:
Allen Unkenrufen zum Trotz: Investitionen in Photovoltaik-Anlagen werden sich auch - nach der Kürzung - rentieren. Der langfristig planbare Cash-flow, die geringe Wartungsanfälligkeit und die hohen Abschreibungsmöglichkeiten sind Garanten für eine attraktive Kapitalanlage. Außerdem haben Investoren das gute Gefühl, etwas Sinnvolles mit ihrem Kapital zu tun.

















