(openPR) Der Familienstreit im L'Oréal-Konzern geht in die nächste Runde. Milliardenerbin Bettencourt verweigert eine weitere medizinische Untersuchung.
Einmal hat Liliane Bettencourt ein längeres Interview zu dem Fall gegeben. "Das, was ich François-Marie Banier gegeben habe - auch wenn es beträchtlich scheint -, ist nicht viel, wenn man die Proportionen betrachtet", hat sie gesagt.
Die Milliardenerbin Bettencourt hat dem mit ihr befreundeten Fotografen Banier Geld, Bilder und Vermögensgegenstände im Wert von 993 Mio. Euro übertragen, errechnete die Justiz, die den Fall untersucht. Was die Proportionen betrifft, hat Madame recht. Die Tochter des Gründers des weltweit größten Kosmetikkonzerns L'Oréal wurde vom Magazin "Forbes" zuletzt auf 13 Mrd. Euro taxiert.
Da kommt es tatsächlich auf eine Milliarde mehr oder weniger nicht an. Die 86-jährige Bettencourt kontrolliert mit ihrer Familie rund ein Drittel von L'Oréal. Diese Familie, im Wesentlichen ihre Tochter Françoise, macht seit einiger Zeit Probleme.
Die 55-Jährige glaubt nämlich, dass es bei den großzügigen Schenkungen der Milliardärin an den Fotografen nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie hat Klage wegen Missbrauchs von Schwäche erhoben und verlangt eine medizinische Untersuchung der Mutter, um zu klären, ob diese noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist. Schon seit Monaten prüft ein Ermittlungsrichter den Fall. Den Fotografen Banier und seinen Lebensgefährten hat sie zwei Tage in Gewahrsam genommen - und wieder freigelassen.
Mutter und Tochter streiten sich zur Unzeit. L'Oréal begeht derzeit mit viel Öffentlichkeitsarbeit den 100. Geburtstag der Firmengeschichte. In der vergangenen Woche feierten in der Zentrale im Pariser Vorort Clichy die Mitarbeiter, für den Abend war Liliane Bettencourt angekündigt - und ihre Tochter.
Nun hat die ältere Dame den jüngsten Vorschlag des Untersuchungsrichters abgelehnt, wie "Libération" berichtete. Der hatte angeregt, Madame solle sich der Begutachtung einer Ärztegruppe unterziehen, die aus einem sie behandelnen Neuropsychiater und zwei weiteren Kollegen besteht. Die Anwälte der Milliardärin dagegen verweisen auf ein Gutachten des Bettencourt-Vertrauensarztes, der sie im Februar zwei Stunden lang überprüft hat.
"Libération" zitiert umfangreich aus den Justizakten, besonders genüsslich aus der medizinischen Expertise, anderen Krankenakten und Zeugenaussagen. Die einen meinen, Madame sei ein bisschen geschwächt, die anderen nicht. Madame selbst meint es nicht, das hat sie in dem Interview hinreichend deutlich gemacht.
Françoise Bettencourt gibt übrigens an, dass sie selbst keine finanziellen Interessen habe und nur die Sorge um die Mutter sie umtreibe. Angeblich hat diese den Fotografen adoptieren wollen. Den Großteil der L'Oréal-Aktien hat die Milliardärin übrigens längst an die Tochter übertragen.










