(openPR) Bruchsal. Die Sektion Karlsruhe-Bruchsal des Wirtschaftsrates der CDU und die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e. V. haben im Rahmen einer großen Podiumsdiskussion über die Chancen von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt gesprochen. Die hochkarätig besetzte Runde wurde nach einer kurzen Begrüßung durch Gastgeber Alex Huber, 1. Vorsitzender der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e.V. und Sektionssprecher Hanspeter Steiert mit einem Impulsvortag von Hubert Hüppe MdB, Beauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Belange der Menschen mit Behinderungen, in das Thema eingeführt.
Hüppe forderte in seinem Vortrag ein besseres Miteinander ein: „Wir sind in unserer Gesellschaft oft zu defizitorientiert. Bei der Lebenshilfe habe ich gelernt zu schauen, was Menschen können und das ist meist sehr beeindruckend.“ Anlässlich der Veranstaltung zeigte er sich begeistert: „Die Verbindung von Lebenshilfe und Wirtschaftsrat ist von unschätzbarer Bedeutung. Gemeinsam können wir Bewusstsein und Arbeitsplätze für behinderte Menschen schaffen.“ Als Ziel formulierte Hüppe die Schaffung von mehr gemeinsamen Lebensräumen: „Dazu zähle ich auch mehr Arbeitsplätze außerhalb von Werkstätten.“
Unter der Moderation von Rudi Sack, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lebenshilfe, entwickelte sich unter dem Veranstaltungsmotto „Neue Potentiale für den Arbeitsmarkt - Teilhabe ermöglichen und Chancen nutzen“ rasch eine sehr fruchtbare Diskussion. Dabei machte Dr. Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe, einige Fakten deutlich. So lebten etwa 2.000 von 440.000 Menschen im Kreis von ca. 40 Mio. Euro Eingliederungshilfe und davon arbeiteten 960 in Werkstätten und 72 im ersten Arbeitsmarkt. „Mit dem Budget für Arbeit liefert die Eingliederungshilfe eine Art Kombilohn, der sich im Kreis bewährt hat.“
Peter Hafner, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e.V., stellte die Leistungsfähigkeit der behinderten Menschen unter besonderen Rahmenbedingungen heraus. Für einen Großteil sei die Arbeit in der Werkstatt das Maß an Teilhabe am Arbeitsleben, das sie erreichen könnten. An die Vertreter der Wirtschaft appellierte er, gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, bevor die Entscheidung für eine Verlagerung von Arbeit in andere Länder getroffen wird, doch lieber hier die Werkstätten herauszufordern und deren Leistungsfähigkeit zu testen. Zudem verwies er auf die beiden Eingliederungsprojekte BIWA (Beruflich integrierte Werkstattarbeitsplätze) und KobV (Kooperative berufliche Vorbereitung). Anhand dieser Modelle seien so viel behinderte Menschen wie nie zuvor erfolgreich auf den Ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden.
Berthold Deusch, Leiter des Integrationsamtes Karlsruhe, bestätigte dies und betonte die Freiwilligkeit, da diese Situation im SGB noch nicht geregelt sei. Weiter erläuterte er, dass die Vermittlung von Menschen mit Behinderung meist durch persönliche Kontakte zu Unternehmen geschehe, dessen Lage der Integrationsfachdienst kennt. Am erfolgreichsten klappe dies bei inhabergeführten Unternehmen. An dieser Stelle erfuhr die Runde von Volker Haferkamp wie ein erfolgreiches Beispiel aussehen kann. Durch die Vermittlung von der Werkstätte in den CAP-Markt der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e.V. in seinem Wohnort konnte er dort sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden.
An die politisch Verantwortlichen gerichtet, forderte Deusch: „Eine klare Forderung an die Politik ist, dass der Dschungel der Hilfen und beteiligten Institutionen klarer geordnet wird. In Baden-Württemberg hat sich hier die einheitliche Abwicklung über die Integrationsfachdienste bewährt." Gerhard Volz, Geschäftsführer operativer Bereich der Agentur für Arbeit Karlsruhe, machte hier deren Aktivitäten deutlich. So kümmere sich die Arbeitsagentur vor allem darum Kompetenz festzustellen, Kooperation mit dem Integrationsdienst sicherzustellen und Nischen aufzuspüren.
Sektionssprecher Hanspeter Steiert untermauerte das Engagement das Wirtschaftsrates: „Die Wirtschaft hat nur zögerlich auf die Einladung geantwortet. Jedoch ist das Thema zeitlos wichtig und daher auch bewusst auf die Agenda des Wirtschaftsrates in der der Sektion Karlsruhe/Bruchsal gesetzt.“ Steiert hält zwei Punkte bei der Beschäftigung Behinderter für die Arbeitgeber besonders wichtig: Zum einen die soziale Verantwortung und zum anderen finanzielle Aspekte.
Gegen Ende verdeutlichte Peter Hafner, Geschäftsführer, noch einmal die Situation im Land: „Wir haben in Baden-Württemberg ‚gemeinsame Grundlagen‘ formuliert, die den Übergang in den Arbeitsmarkt erleichtern. Diese können von den Kreisen und Arbeitgebern freiwillig beschlossen werden. Mit dieser Entwicklung haben wir im Land eine besondere Dynamik in der Vermittlung erzeugt und vor allem auch gegenseitiges Vertrauen geschaffen.“
Alex Huber warb darüber hinaus noch für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung: „Kein Samenkorn kann aufgehen, wenn es nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Daher wollen wir gerade auch bei Unternehmern ein Bewusstsein für Menschen mit Behinderung schaffen. Die Mitarbeiter sind gewissenhaft, zuverlässig und verbessern das Betriebsklima der Unternehmen.“ Die Veranstaltung mit mehr als 50 Gästen wurde durch einen Beitrag des hauseigenen Chors abgerundet.









