(openPR) Deutsche Kabarettisten
Leistners Portraits sind anders. Anders als die der üblichen Verdächtigen. Er malt in eng gesetzten Grenzen. Seine Bilder haben ein fixes Format, eine einfache, warme Farbigkeit und ... sind unscharf. Große, überdimensionale Öl-Portraits, ohne Beiwerk, ohne Schnickschnack, stets nach Fotos gearbeitet. Keine Szenarien, keine gestellten Situationen, just the face. Die Unschärfe begründet sich aus Leistners langjähriger Auseinandersetzung mit unserer menschlichen Wahrnehmung. „Objektive fotografische Schärfe ist eine Lüge, ein mediales Konstrukt“ sagt Leistner „Schärfe ist rein subjektive Empfindung, sie entsteht im Kopf und ist höchst individuell.“
So findet er es äußerst spannend sich mit diesem flüchtigen Moment des Erkennens auseinanderzusetzen.
Wahrnehmungsunschärfen und die damit einhergehenden Mißverständnisse und Deutungsmöglichkeiten sind der Rohstoff der Kreativität schlechthin. Präzision kreiert nichts Neues, sonder funktioniert. Immer wieder, immer gleich. Immer langweilig.
Die Unschärfe eröffnet dem Betrachter all jenes zu sehen, was sonst im Verborgenen bleibt. Leistners Bilder zeigen Menschen wie Rohdiamanten. Für die einen ist es nur eine schnöde Erscheinungsform des Kohlenstoffs, für die anderen das aufregendste Juwel seit Menschengedenken. Es bleibt Raum für eine Unzahl von Zwischentönen. Was man erblickt entscheidet der Blick des Betrachters.
Bisher ließen sich nur Prominente von ihm porträtieren, ein kleiner exquisiter Kreis. Gezeigt werden in dieser Ausstellung bekannte deutsche Kabarettisten. Quasi der Zwischenstand eines bereits mehrere Jahre währenden Projektes.
Wieso zeigt Leistner gerade Kabarettisten? Aus mehrerlei Gründen. Ihre Tätigkeit ist flüchtig, sie haben nie Zeit, sie spielen heute hier, morgen dort, haben aber die stetig wechselnden aktuellen Ereignisse der Zeit stets fest im Blick, sie stehen im Fokus der Öffentlichkeit, des medialen Interesses, welches versucht, sie trotz Ihrer augenscheinlichen Vielseitigkeit auf eine einzige Rolle festzulegen. Sie aber haben Ihrerseits eine ganz eigene Objektivität, Schärfe und Scharfzüngigkeit und das irrwitzige Vermögen, den Fokus auf ebendiese Öffentlichkeit zu legen.
Bei Kaffee und Kuchen lernt Leistner seine Modelle kennen, um dann von ihnen ganze Reihen von unscharfen Fotos zu schießen. Dies ist ein Happening, gehört zur Kunstaktion dazu, kann nicht durch fremde Fotos ersetzt werden. Die darauf folgende Auswahl der Fotos findet dann in Abgeschiedenheit statt, ist rein gefühlsmäßig, der Künstler gewährt keinerlei Mitsprache. „Beklagt hat sich bisher bis auf eine Ausnahme noch niemand“, so Leistner.
Wer sich mit seinem Vorhaben verbunden fühlt kann Leistner beauftragen. Ein Wiedersehen mit dem Maler sei ihm gewiss, denn innerhalb Deutschlands liefert der Künstler seine Portraits selber aus. Das lässt er sich nicht nehmen. Berufsehre!
Vernissage:
Freitag 3.7.2009, 19-21 Uhr
Ausstellungsdauer 3-31.7.2009
Galerie tieck
Tieckstrasse 28
10115 Berlin
Do, Fr 15-19, Sa 11-17 Uhr
und nach Vereinbarung unter
030 240 34 978
0172 436 77 82
www.galerie-tieck.de











