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„Selbsthilfegruppen sind keine Kaffeekränzchen“

06.11.200908:24 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) ’Tag der Krebs-Selbsthilfe’ fordert eine verlässliche Finanzierung der Selbsthilfe und die Stärkung ihrer Rechte

Bonn (ct) – Die Unterstützungsangebote der Krebs-Selbsthilfeorganisationen sind unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Versorgung von Krebs-Patienten. Ihre Finanzierung muss daher über die Regelversorgung durch die Kostenträger im Gesundheitswesen verlässlich gesichert werden. In politischen Entscheidungsgremien sollen Patientenvertreter zudem ein umfassendes Mitbestimmungsrecht haben. Dies sind zwei zentrale Forderungen des diesjährigen ’Tages der Krebs-Selbsthilfe’. Die Deutsche Krebshilfe hat den Tag gemeinsam mit allen von ihr geförderten Krebs-Selbsthilfeorganisationen zum nunmehr fünften Mal ausgerichtet. 220 Vertreter der Selbsthilfe, Ärzte, Experten aus der Pflege, der psychosozialen Onkologie, aus dem physiotherapeutischen Bereich und aus den Sozialdiensten diskutierten am 4. November 2009 in Bonn-Bad Godesberg über Vorurteile und Blockaden gegenüber der Selbsthilfe sowie Wege zu einer besseren Zusammenarbeit.



„Selbsthilfegruppen sind Kaffeekränzchen, hier wird über Ärzte geschimpft und es wird sich in medizinische Entscheidungen eingemischt - diesen Klischees begegnen wir nach wie vor in unserer Arbeit“, sagte Hilde Schulte, ehemalige Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, beim ’Tag der Krebs-Selbsthilfe 2009’ in Bonn-Bad Godesberg. Diesen Vorurteilen widerspricht sie jedoch nachdrücklich: „In Selbsthilfegruppen findet ein vertrauensvoller Austausch zwischen krebskranken Menschen statt. Die Gespräche haben eine hohe Glaubwürdigkeit und Intensität, wie sie nur unter Gleichbetroffenen möglich sind. Kein anderer kann so verständlich und authentisch zum Leben mit der Erkrankung und ihren Beeinträchtigungen informieren wie Betroffene selbst“, so Schulte. Selbsthilfegruppen würden von geschulten Selbstbetroffenen geleitet. Sie stellen keine Konkurrenz zu Ärzten dar, sondern ergänzen die Versorgung.

„Um Krebs-Patienten einen Zugang zur Selbsthilfe zu ermöglichen, müssen Vorurteile und Blockaden abgebaut und bei allen Berufsgruppen, die mit Betroffenen Kontakt haben, Akzeptanz für den Nutzen von Selbsthilfe geschaffen werden. Nur dann kann sie fester Bestandteil der Versorgung werden“, sagte Frau Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, beim ’Tag der Krebs-Selbsthilfe’.

Keine festen, kompetenten Ansprechpartner in der Selbsthilfe, fehlendes Wissen über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Kompetenzüberschreitungen - dies sind Gründe, warum Mitarbeiter aus der Pflege, aus der Physiotherapie oder aus dem professionellen psychosozialen Bereich nicht mit Selbsthilfegruppen kooperieren. Regelmäßige gemeinsame Gespräche und Schulungen für Leiter von Selbsthilfegruppen sind Wege zu einer besseren Zusammenarbeit.

Selbsthilfeorganisationen vertreten darüber hinaus die Interessen von Patienten in medizinischen und politischen Gremien. Dazu gehört auch die Mitarbeit im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. „Die Mitarbeit von Patientenvertretern im G-BA erfolgte anfangs nach dem Prinzip ‚annehmen, lochen, abheften’- wir hatten eher Alibi-Funktion. Heute schätzt man unsere Beiträge sehr und wir können im Interesse der Patienten Einfluss nehmen“, sagte Professor Dr. Gerhard Englert, Vorsitzender der Deutschen ILCO. Die Deutsche ILCO ist eine Selbsthilfevereinigung für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang und für Darmkrebs-Patienten. Englert war von 2004 bis 2008 Mitglied im G-BA. Seinem Nachfolger Werner Kubitza, Präsident des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten, reicht das jedoch noch nicht aus: „Wir fordern ein umfassendes Mitbestimmungsrecht bei allen Entscheidungen, die die Patienten betreffen“.

Auch die Deutsche Krebshilfe setzt sich dafür ein, dass Selbsthilfevertreter bei allen gesundheitspolitischen Entscheidungen mitbestimmen. Darüber hinaus ist die Krebs-Selbsthilfe seit über 30 Jahren ein fester Bestandteil der Fördermaßnahmen der Deutschen Krebshilfe. „Die Selbsthilfeorganisationen werden von uns derzeit jährlich mit fast vier Millionen Euro unterstützt. Um die Glaubwürdigkeit der Selbsthilfe und ihr hohes gesellschaftliches Ansehen nicht zu gefährden, muss ihre unabhängige Finanzierung sichergestellt werden“, sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, in Bonn Bad-Godesberg. „Die Deutsche Krebshilfe sieht sich daher auch weiterhin in der Pflicht, Selbsthilfeorganisationen finanziell den Rücken freizuhalten“, so Nettekoven. Gemeinsam mit den Krebs-Selbsthilfeorganisationen fordert er jedoch die Kostenträger auf, die institutionelle Förderung der Bundesverbände der Selbsthilfe sowie die Finanzierung der Gruppenarbeit vor Ort und an der Basis in die Regelversorgung zu übernehmen. Erst dann sei die Krebs-Selbsthilfe wirklich anerkannter Bestandteil der Patientenversorgung.


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Bonn, 5. November 2009

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