(openPR) Schilddrüsenbundesverband „Die Schmetterlinge“ appelliert an Frauenärzte, Hebammen und Kinderärzte:
Essen, 10. Februar 2010. Immer noch werden in Deutschland jedes Jahr viele Kinder mit einer Funktionsstörung der Schilddrüse geboren, die unerkannt bleibt und damit zu schwerwiegenden Langzeitschäden führen kann. Der Schilddrüsenbundesverband „Die Schmetterlinge e.V.“ mit Sitz in Essen/NRW ruft deshalb in einer bundesweiten Aktion vor allem die Frauenärzte dazu auf, bei jeder Geburt an das Neugeborenen-Screening zu denken und die Mütter bereits in der Schwangerenberatung auf das Neugeborenen-Screening aufmerksam zu machen. „Beim Screening wird auch die Schilddrüsenfunktion des Neugeborenen untersucht“, erklärt Kirsten Wosniack, 1. Vorsitzende des Schilddrüsenbundesverbandes. „Eine frühzeitig behandelte Schilddrüsen-Unterfunktion kann Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen und Intelligenzdefizite verhindern.“
Unmittelbar nach der Geburt oft keine Symptome erkennbar
Das Tückische jedoch ist, dass Neugeborene unmittelbar nach der Geburt oftmals keine Symptome zeigen, die auf eine Schilddrüsenstörung schließen lassen. Schließlich wurden sie während der Schwangerschaft durch die Mutter mit Schilddrüsenhormonen versorgt. 1 von ca. 3500 Neugeborenen sind davon betroffen. Wird die Störung nicht durch das Neugeborenen-Screening entdeckt, kann das schlimme Folgen haben. „Die Kinder haben Entwicklungsverzögerungen, die bei einer zu späten Behandlung nicht aufholbar sind!“, erklärt Wosniack.
Frühzeitige Behandlung kann Schlimmes verhindern
Der Bundesverband „Die Schmetterlinge e.V.“ hat im Rahmen der Neugeborenen-Screening-Aktion einen Flyer entwickelt, die u. a. der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Der Frauenarzt“ in einer Auflage von knapp 19.000 Exemplaren beiliegt. Damit hoffen Wosniack und ihre Mitstreiter, möglichst viele Frauenärzte in Deutschland für das Thema Schilddrüsenerkrankungen zu sensibilisieren. Denn das Schicksal der betroffenen Neugeborenen lässt sich wirksam verhindern, und zwar durch frühzeitiges Eingreifen mit Medikamenten. „Wenn die Behandlung einer angeborenen Schilddrüsen-Unterfunktion innerhalb der ersten 14 Lebenstage beginnt und sich die Blutwerte normalisiert haben, stehen die Chancen sehr gut, dass sich das Kind völlig normal entwickelt“, so Wosniack.
In jeder 10. Schwangerschaft hat die Mutter eine Schilddrüsenstörung
Aber natürlich kann auch bereits die Mutter an einer Schilddrüsenstörung leiden, wie es bei etwa jeder 10. Schwangerschaft der Fall ist. „Bei Frauen mit einer unbehandelten Schilddrüsen-Unterfunktion liegen häufig Zyklusstörungen vor. Außerdem ist nicht selten die so genannte Befruchtungsrate reduziert und es kommt häufiger zu Frühgeburten. Die Kinder weisen ein vermindertes Geburtsgewicht und eine erhöhte Missbildungsrate auf und es ist sogar eine eingeschränkte intellektuelle Entwicklung zu befürchten“, so Wosniack. Liegt bei einer Schwangeren eine Schilddrüsen-Unterfunktion vor, ist eine Substitution mit dem Wirkstoff Levothyroxin erforderlich. „Hierbei ist zu beachten, dass der Schilddrüsen-Hormonbedarf der Schwangeren in den ersten Monaten steigt und eine Dosis-Anpassung erforderlich macht“, so Wosniack.
Hintergrund:
Was geschieht beim Neugeborenen-Screening?
Im Laufe des 2. oder 3. Lebenstages (36. Bis 72. Stunde nach der Geburt) werden wenige Blutstropfen aus der Vene oder der Ferse des Säuglings entnommen. Den Einstich nimmt das Neugeborene kaum wahr, insgesamt dauert die Maßnahme nur wenige Sekunden, die jedoch für ein weitgehend unbeschwertes Leben des Kindes entscheidend sein können. Die Blutprobe wird auf Filterpapier geträufelt und ins Labor geschickt. Dort wird die Probe dann auf 12 genetisch bedingte Stoffwechsel- und Hormonstörungen untersucht. Die Ergebnisse erfährt der Einsender innerhalb weniger Tage schriftlich. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Das Testergebnis ersetzt zwar keine medizinische Diagnose, gibt jedoch dem behandelnden Arzt einen entscheidenden Hinweis bei der Diagnose-Findung. Die Schilddrüse ist ein wichtiges Organ für den Hormonhaushalt des Körpers. Hormone bestimmen unter anderem das Wachstum, die Geschlechtsausprägung und den Stoffwechsel des Körpers.











