(openPR) Münster, 10. Juli 2009. Kaum eine andere Branche konnte in den vergangenen Jahren derart starke Zuwachsraten erzielen wie die Hersteller von Outdoor-Bekleidung. Marken wie Jack Wolfskin oder The North Face haben sich von reinen Ausstattern für Natur- und Abenteuer-Freunde zu Herstellern angesagter Alltagskleidung entwickelt. Die Unternehmen wissen: Die meisten ihrer KäuferInnen setzen nicht nur auf Funktionalität und Preis, sondern ebenso darauf, dass Outdoor-Kleidung sozial- und umweltverträglich produziert wird. Entsprechend wird kräftig mit Nachhaltigkeit, Fairness und sozialem Engagement geworben. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus: Auch Outdoor-Bekleidungshersteller sind für gravierende Missstände in Produktionsstätten in Ländern des Südens mitverantwortlich. Im Schatten des von allen Wirtschaftskrisen unberührten Outdoor-Booms nähen – nicht anders als bei großen Textil-Discountern – ArbeiterInnen Kleidung, Schuhe und Rucksäcke weltweit für Hungerlöhne. Sie leisten teilweise exzessive Überstunden. Auch sexuelle Belästigungen von FabrikarbeiterInnen waren in der Vergangenheit zu verzeichnen.
Die in Münster ansässige Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) startet am Dienstag, 14. Juli, vor dem Hintergrund der europäischen Fachmesse „OutDoor“ und im Zusammenhang mit der von ihr mitgetragenen europaweiten Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign CCC) zu einer Informationsrundreise durch Deutschland. Im Rahmen der Reise durch verschiedene Städte, die bis zum 23. Juli andauert, wird die aus El Salvador stammende Textilarbeiterin und NGO-Mitarbeiterin Mariela Quintanilla über ihre aktuellen Recherchen zur Herstellung von Outdoor-Kleidung in El Salvador berichten.
Öffentliche Termine in der 29. Kalenderwoche:
Dienstag, 14. Juli, 20 Uhr, Forum der Katholische StudentInnen- und Hochschulgemeinde (KSHG), Frauenstraße 3-6, 48143 Münster
Mittwoch, 15. Juli, 19.30 Uhr, Soziokulturelles Zentrum Klösterchen, Dahlemer Straße 28, 52134 Herzogenrath
Donnerstag, 16. Juli, 20 Uhr, Eine-Welt-Laden, Lange Gasse 64, 72070 Tübingen
Freitag, 17. Juli, 19.30 Uhr, Seminarraum des Weltladens, Schanzstraße 4, 88045 Friedrichshafen
Die Rundreise wird in der 30. Kalenderwoche fortgeführt. Geplante Stationen sind: 21. Juli Freiburg, 22. Juli Berlin, 23. Juli Hamburg.
Die 30-jährige Mariela Quintanilla ist Vertreterin des salvadorianischen Comité Nacional Laboral, einer gewerkschaftsnahen Nichtregierungsorganisaton (NGO). Die alleinerziehende Mutter eines 12-jährigen Sohnes hat von Juli 1999 bis November 2008 in der Fabrik Confecciones Omega in Santa Ana gearbeitet. Dort wird unter anderem Kleidung für die Marken Russell Athletic, M Body Athletic, Hanes, Fruit Of The Loom sowie Smith’s Workwear produziert. Aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen in dieser Fertigungsstätte kam es seinerzeit zu Protesten der ArbeiterInnen sowie zur Gründung einer eigenen Gewerkschaft, wobei Mariela Quintanilla die Aufgaben der Generalsekretärin übernahm. Durch das Engagement Quintanillas und ihrer KollegInnen konnten einige Arbeitsbedingungen verbessert werden.
Im November vergangenen Jahres schloss Confecciones Omega allerdings die Fabrik über Nacht. Die Angestellten fanden diese verlassen vor. Confecciones Omega schuldete den 1500 ArbeiterInnen Gehälter und Sozialleistungen. Seitdem hat Mariela Quintanilla die Leitung der Klage bezüglich ausstehender Leistungen gegen das Unternehmen übernommen. Darüber hinaus widmet sie sich in ihrer Arbeit den Bedingungen, unter denen TextilarbeiterInnen in der Outdoor-Kleidungsproduktion tätig sind.
Die europaweite Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign CCC), der verschiedenste soziale, ökologische, politische und kirchliche Organisationen angehören, fordert Hersteller von Outdoor-Bekleidung auf, ihrer sozialen Verantwortung endlich in ausreichender Weise gerecht zu werden. Wo dies noch nicht der Fall ist, sollen sich Unternehmen in einer Multistakeholder-Initiative für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten engagieren. Grundlegende Arbeitsstandards im weltweiten Zulieferernetz müssen endlich umfassend umgesetzt – und durch unabhängige externe Institutionen wirksam kontrolliert werden.
Informationen zur Arbeit der Christlichen Initiative Romero und zur Kampagne für Saubere Kleidung gibt es auch im Internet unter www.ci-romero.de sowie auf www.saubere-kleidung.de.
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