(openPR) Heidelberg, 15. Dezember 2009. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) präsentiert mit dem "Conflict Barometer 2009" seine aktuellen Daten und Analysen zum diesjährigen globalen Konfliktgeschehen. Unter den insgesamt 365 beobachteten Konflikten zählen die Politikwissenschaftler 31 hochgewaltsame Konflikte, d.h. Auseinandersetzungen, die mit massivem Einsatz von organisierter Gewalt geführt werden und nachhaltige Zerstörungen verursachen. Sieben dieser hochgewaltsamen Konflikte werden als Kriege eingestuft: Die Auseinandersetzungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung fordern in diesem Jahr mehr als tausend zivile Opfer. Auch in Pakistan kämpfen die Taliban gegen die Regierung sowie gegen verschiedene Stämme; allein in diesem Jahr kommen dabei mehr als 5.000 Menschen ums Leben. Die israelische Armee führt im Gazastreifen die "Operation gegossenes Blei" gegen Raketenangriffe der Hamas und anderer militanter Gruppen durch. Im Norden des Jemen bekämpfen sich schiitische Rebellen und Regierungstruppen. Eine Großoffensive der srilankischen Armee endet in deren militärischem Sieg über die "Tamil Tigers" im Mai. Hunderttausende werden in den Auseinandersetzungen zwischen islamistischen Gruppen und Übergangsregierung in Somalia vertrieben. Vier dieser Konflikte werden seit 2006 als Kriege ausgefochten.
Obwohl die Zahl der hochgewaltsamen Konflikte im Vergleich zum Vorjahr von 39 auf 31 zurückgegangen ist, warnen die Forscher vor übermäßigem Optimismus: "Die derzeitigen hochgewaltsamen Auseinandersetzungen sind zumeist in regionale Konfliktsysteme eingebunden, in denen die Konflikte sich gegenseitig anheizen. Daher ist die Deeskalation einzelner Konflikte möglicherweise von nur vorübergehender Dauer", so Lotta Mayer, Vorstandsmitglied des Instituts. Zudem könne aus dem Rückgang von 2008 auf 2009 kein Trend abgeleitet werden: Die Zahl der hochgewaltsamen Auseinandersetzungen schwanke seit einigen Jahren um 35 herum - gemessen an dem bisherigen Höchstwert von 51 im Jahr 1992 sei dies mittleres Niveau. Die häufigen vorübergehenden Eskalationen und Deeskalationen weisen dabei auf eine insgesamt eher fragile Situation hin. Ferner dokumentieren die Forscher 112 Konflikte mit sporadischem Gewalteinsatz, sogenannte Krisen - sie bergen ein hohes Risikopotential für die Zukunft.
Der Vordere und Mittlere Orient, Asien sowie Afrika südlich der Sahara sind mit jeweils neun hochgewaltsamen Konflikten die meistbetroffenen Regionen der Erde. In Afrika zieht sich ein zusammenhängendes Krisengebiet von Nigeria an der Ostküste über den Sudan und die Demokratische Republik Kongo nach Somalia. Vom Nahen Osten erstreckt sich ein Konfliktgürtel bis nach Asien, der von Israel und dem Jemen über Irak und Afghanistan nach Pakistan und Indien bis nach Sri Lanka reicht. In Nord- und Südamerika steigt die Zahl der hochgewaltsamen Konflikte von zwei auf drei, wobei dies im Zusammenhang mit Drogenkriminalität großen Ausmaßes steht. Dagegen beruhigt sich die Lage in Europa mit dem Abzug der russischen Truppen aus Georgien, dennoch bleiben die russisch-georgischen Beziehungen angespannt. Zudem verschlechtert sich die Situation in den russischen Kaukasus-Republiken Tschetschenien und Inguschetien.









