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Bachelor braucht dringend Hilfe

09.06.200911:37 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master löst sowohl bei den Hochschulen als auch bei den Studenten Stress aus. Immer mehr Studenten brauchen psychologische Beratung, Grund sind die neuen Abschlüsse, in denen keine Auszeit mehr möglich ist. Auch die Unternehmen fordern zunehmend Unterstützung.



Christian Schutz, Personalverantwortlicher der BMW Group, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Es ist mehr Beratung an den Hochschulen nötig.“ Schutz ist auch für Bachelor- und Masterthemen beim Arbeitskreis Personalmarketing zuständig und stellt fest: „Viele Studiengänge wurden lediglich umetikettiert. Dass das nicht gehen kann, ist klar.“

Symptome wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Niedergeschlagenheit zeigen sich bei den Studenten, die den Stress des Studiums nicht mehr allein bewältigen können und Hilfe suchen. Zum Beispiel bei der psychologischen Beratungsstelle der Universität Bonn. Sie ist klein, aber eine Institution.

Leiter Reinhard Kukahn, 69 Jahre alt, groß und dünn, trägt einen braunen Pullover und eine große Brille. Er erkennt den großen Druck, unter dem die Bachelor-Studenten stehen: „Die können sich keine Auszeiten leisten, entweder sie schaffen es – oder sie scheitern. Das ist knallhart.“

Zu ihm kommen nicht die, die ihr Studium schaffen und fertig machen – sondern die, die ihr Studium schafft und fertigmacht. Seit der Einführung von Bachelor und Master ist die Zahl der Studierenden, die sich an die Beratungsstellen der Hochschulen wenden, gestiegen. 2004 kamen 16 000, 2007 schon über 21 000 Hilfesuchende. „2008 ist die Beratungsnachfrage noch mal stark gestiegen“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW). Die Berater an den 43 Einrichtungen des DSW seien sehr gefragt. „Die Beratungsangebote müssen auf jeden Fall mehr werden", macht Meyer auf der Heyde deutlich. Denn die Anzahl derer, die sich mit ihren Problemen alleingelassen fühlen, nehme zu.

Viele Hochschulen haben die Chancen von Bologna nicht genutzt, sondern ihre Diplom- und Magisterinhalte in neue Bachelor-Verpackungen gesteckt – zumindest kommt das vielen Studenten so vor. Der kleine Unterschied ist die verkürzte Regelstudienzeit von drei Jahren. Mehr lernen für bessere Noten – in kürzerer Zeit, mit größerem Druck, weniger Auswahl und höheren Hürden. Denn den Master können nur die Besten machen. Hinzu kommt, dass die Studenten jünger werden – und mehr.

Universitäten, Privat-Unis und Fachhochschulen gehen mit den Problemen der neuen Studienordnung unterschiedlich um: An den Fachhochschulen finden sich nur vereinzelt explizit psychologische Gesprächsangebote, an den Privat-Unis werden sie nur wenig in Anspruch genommen.

Viele der großen Unis hingegen bieten seit Jahren psychosoziale Beratung mit erfahrenem Personal. Denn je größer die Masse der Studierenden, desto schneller geht der Einzelne unter: Die Beratungsstelle an der Universität Köln, mit 44 000 Studierenden eine der größten Deutschlands, gibt es seit 40 Jahren. Elf Mitarbeiter führen 3 000 Beratungsgespräche im Jahr. Auf einen Termin warten Studenten bis zu vier Wochen.

Gaby Jungnickel leitet die Beratungsstelle, sie hält sich gern an Zahlen. Auf einer ausgedruckten Powerpoint-Präsentation sind die Probleme sauber aufgelistet: Lern- und Arbeitsstörungen, Prüfungsangst und Schreibprobleme sind die häufigsten, die unmittelbar mit dem Studium zusammenhängen. Die Übergänge zu persönlichen Problemen sind oft fließend. Das ist aber nicht erst seit Bachelor und Master so.

Sorgen, über die nicht gesprochen wird, können sich zu handfesten gesundheitlichen Problemen auswachsen. Wer dann erst den Schritt in die Beratung wagt, weiß sich oft selbst nicht mehr zu helfen. An der Uni-Klinik Düsseldorf berät Jürgen Riemer Studenten, die ihre Hemmschwelle überwinden und mit ihren Sorgen bis ins Krankenhaus fahren. „Es ist ein Stoßzeitengeschäft“, erklärt Riemer. Vor den Prüfungen steigt der Bedarf an Terminen, jeden Monat gebe es etwa 20 Neuanmeldungen.

Elf Prozent der Studierenden leiden unter psychischen Erkrankungen. Die Sozialerhebung des Studentenwerks hat festgestellt, dass bei 90 Prozent von ihnen die Beschwerden so stark sind, dass das Studium darunter leidet.

Maria, 29, konnte sich bereits im zweiten Semester kaum noch auf den Lernstoff konzentrieren: „Ich war unheimlich ausgelaugt und überfordert.“ In manchen Fächern musste sie bis zu fünf Klausuren schreiben und nebenher 20 Stunden die Woche arbeiten. Gleichzeitig gab es Vorlesungstage von acht bis acht. Der Druck stieg enorm – und das, obwohl sie vorher schon zehn Jahre gearbeitet hatte. Aber als Restaurantkauffrau waren die Jobs hart, die Bezahlung schlecht und immer wieder drohte die Arbeitslosigkeit. Die Uni schien eine gute Alternative, um sich umzuorientieren. Doch der Stress holte sie auch dort ein.

An den Privat-Hochschulen sieht die Situation ein bisschen anders aus. Beate Booß, die Direktorin des Bachelor- und Masterprogramms der WHU Vallendar, muss nur etwa zehn Problemgespräche im Semester führen. „Wenn Studienkarrieren nach unten verlaufen“, das heißt, ein Student mehr als eine Klausur nicht bestanden hat, wird sie vom Prüfungsamt informiert, und sie schlägt den Betroffenen einen Gesprächstermin vor. Ein Bachelor-Problem hat Booß nicht: „Der Kulturschock ist an den öffentlichen Unis viel größer als an den privaten.“

Steffen Laick von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young sieht aber aus diesem Schock ein ernsteres Problem hervorgehen. „Der Druck, der seit einiger Zeit in vielen Unternehmen entstanden ist und die Burnout-Quote hochgetrieben hat, scheint nun auch an der Uni angekommen zu sein.“

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