(openPR) Bonn, 17. Juli 2009. Viele Hinterbliebenen wünschen sich in ihrer Situation alle notwendigen Leistungen aus einer Hand. Die Friedhofsgärtner beweisen, dass die Erfüllung individueller Kundenansprüche nicht bei der Grabgestaltung halt macht und Rundum-Sorglos-Pakete den Menschen ihr Leben in einer besonders schwierigen Situation leichter machen. Der Betrieb von Birgit Simon in Gelsenkirchen zum Beispiel bietet seinen Kunden auch Trauerbegleitung an. Auf diese Weise verbindet die Friedhofsgärtnerin – so ihre eigenen Worte – „Menschlichkeit und Marketing“. Warum Friedhofsgärtner für diese Dienstleistung prädestiniert sind und weshalb Trauerarbeit viel Zukunftspotential hat, erklärt sie dem Bund deutscher Friedhofsgärtner.
Eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen und diesen Dienst auch in das geschäftliche Repertoire aufzunehmen, war für die Gelsenkirchnerin unumgänglich. Zunächst einmal zur Selbsthilfe, denn der nicht gelernte Umgang mit Trauernden führte bei ihr zu einer Art Burn-out-Syndrom: „Täglich mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert zu werden und mit dem Tod Geschäfte zu machen, hatten meine Leistungsfähigkeit und mein Urteilsvermögen schwer erschüttert. Meine anfängliche Intention war es zu lernen, bei der Arbeit Mitgefühl und geschäftliche Interessen zum zusätzlichen Nutzen des Kunden zu verbinden.“ Der Lehrgang habe sich in jedem Fall gelohnt. Anderen Friedhofsgärtnern rät sie ebenfalls zu einem solchen Schritt, auch wenn die Trauerbegleitung kein weiteres werbliches Standbein der Friedhofsgärtner werden soll. Die Ausgangssituation sei sehr günstig, denn kaum jemanden lernt der Hinterbliebene in den Wochen und Monaten nach dem Tod des geliebten Angehörigen so intensiv kennen wie den Friedhofsgärtner, mit dem so viele Fragen geklärt und so viele Entscheidungen mit teilweise jahrelangen Folgen getroffen werden müssen. Simon: „Da wird der Friedhofsgärtner zum Partner, manchmal auch zum engsten Vertrauten.“ Mit Kompetenz einfühlsam zu sein, sei bald schon eine existenzsichernde Eigenschaft für den Friedhofsgärtner, so die 44-Jährige. „Nur einer Minderheit,“ so Simon, „sei so etwas in die Wiege gelegt, der Rest müsse es halt erst lernen. Dies sei keinesfalls einfach, denn der Auszubildende müsse bereit sein, in die eigenen ,Abgründe’ zu sehen.“
Institutionelle Trauerbegleiter
Das Spektrum der Trauerbegleitung, das Simon offeriert, reicht vom schlichten Zuhören über symbolhafte, sehr persönliche Grabgestaltung bis zur gemeinsamen Erstellung der Trauerfloristik mit den Hinterbliebenen. Hier ergäben sich unzählige Möglichkeiten. Eine besondere Innovation sei das im letzten Jahr entstandene Gemeinschaftsgrabfeld „Institutionelle Trauerbegleiter“. Dazu gehört zum Beispiel eine Trauermauer, an der Angehörige eine Kerze für diejenigen Angehörigen anzünden können, die weit entfernt oder unauffindbar anonym beerdigt worden sind. Oder einen Wunschbaum, in den Tücher und Zettel mit Wünschen für die Lebenden und die Verstorbenen gehängt werden können. Simon: „Gerade hier haben wir in der Vergangenheit wahre Überraschungen erlebt. Hat man den Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, der Trauer Ausdruck zu verleihen, nehmen sie den Faden auf und entwickeln eigene Rituale. Etwa indem sie Gedichte und Fotos des Verstorbenen in den Baum hängen. Das sind solche Momente, in denen man weiß, dass der beschrittene Weg in die richtige Richtung geht.“
Im Dienste für die Bewahrergesellschaft
Mindestens genauso schwierig wie diese Kompetenz zu lernen, sei es, Kundschaft zu finden. Die Hemmschwelle ist – genauso wie bei der Aufnahme einer Psychotherapie – sehr hoch, denn viele Trauernde wagen einfach nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen, da das Umfeld Stärke und Funktionieren von den Betroffenen erwarte. Andere Friedhofsgärtner, die ebenfalls Trauerbegleitung anbieten, erzählten ihr, dass die Nachfrage in solchen Orten am größten sei, in denen Trauerbegleitung schon durch andere Anbieter wie Kirchen und Hospizvereine publik gemacht wurde. Unter ihren Kunden sind überwiegend Frauen, aber es seien alle Alters- und Einkommensklassen vertreten. Oft sind es Menschen, die eine symbiotische Beziehung zu ihren verstorbenen Partner hatten oder denen ein soziales Umfeld fehlt, das sie in ihrer Trauer auffängt. Letztendlich ist Birgit Simon sicher, dass es sich hierbei um eine Dienstleistung mit Zukunft handelt. Und sie erklärt dies mit einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel: „Im Allgemeinen ist die Offenheit und Bereitschaft sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen in den letzten Jahren gestiegen. Die Gesellschaft wandelt sich langsam, aber sicher. Aus Wegwerfern werden zunehmend Bewahrer. Dies können wir Friedhofsgärtner nur begrüßen.“










